Hildesheim - Jeden Tag veröffentlicht die Hildesheimer Allgemeine Zeitung auf ihrem Instagram-Kanal ein Foto des Tages. Haben Sie auch einen ganz besonderen Schnappschuss gemacht? Dann senden Sie uns das Bild mit dem Betreff „Hingucker“ an redaktion@hildesheimer-allgemeine.de.
Schlittenhunderennen verortet man gemeinhin in Skandinavien oder arktischen Regionen, doch Wolfgang Aerde hatte einst eine verwegene Idee: Warum nicht die Szene einmal an die Innerste holen, bevor alles zu den Europa- und Weltmeisterschaften in Richtung Alpen aufbricht, fragte sich der Holler, der beim Verein für Schlittenhundesport aktiv war? Der heutige historische Hingucker beweist: So abwegig war die Idee überhaupt nicht! (Foto: Archiv Verlag Gebrüder Gerstenberg)
Aerde rennt damit auch bei HAZ-Redakteur Uwe Graels offene Türen ein, die Zeitung präsentiert das 1. Hildesheimer Schlittenhunderennen, das Anfang Dezember 1994 auf dem Galgenberg stattfinden soll. Als Start- und Zielraum dient die Jahnswiese, hier soll auch das Lager der Hundesportler eingerichtet werden. Die Resonanz ist überwältigend, 71 Musher aus Deutschland und den Niederlanden melden sich an, 400 Hunde gehen an den Start. In neun Rennklassen kämpfen die Gespanne zwei Tage lang um den Sieg.
Die nur 5,5 Kilometer lange Strecke wird von einigen Teilnehmern zunächst als etwas mickrig belächelt, doch erweist sich der Trail als durchaus anspruchsvoll: Die langen Anstiege haben es in sich, verlangen den lauffreudigen Vierbeinern einiges ab. Auch ihre Musher kommen gehörig ins Schwitzen, müssen teilweise absteigen, um die Geschwindigkeit zu halten. Mit Tempo 30 fegen die Huskys über den Waldboden, der sich bei perfektem Wetter als optimaler Untergrund erweist. Von Schnee und Eis zwar keine Spur, dafür ist es bei strahlend blauem Himmel aber zumindest trocken.
Das lockt auch die Besucher in Scharen, schon morgens um zehn Uhr pilgern die ersten Fans auf das weitläufige Areal, hören von Weitem das Bellen und Heulen der Hunde. Tausende tummeln sich rund um den Galgenberg, laufen die Distanzen ab und beobachten gespannt das Geschehen. Zahlende Besucher bekommen exklusiven Zugang, mehr als 3000 Gäste berappen die fünf Mark Eintritt aber gern, geht das Geld doch direkt an den Tierschutzverein. Das Ziel, das Rennen dauerhaft in der Stadt zu halten, gelingt aber nur einige Jahre, dann macht die Karawane der Hundesportler um Hildesheim wieder einen großen Bogen.
