Foto des Tages

Historischer Hingucker: Der Hildesheimer Karneval – früher ein Hit

Hildesheim - An welche Stadt denkt man beim Karneval – Köln? Düsseldorf? Mainz? Jedenfalls nicht Hildesheim. Doch auch hier wurden die närrischen Tage einst ausgiebig gefeiert.

Hildesheim - Jeden Tag veröffentlicht die Hildesheimer Allgemeine Zeitung auf ihrem Instagram-Kanal ein Foto des Tages. Haben Sie auch einen ganz besonderen Schnappschuss gemacht? Dann senden Sie uns das Bild mit dem Betreff „Hingucker“ an redaktion@hildesheimer-allgemeine.de.


Tausende waren am 28. Februar 1954 auf den Beinen, um wie hier an der damals noch mit Robinien bestandenen Luisenstraße einen Blick auf den Hildesheimer Rosensonntagszug zu werfen. Hildesheim war im Faschingsfieber, Gesellschaften wie „Rote Husaren“ oder „Funken“ erblickten das Licht der Welt, 1954 wurde hier sogar der Norddeutsche Karnevalsverband konstituiert.

Fünf kurze Jahre lang war auch in der Rosenstadt die Begeisterung für Rosensonntag und Rosenmontag groß. Es begann mit einer spektakulären Aktion: Bei der Gründung des Klubs „Gelb-Rot“ wurden zwei Ensemblemitglieder des Stadttheaters zum Prinzenpaar gekürt und ein eigens für den Anlass komponierter Schlager vorgestellt: „… Pott heißa, Pott heißa! / Und geht die ganze Kiste aus dem Leim, / Das ist uns ganz egal: Wir feiern Karneval, / Wir feiern Karneval in Hildesheim!“ Der erste, für den 17. Februar 1952 angesetzte Umzug stieß auf riesiges Interesse, geschätzte 40.000 Zuschauer begleiteten die Festwagen auf ihrem Weg durch die Straßen.

Der Erfolg machte Lust auf mehr, 1953 hatte man auf der Steingrube ein Festzelt errichtet, als Clou präsentierte der NDR dort seine Sendung „Schwarz oder Weiß“ mit Vico Torriani und anderen Showgrößen. Am kältesten Tag des Winters versagten allerdings die Heizgebläse ihren Dienst, den Gästen musste mit Weinbrand innerlich eingeheizt werden. Dafür waren am „Rosensonntag“ eine Woche später sagenhafte 60.000 Besucher auf den Beinen.

Für 1955 gab es große Pläne für ein Event auf dem Marktplatz, dichtes Schneetreiben machte aber einen Strich durch die Rechnung der Veranstalter. Das Fehlen einer eigenen Stadthalle belastete die Kalkulation, ein teures Festzelt war bei aller Begeisterung nicht dauerhaft zu finanzieren. Der Hildesheimer Karnevalsboom kam rasch an seine Grenzen, auch 1956 spielte die Witterung nicht mit, die fünfte Jahreszeit kann in Mitteleuropa eben nur selten auf die Gunst der Meteorologen bauen. Mit dem Aschermittwoch des Jahres 1957 war die große Zeit der tollen Hildesheimer Tage schon wieder vorbei.