Hildesheim - Jeden Tag veröffentlicht die Hildesheimer Allgemeine Zeitung auf ihrem Instagram-Kanalein Foto des Tages. Haben Sie auch einen ganz besonderen Schnappschuss gemacht? Dann senden Sie uns das Bild mit dem Betreff „Hingucker“ an redaktion@hildesheimer-allgemeine.de.
An die 30.000 Hildesheimerinnen und Hildesheimer setzten sich in Bewegung, fast ein Drittel der Stadtbevölkerung wollte sich die offizielle Einweihung des Hohnsensees am 26. Mai 1974 nicht entgehen lassen. Die Vorführungen des Hildesheimer Ruder-Clubs, der Kanu- und Segelgilde sowie der Wasserballer von Hellas 99 begeisterten die Schaulustigen. Und all das gab auch wunderbare Fotomotive her, bei denen die Kirchtürme von St. Andreas und St. Godehard im Hintergrund über den Wipfeln thronen. (Bild anklicken, um es in voller Größe zu sehen. Foto: Archiv Verlag Gebrüder Gerstenberg)
Schon 1937 hatte die Verwaltung daran gedacht, in den Wiesen an der Straße nach Ochtersum ein Hochwasser-Ausgleichsbecken aufzustauen. Die Partei wollte die Sportanlagen vor Überflutungen schützen, auch sollte an der Jowiese ein Heim für die Hitlerjugend entstehen, um dessen Schutz man vorsorglich bemüht war. Widerstand kam überraschend aus der Landwirtschaft, ein Blut-und-Boden-Romantiker protestierte beim Regierungspräsidenten, wertvolle „deutsche Erde“ dürfe nicht preisgegeben werden, der RP gab die Eingabe zu den Akten.
Die Landschaftsarchitekten Hans-Friedrich Werkmeister und Martin Heimer holten die alten Pläne 1964 wieder aus der Schublade, mit Unterstützung des Rotary-Clubs konnte eine Ideenskizze für einen etwa 500 Meter langen und 250 Meter breiten See mit Café und Bootssteg präsentiert werden. Der Clou dabei: Der See sollte nicht aufgestaut, sondern ausgehoben werden, quasi als Nebenprodukt des Kiesabbaus entstehen. Weiterer unschlagbarer Vorteil dieser Variante: sauberes Grund- statt kontaminiertem Innerstewasser, Baden also erlaubt. Diese Win-win-Situation ließ sich der Rat nicht entgehen und stimmte dem Kiesausbeutungsvertrag mit den Firmen Kanngießer Dosier-Kies GmbH & Co. und Mölders für die Verwertung zu.
Bis zur Einweihung des entstehenden Badesees sollten acht Jahre vergehen, rund 770.000 Tonnen des begehrten Baustoffes wurden zutage gefördert. Die Stadt war mit einer Mark pro Tonne beteiligt, die sie zweckbestimmt in Uferbepflanzung und Grünanlagen investierte, das Freizeitparadies mit gut 100.000 Quadratmetern neuer Wasserfläche entstand zum Nulltarif, der Kämmerer hatte nicht einen Pfennig dazu bezahlt.
