Foto von früher

Historischer Hingucker: Wilhelmshöhe, Bebop – und der Verfall auf dem Hildesheimer Rottsberg

Hildesheim - In nur neun Jahren wurde das Bebop auf dem Rottsberg zum Sehnsuchtsort vieler Hildesheimerinnen und Hildesheimer. Ein Blick auf den Vorgänger, die Sorge vieler Eltern und einen ersehnten Abriss.

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Keine Hanfplantage vor der Tür, wie besorgte Eltern damals hätten vermuten können, sondern nur ein Bild des langsamen Verfalls. Aus dem Ausflugslokal Wilhelmshöhe wurde zwischenzeitlich das Bebop, das für eine ganze Generation zum legendären Ort wurde. Doch nachdem die Disco Ende 1985 schließen musste, wurde das Gebäude seinem Schicksal überlassen.

Schon ab 1899 gab es auf dem Rottsberg ein Ausflugslokal. Wirt Johannes Wolpers konnte seinen Gästen den höchsten Aussichtspunkt bieten, störte sich aber an dem wenig werbewirksamen Namen, zumal in der vielfach noch gebräuchlichen Schreibweise „Rotzberg“… Wolpers hatte aber schon häufiger Kassel besucht, da kam die Idee mit der „Wilhelmshöhe“ wie von selbst.

Den Zweiten Weltkrieg überstand der beliebte Betrieb unbeschadet, es kam sogar ein Campingplatz dazu. Doch im Laufe der Zeit änderten sich die Freizeitgewohnheiten. Und schließlich schlug die Stunde von „Doddy“. Candido de Bona hatte gemeinsam mit Kurt-Martin Leiding und Peter Höcker die zündende Idee, wie endlich der für Jugendliche an der Innerste vorherrschenden Langeweile und Tristesse beizukommen war: mit einem eigenen Laden.

Nach kurzem Umbau öffnete das Bebop als Disco und Kneipe seine Pforten. Und war dabei viel mehr: Konzerthalle, Kino, zweites Wohnzimmer und Ersatzfamilie. Viele Eltern versuchten, den Nachwuchs vor der vermeintlichen Drogenhölle zu bewahren. Doch das war vergebene Liebesmüh. Ende 1985 zog das Bebop in die Steuerwalder Straße – das Gebäude auf dem Rottsberg verfiel zusehends. Ende Januar 1987 brannte die alte Gaststätte aus, die Ruine war bis zum Abriss über drei Jahre später ein stetes Ärgernis für Anlieger und Spaziergänger.