Hildesheim - Jeden Tag veröffentlicht die Hildesheimer Allgemeine Zeitung auf ihrem Instagram-Kanal ein Foto des Tages. Haben Sie auch einen ganz besonderen Schnappschuss gemacht? Dann senden Sie uns das Bild mit dem Betreff „Hingucker“ an redaktion@hildesheimer-allgemeine.de.
Adrett mit Frack und Zylinder – aber auf einer heute ungewohnten Route: Junggesellen erreichen am 19. Juni 1965 den Hohen Weg von der Schuhstraße aus. Die Fußgängerzone ist noch nicht eingerichtet, direkt neben dem Sportgeschäft Eisholz dokumentiert das Foto aus dem Verlagsarchiv Gebrüder Gerstenberg zwanzig Jahre nach Kriegsende ein nur notdürftig bebautes Trümmergrundstück.
Im Juni ist in Hildesheim traditionell Volks- und Schützenfest samt großem Umzug durch die Stadt, ab heute geht es auf dem Volksfestplatz an der Lademühle wieder los. Viele Jahre und Jahrzehnte ist das Fest auf dem früheren Standort an der Schützenwiese in der dritten Juniwoche ein Besuchermagnet. Konkurrenzveranstaltungen fehlen noch und der günstige Termin kurz vor dem Beginn des weltgrößten Festes in der Landeshauptstadt lockt viele Schausteller vorab an die Innerste.
1965 muss das Volksfest umziehen, die Polizei will ihr altes Dienstgebäude an der Kaiserstraße aufgeben und tauscht die Flächen an der Pappelallee mit der Stadt, von nun an müssen die Hildesheimer ihr Volksfest an der Lademühle feiern. Mit der Rekonstruktion des historischen Marktplatzes wird der Hildesheimer Veranstaltungskalender vielseitiger, Wein- und Marktfeste machen dem traditionellen Angebot zunehmend Konkurrenz.
Die Rückkehr zum alten Festplatz neben der Sporthalle soll zur Jahrtausendwende den Besucherzahlen wieder aufhelfen, dort fehlt allerdings der Platz für große Zelte und attraktive Fahrgeschäfte, Anlieger beschweren sich zudem über den Lärm. 2013 wird aus dem ehrwürdigen Hildesheimer Schützenfest dann das „Hildesia-Stadtfest“, das neue Format wird mit eher mäßigem Erfolg in der Innenstadt angeboten. 2017 folgt die Rolle rückwärts, der zwischenzeitlich als „schwierig“ geschmähte Standort Volksfestplatz an der Lademühle ist wieder en vogue.
Die Hildesheimer Schützengesellschaft führt ihre Gründung übrigens gern auf die legendäre Schlacht bei Dinklar 1367 zurück und pflegt bis heute eine enge Bindung zum damals siegreichen Hildesheimer Bischof. Einen schriftlichen Beleg für dieses Datum liefern die Akten zwar nicht, aber die Ursprünge des Schützenwesens führen sicher in die Zeiten zurück, als der wehrpflichtige Bürger noch selbst sein Hab und Gut mit Hellebarde und Armbrust von den Stadtmauern aus oder im Kampf auf offenem Feld gegen Feinde verteidigt.
