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Wo an der Schautafel einst der Film des Abends annonciert worden war, ist auf dieser historischen Aufnahme vom 31. Juli 1987 der euphemistische Hinweis „Betriebsferien“ zu lesen. Tatsächlich waren im Capitol für immer die Lichter ausgegangen, hinter den verschlossenen Türen wurde bereits die Ausstattung demontiert. Dabei galt der traditionsreiche Filmpalast vielen als das einst wohl schönste Kino der Stadt.
Entstanden war der Betrieb 1911 als „Lichtspielhaus in der Bernwardstraße“. Nach einigen Namens- und Betreiberwechseln stieg Mitte der 20er-Jahre Willy Beisse ein, der 1939 den Schriftzug Capitol an der Fassade anbringen ließ. Mit der Zerstörung Hildesheims kam im Frühjahr 1945 auch vorerst das Ende für das Kino, von der einstigen Filmbühne blieben nur rauchende Trümmer. Unternehmer Beisse investierte zunächst in die Standorte Waldquelle und Schauburg, dann lernte seine Tochter Sigrid den Film-Enthusiasten Paul Strunk kennen und lieben, der als Chef des Europa-Filmverleihs Hamburg auch die Hildesheimer Kino-Säle der Familie betreute. Strunk hatte während des Krieges in Köln und Berlin gearbeitet, war also großstädtisches Flair gewohnt. Für Hildesheim hegte er ambitionierte Pläne und setzte sie auch entschlossen in die Tat um. Auf einer Baulücke in der Almsstraße entstand in nur sechs Monaten das Capitol wieder, nun ein schicker und moderner Bau im Stil der 50er-Jahre, Nierentisch-Optik und kurvige Linien an der Fassade inklusive.
Die Eröffnung am 20. Juni 1957 war zugleich die Premierenvorstellung der „Zürcher Verlobung“ und bald konnten die Hildesheimer hier auch echte Leinwand-Größen bewundern. Beim Besuch der Darsteller des Heimatfilms „Wenn die Heide blüht“ war 1960 der Ansturm der Fans so groß, dass schließlich die Polizei gerufen werden musste. Als sich Georg Thomalla 1971 ansagte, war man vorgewarnt: „Hochwürden“ drückte an den Kinokassen so erfolgreich ein Auge zu, dass man die Autogrammstunde gleich ins gegenüberliegende Kaufhaus Horten verlegt hatte. Besonderen Aufwand betrieb 1982 das Produktionsteam der deutschen Filmkomödie „Im Dschungel ist der Teufel los“, acht Elefanten des Zirkus Williams-Althoff marschierten durch die Fußgängerzone zum Capitol.
Doch im Laufe der Jahrzehnte wurde es fürs Capitol immer schwerer: Zum Entspannen gab es mittlerweile viele konkurrierende Angebote, Fernsehen und Videotheken hielten die Besucher auf den heimischen Sofas fest. Auch steigende Mieten in der Innenstadt verhagelten den Kinobetreibern die Bilanzen. Das Ehepaar Strunk musste reagieren, schon 1978 war die Fläche reduziert worden, dreißig Jahre nach dem Neustart fiel schweren Herzens der Entschluss zur Aufgabe. Am 1. August 1987 musste das Capitol schließen.
