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1919. Der Erste Weltkrieg ist vorbei, das bemerkt auch die Unterhaltungsbranche. Kinos schießen allerorts aus dem Boden, Hunderte deutsche Filme werden pro Jahr gedreht. Der erste Film-Erfolg lässt sich im Herbst verzeichnen: „Madame Dubarry“ mit Pola Negri in der Hauptrolle, gelobt von Zuschauern und Kritikern zugleich. Exakt dieser Streifen läuft auch am 16. Juli 1920 als Premiere in Hildesheims erstem Kino – der Schauburg. Am 8. August 1996, an dem die historische Aufnahme, die diesmal zu sehen ist, aufgenommen wurde, hatten die Besucherinnen und Besucher bereits deutlich mehr Filmauswahl und mehrere Kinosäle. (Foto: Archiv Verlag Gebrüder Gerstenberg)
Kaufmann Alfred Schloß gehörten kurz nach dem Ersten Weltkrieg bereits die „Bernward-Lichtspiele“ im Kaiser-Café in der Bernwardstraße. Doch er möchte ein eigenständiges Kino und findet für seine Schauburg einen geeigneten Ort in der Pepperworth nahe des Bahnhofs. Bereits 1925 brennt es ab, Schloß muss verkaufen. Willy Beiße aus Hannover übernimmt, führt die Schauburg durch den Zweiten Weltkrieg und richtet sie nach der Bombenzerstörung wieder her. 1948 tauft er sie in „Neue Schauburg“ um. Den Ausbau treibt auch Beißes Tochter, Siegrid Strunk, voran, die das Geschäft 1963 übernimmt.
Anfang der 80er-Jahre kauft Karl-Heinz Brinkmann die Schauburg und entrümpelt sie bis auf die Außenmauern. Auch die Belüftung muss erneuert und für die Zukunft gerüstet werden. Denn die Schauburg, nun „Schauburg-Kino-Center“, ist ein Raucherkino und soll es zu dieser Zeit auch bleiben. Die Gäste sitzen in französischen Luxussesseln an kleinen Tischen, auf denen dimmbare Lampen stehen – andere Zeiten. Rund 1000 Plätze fasst seine Schauburg in vier Sälen, einer ist später für Kunstfilme reserviert.
Im Spätherbst 2007 schließt die Schauburg ihre Türen für immer. Heute steht hier ein Parkhaus.
