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Die Hildesheimer Bank beweist nach der Jahrhundertwende ein gutes Gespür für Grundstücke: Am Westhang des Galgenbergs kauft das Kreditinstitut mehr als vier Hektar Acker- und Weideland und plant dort nichts Geringeres als ein eigenes Viertel für die bessere Gesellschaft. Rund 50 repräsentative Häuser sollen zwischen Mozart-, Richard-Wagner-, Mendelssohn- und Beethovenstraße in die Höhe wachsen. Die Werbebotschaft richtet sich an gut betuchte Unternehmer und höhere Staatsdiener und verspricht ihnen die Abgeschiedenheit auf der Anhöhe, während unten in der Stadt das Leben pulsiert.
Die Rechnung geht auf, schon bald beziehen die ersten Familien ihre Anwesen, denen sie gern wohlklingende Namen wie „Villa Liska“ oder „Villa Scholastica“ geben. Bald wohnen hier ein Oberbürgermeister, ein Generalmajor, ein Zuckerwarenfabrikant und Conrad Voß, der als Architekt dem Musikerviertel sein Gesicht gibt. Auch Bankdirektor Leo Lehmann lässt sich 1912 in der Mozartstraße 2 nieder. Sein Landhaus wird in den folgenden Jahrzehnten eine bewegte Geschichte erleben und später als Offiziersheim dienen.
Nicht mehr erlebt hat diesen Wandel ein anderer Zeitzeuge: Die alte Bockwindmühle, die über das junge Villenviertel wacht, übersteht das Jahr 1906 nicht. Ein Sturm richtet so schwere Schäden an, dass sie abgebaut werden muss. Mit ihr verschwindet ein Stück bäuerlicher Vergangenheit vom Galgenberg, zurück bleibt ein Wohnquartier, das bis heute zu den begehrtesten Adressen der Stadt zählt.
