Foto von früher

Historischer Hingucker: Pausenhof mit Blick über die Dächer Hildesheims

Hildesheim - Die markante Fassade dürften viele in Hildesheim kennen, beim Neubau vor mehr als 50 Jahren hatte man aber nicht allzu viel Platz fürs Gebäude – und musste in manchen Fragen kreativ werden.

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Ein Pausenhof auf dem Dach im zweiten Obergeschoss – nicht alltäglich, aber aus Platzgründen unabdingbar. Der schöne Rundblick vom Kolleggebäude des heutigen Mariano-Josephinums über die Stadt brachte einige Minuten willkommene Ablenkung vom stressigen Schüleralltag. Diese Aufnahme stammt vom 27. August 1977.

Den Anstoß zum Bau des Kolleggebäudes hatte 1972 der Beschluss der Kultusministerkonferenz gegeben, bundesweit die gymnasiale Oberstufe zu reformieren. In den letzten beiden Jahren wurde der feste Verbund der Klasse aufgelöst, die Schüler besuchten stattdessen Kurse in ihren Pflicht- und Wahlfächern. Für ein möglichst breites Kursangebot waren nun Schülerzahlen von 130 bis 140 pro Jahrgang erforderlich, die das Josephinum nur in enger Zusammenarbeit mit der Marienschule erreichen konnte. Statt Klassenräumen musste der Schulträger Kursräume für die verschiedenen fachlichen Schwerpunkte vorhalten, was sich im bestehenden Baubestand allerdings nur schwer umsetzen ließ.

Vor über 1000 Zuschauern, darunter auch viele Schüler von Josephinum und Marienschule, legte Generalvikar Adalbert Sendker am 7. Mai 1976 den Grundstein für das neue katholische Schulzentrum im Herzen der Stadt. Fünf Millionen Mark ließ sich das Bistum die neue Schule kosten. Nachbarschaft und Platzangebot stellten Architekt Karl Wedemeyer vor besondere Herausforderungen, die vier Geschosse mit 3500 Quadratmetern Nutzfläche wurden zwar in Stahlbeton-Skelett-Bauweise errichtet, die vorgehängte Fassade aber reich gegliedert und mit Treppentürmen aufgelockert, aus Sicht der Planer eine „architektonische Bereicherung“ der Umgebung. Nur für einen Schulhof reichte der Platz nicht, kreative Köpfe fanden allerdings auch dafür eine ungewöhnliche Lösung: Die Schüler stiegen in den Pausen einfach ihrer Schule aufs Dach.