Foto des Tages

Historischer Hingucker: Der Andreasplatz in Hildesheim – noch in grün

Hildesheim - Für kaum einen Platz in Hildesheims Innenstadt wurden so viele Ideen entwickelt wie für den Andreasplatz. Eine große Umgestaltung, die nur drei Monate dauerte, sehen bis heute viele kritisch.

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Wie so viele Gebäude wurde auch die Andreaskirche beim Bombenangriff vom 22. März 1945 zerstört. Nach dem Wiederaufbau entstand auf dem Platz auf der Nordseite wieder eine Wiese – so, wie es sie früher auch gegeben hatte. Ende der 1960er-Jahre wurden 1200 Quadratmeter mit Rasen eingesät, dann noch Strauchwerk gepflanzt. Rund drei Jahrzehnte blieb es so, wie die historische Aufnahme vom 14. Mai 1999 aus dem Archiv des Verlags Gebrüder Gerstenberg beweist. Doch kurz darauf rollten Bagger und Baufahrzeuge an.

„Der Platz schreit nach einer Gestaltung“: Das gab Oberstadtdirektor Wilhelm Buerstedde zu Protokoll, als anno 1985 im Vorstand der Weinhagen-Stiftung die Zukunft der Flächen rund um die alte Bürgerkirche St. Andreas erörtert wurde. Der südlich gelegene Abschnitt stand damals nur bei Schülerinnen und Schülern hoch im Kurs, die dort in schöner Regelmäßigkeit die Zeugnisvergaben zum Anlass nahmen, die Noten auf ihren Giftzetteln in feuchtfröhlicher Atmosphäre wahlweise zu feiern oder zu beweinen. Der Anblick von Scherben und volltrunkenen Teenagern wurde über Jahre toleriert, dann riss Superintendent Johannes Brockhoff der Geduldsfaden, 1990 verbot er das exzessive Treiben.

Grüner und schöner wünschten sich die Verantwortlichen die Umgebung, mit dem Bugenhagenbrunnen vor der Brücke zur Andreas-Passage gelang ein erster Schritt, die Öffnung des Turmes für Besucher der Aussichtsplattform tat ein Übriges. Die botanische Komponente blieb dann auf der Strecke, im nordwestlichen Bereich fand die Verwaltung die aus ihrer Sicht ideale Ausweichfläche für den Wochenmarkt, statt in Neupflanzungen flossen kurz vor der Jahrtausendwende 600.000 Mark in die Versiegelung.

Nach drei Monaten Arbeit war das Werk vollbracht, doch schon damals wurde die Umgestaltung kontrovers diskutiert – heute wird der Andreasplatz als Steinwüste kritisiert.