Foto von früher

Historischer Hingucker: Villen statt Weiden – als am Galgenberg noch die Mühle stand

Hildesheim - Wo eben noch Kühe grasten und Korn gemahlen wurde, entsteht nach 1900 ein Quartier für die feine Gesellschaft: Die Villenkolonie am Galgenberg lockt Fabrikanten, Beamte und Bankiers in die Höhenlage über der Stadt.

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Die Windmühle auf dem Galgenberg wird 1906 bei einem Sturm beschädigt und abgetragen, auf diesem Foto der entstehenden Villenkolonie ist sie noch zu sehen. Die Häuser Mozartstraße 1 und 2 werden erst kurz vor dem Ersten Weltkrieg errichtet, die Grundstücke sind hier noch unbebaut.

Die Hildesheimer Bank beweist nach der Jahrhundertwende ein gutes Gespür für Grundstücke: Am Westhang des Galgenbergs kauft das Kreditinstitut mehr als vier Hektar Acker- und Weideland und plant dort nichts Geringeres als ein eigenes Viertel für die bessere Gesellschaft. Rund 50 repräsentative Häuser sollen zwischen Mozart-, Richard-Wagner-, Mendelssohn- und Beethovenstraße in die Höhe wachsen. Die Werbebotschaft richtet sich an gut betuchte Unternehmer und höhere Staatsdiener und verspricht ihnen die Abgeschiedenheit auf der Anhöhe, während unten in der Stadt das Leben pulsiert.

Die Rechnung geht auf, schon bald beziehen die ersten Familien ihre Anwesen, denen sie gern wohlklingende Namen wie „Villa Liska“ oder „Villa Scholastica“ geben. Bald wohnen hier ein Oberbürgermeister, ein Generalmajor, ein Zuckerwarenfabrikant und Conrad Voß, der als Architekt dem Musikerviertel sein Gesicht gibt. Auch Bankdirektor Leo Lehmann lässt sich 1912 in der Mozartstraße 2 nieder. Sein Landhaus wird in den folgenden Jahrzehnten eine bewegte Geschichte erleben und später als Offiziersheim dienen.

Nicht mehr erlebt hat diesen Wandel ein anderer Zeitzeuge: Die alte Bockwindmühle, die über das junge Villenviertel wacht, übersteht das Jahr 1906 nicht. Ein Sturm richtet so schwere Schäden an, dass sie abgebaut werden muss. Mit ihr verschwindet ein Stück bäuerlicher Vergangenheit vom Galgenberg, zurück bleibt ein Wohnquartier, das bis heute zu den begehrtesten Adressen der Stadt zählt.