Foto des Tages

Historischer Hingucker: Was machte der Hubschrauber über der Autobahn 7 in Hildesheim?

Hildesheim - Einen Vorschlag, den es auch diesmal wegen der hohen Spritpreise gab, ist gar nicht so neu. Schon vor mehr als 50 Jahren kam er auf – und damals fuhr die Polizei rund um Hildesheim einiges auf.

Hildesheim - Jeden Tag veröffentlicht die Hildesheimer Allgemeine Zeitung auf ihrem Instagram-Kanal ein Foto des Tages. Haben Sie auch einen ganz besonderen Schnappschuss gemacht? Dann senden Sie uns das Bild mit dem Betreff „Hingucker“ an redaktion@hildesheimer-allgemeine.de.


Die Spritpreise sind stark gestiegen, wäre da nicht ein Tempolimit im Verkehr eine Idee? Die Wirtschaftsweise Veronika Grimm hält das für ein „kluges Signal“ – und Tankrabatte, Preisdeckel und Übergewinnsteuer seien „der falsche Weg“. Die Idee, die Grimm Anfang April geäußert hat, ist nicht neu. Im Herbst 1973 zwang der von der Ölkrise verursachte Kraftstoffmangel die Bundesregierung, Fahrverbote an Sonntagen sowie Geschwindigkeitsbeschränkungen von Tempo 100 auf Autobahnen und 80 auf Bundesstraßen zu verhängen. Und kontrolliert wurde in und um Hildesheim akribisch. (Foto: Archiv Verlag Gebrüder Gerstenberg)

Der Verkehrsminister schlug im Hinblick auf die hohe Zahl von Verkehrstoten zwar vor, dauerhaft solche Regeln zu erlassen, scheiterte aber am Bundesrat, der zunächst für einen bundesweiten Großversuch plädierte. Das hatte auch Auswirkungen für Hildesheimer Verkehrsteilnehmer, denn die A 7-Abschnitte im Landkreis gehörten zu den ausgewählten Teststrecken im Land. Im Abstand von acht Kilometern wiesen nun Schilder auf die neue Höchstgeschwindigkeit von 130 hin. Die Reaktionen darauf fielen höchst unterschiedlich aus und entsprachen allen gängigen Autofahrer-Klischees.

An der Tankstelle Hildesheimer Börde bekundeten Fahrer höher motorisierter Fahrzeuge eher ihr Unverständnis über diese „neue Schikane“, Kleinwagenbesitzer empfanden die Regelung hingegen oft als „Segen“. Vereint zeigten sich beide Seiten aber in der Empörung über die ihnen zugedachte Rolle als „Versuchskaninchen“. Wollten die Behörden mit dieser Maßnahme doch in der Praxis testen, ob das monotone Langsam-Fahren über weite Strecken nicht etwa mehr Unfälle verursachen würde als das extreme Rasen einzelner Verkehrsrowdies. „Können die denn noch ruhig schlafen, falls jetzt mehr Unfälle als bisher passieren?“, fragte ein aufgebrachter Käferfahrer.

Die Hildesheimer Polizei überwachte auch die Einhaltung der nur testweise eingeführten Geschwindigkeitsbegrenzung peinlich genau. „So viele Radarfallen habe ich selten gesehen“, gab etwa ein aus Hessen stammender Fahrer an. Die neue Einsatzzentrale „Hildegard“ überwachte mit einem eigenen Fernmelde-Betriebsraum den überörtlichen Kräfteeinsatz im Regierungsbezirk, an der Hildesheimer Schützenwiese koordinierte die Funkeinsatzzentrale „Bertha 1“ die Maßnahmen, die Polizeizentrale des Landes in Hannover erhielt den passenden Namen „Adler“. Für Sicherheit auch aus der Luft sorgten die in der Landeshauptstadt stationierten Hubschrauber des Typs „Alouette“.

Die Maschine „Phönix“ auf unserem Foto war der Star des Pressetermins an der Autobahnbrücke und sorgte bei vielen Autofahrern für das „große Zittern“. Und das zu Recht, konnten die Behörden mit seiner Hilfe doch nun die Geschwindigkeit auch aus der Luft messen. Vorrangig wurden vom Hubschrauber aus aber Verkehrsteilnehmer beobachtet, die den Verkehr durch ständiges Linksfahren behinderten. Die vom Bordwart zur Anschlussstelle beorderten Kollegen einer Funkstreife konnten den Fahrer dann stellen und dessen Verstoß ahnden. Kraftstoffmangel war also zumindest für die Sicherheitskräfte schon kein Thema mehr.