Hildesheim - Jeden Tag veröffentlicht die Hildesheimer Allgemeine Zeitung auf ihrem Instagram-Kanal ein Foto des Tages. Haben Sie auch einen ganz besonderen Schnappschuss gemacht? Dann senden Sie uns das Bild mit dem Betreff „Hingucker“ an redaktion@hildesheimer-allgemeine.de.
Werbung für Kölnisch Wasser, die Buchstaben A, N und K an der Hausfassade links, dazu ein Zebrastreifen, wo heute keiner mehr ist und das Wissen: Früher durften hier noch Autos rüberfahren. Die historische Aufnahme, die rund um das Jahr 1964 entstanden ist, zeigt den Blick auf die damalige Almsstraße und das Almstor. Und damit auch einen Bau, der früher erst Hotel war, dann Möbelhaus – und bei dem nach der Zerstörung am 22. März 1945 die Schiffsbug-Idee wieder auf den Tisch kam. (Foto: Archiv Verlag Gebrüder Gerstenberg)
Die kostbare Ecke an der Kreuzung von Hannoverscher, Bernward- und Kaiserstraße war ein echtes Sahnestück, die Erwartung des Publikums entsprechend: An dieser 1-A-Position musste in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts unbedingt etwas Spektakuläres entstehen, am besten ein exquisites Hotel. Gastronom Louis Peter hatte den Zuschlag bekommen und August Rincklake mit der Konzeption beauftragt. Und der Professor an der TU Braunschweig hatte Großes vor, schon der Haupteingang geriet hochherrschaftlich, die Vorfahrt wurde von hohen Arkaden flankiert, das anschließende Treppenhaus war mit seinen verspiegelten Galerien ein wahres Wunderwerk.
Ende der 1880er-Jahre wurde das Hotel Hildesheimer Hof errichtet, Rincklake war ein Meisterwerk geglückt, sein Hildesheimer Hof steuerte auf die Nachbarschaft zu wie ein Schiffsbug, und beim Blick aus dem obersten Giebelfenster konnten sich Gäste lang vor Kate Winslet und Leonardo DiCaprio wie Könige der Welt fühlen.
Doch nach dem ersten Run knickten die Buchungszahlen ein, die Nobelherberge war für die Provinz eine Nummer zu groß. Der Hildesheimer Hof wurde in Hotel Bristol umgetauft, so wollte man noch Weltoffenheit dokumentieren, die Trendwende gelang aber nicht, im Frühjahr 1904 fand das Möbelmagazin der Vereinigten Tischler hier ideale Räume, die bis zur Zerstörung im Zweiten Weltkrieg von Merrettig & Zauche bespielt wurden.
Das Einrichtungshaus engagierte Wilhelm Fricke für den Neustart, verlangt wurde ein höheres Gebäude, um dem Platz ein modernes Gesicht zu verleihen. Fricke ließ sich von der Schiffsbug-Idee seines Vorgängers inspirieren, noch betont von der vorgelagerten zweigeschossigen Glashalle. Und auch der Waschbeton lässt seine Handschrift erkennen, der stammte aus eigener Produktion.
Später nutzte zeitweise auch Möbel Boehme das Gebäude, anschließend dann Teppich Klemke, doch auch dieser Name ist schon längst wieder Geschichte.
