Foto des Tages

Historischer Hingucker: Die Quelle-Filiale in der Hildesheimer Almsstraße

Hildesheim - Prächtig beleuchtete Schaufenster, mehrere Umzüge und dann das Aus – fast 50 Jahre lang war für viele aus nah und fern ein Besuch bei Quelle in Hildesheim eine Selbstverständlichkeit.

Hildesheim - Jeden Tag veröffentlicht die Hildesheimer Allgemeine Zeitung auf ihrem Instagram-Kanal ein Foto des Tages. Haben Sie auch einen ganz besonderen Schnappschuss gemacht? Dann senden Sie uns das Bild mit dem Betreff „Hingucker“ an redaktion@hildesheimer-allgemeine.de.


Hereinspaziert! Fast ein halbes Jahrhundert konnten Hildesheimerinnen und Hildesheimer in einer Quelle-Filiale in der Stadt stöbern – und bestenfalls auch finden, was sie suchten. Auf der historischen Aufnahme vom 9. März 1989 präsentiert Geschäftsleiter Rudolf Schmirler, seit 1980 Chef von 25 Mitarbeitern, stolz die neuen, auf 500 Quadratmeter ausgebauten Räume der Filiale in der Almsstraße, die unter „Quelle-Technorama“ firmierte.

Dabei begann die Quelle-Ära in Hildesheim einst woanders: Die erste Filiale eröffnete am 18. Oktober 1960 in der Hannoverschen Straße 1. Die Zweigstelle des Großversandhauses lockte die Kundschaft auch in den Abendstunden mit prächtig illuminierten Auslagen und Schaufenstern an. Acht Jahre später zog die Verkaufsstelle in die Bahnhofsallee 32. Quelle-Gründer Gustav Schickedanz kniete sich in die Arbeit, dirigierte vom heimischen Fürth aus die wachsenden Warenströme und langte bei den „Arisierungen“ der Nazis, die er schon vor der Machtergreifung unterstützt hatte, kräftig zu. Der Geschäftsbetrieb von Quelle musste schon vor dem Kriegsende eingestellt werden, Bombenangriffe hatten Zentrale und Lager zerstört. Das Entnazifizierungsverfahren bescheinigte dem Gatten, wie so vielen, nur ein „Mitläufer“ gewesen zu sein und rehabilitierte ihn vollständig, im Wirtschaftswunderland konnte die Familie nun wieder durchstarten. Der Slogan „Quelle hilft im Haus, nütz’ es für Dich aus!“ zündete, zehn Jahre nach Kriegsende lag der Umsatz bei 260 Millionen Mark.

Als in der Hildesheimer Innenstadt die Fußgängerzone eingerichtet wurde, brach die Kundenfrequenz in der Bahnhofsallee drastisch ein, dafür zogen die Mieten zwischen Huckup und Almstortunnel kräftig an. Des einen Freud, des anderen Leid: Im Zentrum mussten die Kinos Roxy und Capitol die Segel streichen, Vierfuss und Quelle übernahmen deren Standorte vis-à-vis von Horten mit Kusshand. Mit dem Umzug in die Almsstraße im Herbst 1978 verband die Konzernleitung die Erwartung von rasant steigenden Verkaufszahlen, die Umsätze sollten endlich die Größenordnung eines zweistelligen Millionenbetrages erreichen. Als „Quelle-Technorama“ lag der Schwerpunkt hier bei brauner und weißer Ware der Elektrotechnik, vor allem die Eigenmarken Privileg und Universum waren Verkaufsschlager, versprach die Werbung doch „ehrliche Leistung für wenig Geld“.

Ab den 1990er-Jahren hinterließen Handelskrise und Online-Angebote allerdings Spuren in der Bilanz. Quelle fusionierte, schließlich legten die Arcandor-Akteure eine filmreife Pleite hin. In Hildesheim schloss die Quelle-Filiale im November 2009.