Foto von früher

Historischer Hingucker: Militärmusik auf Hildesheims Marktplatz

Hildesheim - In Hildesheim drehte sich viele Jahrzehnte lang vieles um Berlin – unter anderem bei einem besonderen Ball im Vier Linden. Initiiert wurde all das von einem Verein mit überaus sperrigem Namen.

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Auf Einladung des Kreisverbandes des Bundes der Berliner und Freunde Berlins e.V. kam am 4. Oktober 1967 die 298th US-Army-Band aus der Sektorenstadt zu einem Benefizkonzert in die Sporthalle. Nach einer Parade vom Güterbahnhof durch die Stadt gaben die 36 Militärmusiker auf dem Marktplatz eine erste Kostprobe ihres Könnens. (Foto: Archiv Verlag Gebrüder Gerstenberg)

Der „Bund der Berliner und Freunde Berlins e.V.“ gründete sich im Juli 1951 in Hildesheim, doch warum man den doch sehr sperrigen Vereinsnamen und mit der ebenfalls wenig wohlklingenden Abkürzung BdBFB wählte – das bleibt wohl das Geheimnis der Gründer. Von der sprichwörtlichen Berliner Schnauze hätte man mehr Kreativität erwartet, zumal das Anliegen höchst wichtig war, wollte man doch den Kontakt und die Erinnerung an die Vier-Mächte-Metropole in der jungen Bundesrepublik um jeden Preis wachhalten.

Seine erste Bewährungsprobe erlebte der lokale Ableger beim Volksaufstand des 17. Juni 1953. Der Zorn kochte hoch, als das Pankower Regime die Freiheitsbewegung mit Hilfe sowjetischer Panzer blutig niederschlagen ließ, die HAZ veröffentlichte Eilmeldungen, die von Demonstrationen im Ostsektor und Sprechchören wie „Nieder mit der SED, freie Wahlen!“ berichteten. Der BdBFB forderte sofort, mit einer lokalen Straßenbenennung auf die Ereignisse zu reagieren. Dem gab der Rat gleich doppelt nach, noch vor der Fertigstellung erhielten das Einfahrtstor zur Stadt und die Anbindung zur B1 den Namen Berliner Kreisel und Berliner Straße.

Regelmäßig wurden auch amerikanische und britische Musikkapellen zu Gastauftritten in der dann stets überfüllten Sporthalle Pappelallee eingeladen. Und zum Höhepunkt im lokalen Veranstaltungskalender avancierte der Zille-Ball, bei dem sich echte und Wahl-Berliner alljährlich zur Faschingszeit stilecht kostümiert im Vier Linden zusammenfanden, um zwischen „Langem Lulatsch“ und „Goldelse“, beide natürlich nur Deko, kräftig zu schwofen. Berlin mag vielleicht arm, aber sexy sein, die Feten des BdBFB fand man der Innerste damals auf jeden Fall ziemlich schnieke.

Mit der Wiedervereinigung und der Rückkehr von Parlament und Regierung erreichte der Verband schließlich sein großes Ziel und löste sich Ende 1998 auf.