Bodenburg - Einen Tag vor der Mitgliederversammlung hatte die Vorsitzende des Fördervereins Freies Bad Bodenburg, Ute Hoppe, den Überlassungsvertrag mit der Sportstadt GmbH Bad Salzdetfurth unterzeichnet. Es fehlte nur noch die Zustimmung der Mitglieder, damit der Vertrag Gültigkeit erlangt. Die stehen sehr zur Freude des Vorstandes geschlossen hinter dem Plan, dass der Verein künftig als alleiniger Betreiber des Bades antritt.
Zustimmung für umfassende Sanierung
Um die Anlage fit für die Zukunft zu machen, ist zunächst eine umfassende Sanierung der veralteten Technik geplant. Auch in diesem Punkt signalisierten die Mitglieder Zustimmung. Wann die Arbeiten starten, steht aber noch nicht fest. Der Vorstand will verhindern, dass durch einen vorzeitigen Baubeginn möglicherweise Fördermittel versagt werden.
Für eine Sanierung hat die Stadt bereits Geld in Höhe von 450.000 Euro zugesagt. „Ohne den städtischen Zuschuss könnten wir das Projekt nicht in Angriff nehmen“, erläuterte Hoppe. Beiratsmitglied Jens Kalkmann gab in der Mitgliederversammlung nähere Einzelheiten zu der aufwändigen Sanierung. Als eine wesentliche Veränderung nannte Kalkmann, dass das Wasser künftig von unten in das Becken strömt. Der Technikraum wird komplett entkernt und auf den neusten Stand gebracht.
Vier Betonzisternen
Ein weiterer Punkt ist der Einbau von vier Betonzisternen, die vier Meter tief in die Erde gesetzt werden. In die Behälter gelangt das überlaufende Wasser aus dem Becken. Bis jetzt floss dafür dann frisches Wasser in den Kreislauf. Dazu kommen neue Pumpen einschließlich Sandfilter. Die Spezialfirma wird sich ausschließlich um die Wassertechnik kümmern.
Alle Erd-, Beton-, Leitungsarbeiten und die Elektrotechnik werden in Eigenregie erledigt. Dabei setzt das Freibad auch auf die Unterstützung der Mitglieder und die örtlichen Firmen, die teilweise auch schon ihre Bereitschaft zur Mitarbeit signalisiert haben. Das notwendige Material stellt der Förderverein zur Verfügung. Nach ersten Schätzungen müssen 650 Quadratmeter Platten aufgenommen, 520 Kubikmeter Erde bewegt und hunderte Meter Rohre neu verlegt werden. „Wir sind nun an einem Punkt angekommen, dass nach vielen Gesprächen mit der Fachfirma Melo der Auftrag für die Vorplanung vergeben werden muss“, erläuterte Jens Kalkmann, der die Gesamtkosten derzeit auf rund 1,3 Millionen Euro schätzt. Er hofft aber, dass die Gesamtsumme am Ende nicht so hoch ausfällt.
Zuschuss und Spenden
Neben dem Zuschuss der Stadt und der Einbindung der Firmen setzt der Verein auf Spenden. Über 150 potentielle Unterstützer stehen auf der Liste, erste Zusagen sind bereits eingegangen. Der Finanzierungsbedarf liegt voraussichtlich bei 280.000 Euro. Es fehlt allerdings noch eine Bürgschaft der Stadt über die Summe. Diese muss der Rat noch beschließen. „Wir haben ein sehr gutes Gefühl, das Projekt gemeinsam zu stemmen. Es sieht alles schon sehr gut aus“, sagte das Beiratsmitglied. Während der Bauphase werde das große Becken nicht zur Verfügung stehen. „Es kann vielleicht auch etwas mehr als eine Saison dauern“, mutmaßt Kalkmann.
Dem Abschluss des Gebrauchsüberlassungsvertrages, wie das Papier offiziell heißt, waren zahlreiche Sitzungen vorausgegangen, um die exakten Bedingungen festzulegen. Das Bad wird zunächst bis 2058 mit Option zur Verlängerung unentgeltlich dem Verein überlassen. „Wir haben das Ziel, im Zuge der Renovierungsarbeiten die laufenden Kosten zu senken und die Einnahmen zu erhöhen“, erläuterte Beiratsmitglied Arnd Hesse. Die Zeit als regelrechter Förderverein gehe damit dem Ende entgegen. „Künftig geht es darum, die gesamten Kosten aufzubringen. Dazu würden auch Zins und Tilgung gehören.“ Eine Überlegung sei, auch steuerliche Aspekte mit ins Visier zu nehmen. Als einen wesentlichen Punkt nannte Hesse dabei den Vorsteuerabzug, der gerade bei den Bauarbeiten einen großen Posten ausmacht. Natürlich müssten alle Voraussetzungen im Rahmen des Umsatzsteuerrechts vom Freien Bad erfüllt werden.
Nach 15 Jahren schuldenfrei
„Wenn alles optimal läuft, könnte der Verein nach 15 Jahren schuldenfrei sein“, blickte Hesse schon einmal in die Zukunft. Ute Hoppe freute sich über das Ergebnis der richtungsweisenden Abstimmungen. „Bei dem Votum fällt mir ein Stein vom Herzen“, erklärte die Vorsitzende. Ortsbürgermeister Heinrich Schrell erinnerte daran, dass er bereits vor zwei Jahren an gleicher Stelle für die komplette Übernahme des Freibades plädiert hatte. „In den verschiedenen Gremien wird es sehr hoch geachtet, dass ein Verein mit 1200 Mitgliedern das Bad in freier Trägerschaft bewirtschaftet“, betonte er. Allen sei bewusst gewesen, dass das Bad wegen der alten Technik vor dem Aus gestanden hat. „Es geht um eine Bestandsgarantie für die nächsten Jahrzehnte, so dass die Kinder weiterhin in Bodenburg schwimmen lernen können. Zudem ist das Bad Mittelpunkt gesellschaftlicher Teilhabe“, meinte der Ortsbürgermeister, der optimistisch in die Zukunft blickte.
„Das Schneiden von Büschen reicht aber bei weitem nicht aus. Es geht um Wochen und Monate, die im Bad verbracht werden müssen, damit das gemeinsame Ziel erreicht werden kann. Das muss allen bewusst sein“, betonte Schrell, der sich darüber freute, dass die Mitglieder geschlossen hinter der Führungsmannschaft stehen.
