Foto des Tages

Historischer Hingucker: Die erste Wienerwald-Filiale in Hildesheim

Hildesheim - Heutzutage kann man am Hildesheimer Hohnsensee in den Wienerwald einkehren – doch lange Zeit zuvor war die erste Filiale des Hähnchengrills viel zentraler zu finden.

Noch vor der Eröffnung werfen Passanten im August 1980 interessierte Blicke durch die Schaufenster der ersten Wienerwald-Filiale in Hildesheim. Foto: Archiv Verlag Gebrüder Gerstenberg

Hildesheim - Jeden Tag veröffentlicht die Hildesheimer Allgemeine Zeitung auf ihrem Instagram-Kanalein Foto des Tages. Haben Sie auch einen ganz besonderen Schnappschuss gemacht? Dann senden Sie uns das Bild mit dem Betreff „Hingucker“ an redaktion@hildesheimer-allgemeine.de.


„Heute bleibt die Küche kalt, wir gehen in den Wienerwald“ – dieser Slogan mischte die Branche auf. Die Idee von Friedrich Jahn war simpel: Chicken aus den USA war günstig, warum das Geflügel nicht einmal in Reihe aufspießen und gemeinsam auf dem Rost zubereiten? Der Hähnchengrill namens Wienerwald trat seinen Siegeszug rund um den Globus an. Im Sommer 1980 war es schließlich in Hildesheim so weit, in der Scheelenstraße 10 gab es einen Leerstand, innerhalb von sechs Wochen verwandelten die Arbeiter des Münchener Spezialisten „gastro bau“ die Räume des Huthauses Haase in die deutsche Niederlassung Nummer 500. (Aufnahme vom 7. August 1980, Archiv Verlag Gebrüder Gerstenberg

Wo zuvor elegante Kopfbedeckungen anprobiert wurden, herrschte nun gediegene österreichische Atmosphäre mit stilechter Lüftlmalerei an den Wänden. Für die passende Gestaltung der Wände sorgte der eigens aus Bayern eingeflogene Lüftl-Maler Sepp Ingerl. An der Theke wurden Pils und Altbier ausgeschenkt, österreichische Weine runden das Angebot ab. Als Eröffnungsangebot lockte am 8. August das halbe Wienerwald-Hendl zum günstigen Mitnahmepreis von nur 3,95 Mark, Öffnungszeiten von 10 Uhr bis 1 Uhr ermöglichten den schnellen Happen in der Mittagspause, beim abendlichen Familienausflug konnten die Älteren neben Pils und Altbier auch Spitzenweine aus dem Burgenland oder der Steiermark verkosten.

Auf dem Höhepunkt des Erfolgs verfügte Friedrich Jahn über 1.536 Restaurants weltweit mit etwa 27.000 Mitarbeitern, zum Firmenimperium gehörten Hotels, ein Touristikbetrieb, Weinkellereien, Autobahnraststätten, ein Transportunternehmen, ein Elektrohersteller, eine Druckerei, Immobilien- und Beratungsgesellschaften sowie ein Verlag. Aus dem Tellerwäscher war tatsächlich ein Multimillionär geworden.

Das Unternehmen rutschte dennoch 1982, 2003 und 2007 in die Insolvenz, der Stern verblasste. Mittlerweile gibt es die Wienerwald GmbH mit Sitz in Hildesheim, die mit dem Wienerwald eine neue Erfolgsgeschichte schreiben will. Die erste neue Filiale eröffnete in Torfhaus im Harz und mittlerweile gibt es auch in Hildesheim wieder einen Wienerwald, aber nicht in einem Wald, sondern am Hohnsensee.

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