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An der Ecke Almsstraße/Kurzer Hagen kann man in einen Außenfahrstuhl steigen und muss sich dann entscheiden: Möchte ich ins China-Restaurant oder zu einer der Arztpraxen? Früher gab es da noch andere Möglichkeiten und die Entscheidung fiel nicht schwer: Nichts wie auf ins Café Otto! Richard Otto war mit seinem Café einst in der Altpetristraße gestartet, konnte nach dem provisorischen Zwischenspiel im Zingel 21 aber nach dem Zweiten Weltkrieg wieder ins Zentrum zurückkehren. An der Ecke Almsstraße/Kurzer Hagen bot ein Wohn- und Geschäftshaus in der ersten Etage ausreichend Platz für den Betrieb, wie die historische Aufnahme zeigt, die um das Jahr 1954 entstand. (Foto: Archiv Verlag Gebrüder Gerstenberg)
Nach dem plötzlichen Tod Ottos wollte seine Witwe schon aufgeben, fand in Werner Hellwig aber doch noch einen Nachfolger fürs Café. Als Werner Hellwig den Pachtvertrag unterschrieb und seinem Sohn Jürgen die Führung des Betriebs anvertraute, der kurz nach dem Attentat auf John F. Kennedy im November 1963 eröffnete, konnte niemand das tragische Schicksal des US-Präsidenten vorausahnen – auch wenn die Namensgebung durchaus als Reverenz an dessen Engagement für die unter dem Mauerbau leidende deutsche Hauptstadt zu verstehen war. Über der Klubecke hing in prominenter Position ein drei Meter langes Foto mit einer historischen Ansicht der Metropole.
Unter der Regie von Jürgen Hellwig entwickelte sich das Lokal zum beliebten Treffpunkt der mittleren Jahrgänge der Stadt, auf dem Parkett drängten sich in den besten Zeiten allabendlich die Paare zu flotten Klängen international bekannter Kapellen. Hinter der Fachwerkfassade konnten sich die Gäste auf zwei Etagen wie in einem Wiener Caféhaus fühlen. Musiker sorgten für eine dezente Begleitung der Gespräche an der Kuchentafel. Anfang der 1980er-Jahre kam dann allerdings das Aus fürs Café Berlin – und nun heißt die Entscheidung im Aufzug also: Arztpraxen oder China-Restaurant.
