Hildesheim - Kommende Woche Samstag ist der kalendarische Sommeranfang und das nahende Wochenende verspricht bereits Temperaturen von bis zu 30 Grad. Was für die einen jetzt den Besuch im Freibad bedeutet, sorgt dagegen die Deutsche Umwelthilfe (DUH). Denn die Umweltschutzorganisation bemängelt, dass sich zu viele deutsche Städte im Sommer zu sehr aufheizen, was das Leben ihrer Bewohnerinnen und Bewohner stark beeinträchtige. Nun hat die DUH erneut einen sogenannten „Hitze-Check“ veröffentlicht, in dem sie aufzeigt, in welchen Städten die Menschen am meisten von Hitze betroffen seien. Von 190 untersuchten Städten erhielten 31 eine „Rote Karte“, darunter auch Hildesheim – als einzige Stadt in Norddeutschland.
Die DUH veröffentlichte vergangenes Jahr ihren ersten Hitze-Check, damals war Hildesheim noch im „gelben Bereich“. Im diesjährigen Vergleich ist die Stadt aber in den „roten Bereich“ abgerutscht und befindet sich damit in der Riege derjenigen Städte, deren Bewohnerinnen und Bewohner überdurchschnittlich stark von Hitze betroffen sein sollen. Um das aufzuzeigen, zieht die DUH einen sogenannten „Hitzebetroffenheitsindex“ heran, den sie aus vier Werten errechnet: der durchschnittlichen Oberflächentemperatur zur Mittagszeit während der Sommermonate Juni bis August, entnommen von Satellitendaten; des Anteils der Versiegelung der städtischen Flächen, zum Beispiel durch Straßen oder Gebäude; der Bevölkerungsdichte sowie der Anzahl begrünter Flächen in der Stadt. Dabei nimmt die DUH alle bewohnten Flächen im Stadtgebiet in einem Raster von 100 Mal 100 Meter in den Blick. Unbewohnte Bereiche des Hildesheimer Stadtgebiets wie der Großteil des Hildesheimer Walds fließen demnach nicht in die Bewertung mit ein.
Hildesheim gerade so im „roten Bereich“
Liegt eine Stadt in dieser Berechnung nun oberhalb des Werts 16,16, gilt sie bei der DUH als „stark betroffen“, also deutlich zu heiß – und Hildesheim landet mit einem Wert von 16,17 mit Haaresbreite im roten Bereich. Die durchschnittliche Oberflächentemperatur der Domstadt liege demnach bei 36 Grad Celsius, der Anteil versiegelter Fläche bei 47,98 Prozent und der Anteil begrünter Flächen bei nur 3,06 Prozent. Zum Vergleich: die Stadt Hattingen in Nordrhein-Westfalen, die von allen untersuchten Städten mit einem Indexwert von 11,99 am besten abschnitt, hat eine durchschnittliche Oberflächentemperatur von 30,52 Grad Celsius, einen Versiegelungsanteil von 38,54 Prozent und 4,98 Prozent Grünflächen. Hattingen hat ungefähr halb so viele Einwohnerinnen und Einwohner wie Hildesheim und eine rund 20 Quadratkilometer kleinere Fläche.
Der DUH versteht seinen Hitze-Check als „Warnsignal“ an die Städte – und ruft sie auf, sich intensiver gegen die Hitze zu wappnen. „Ab sofort muss die Begrünung von Städten und der Erhalt von Bäumen genauso priorisiert werden wie Wohnungsbau und die jeder anderen Infrastruktur“, fordert DUH-Bundesgeschäftsführerin Barbara Metz als Reaktion auf den Hitze-Check. „Von den 34 Millionen Menschen in den untersuchten Städten sind 32 Millionen von mittleren und extremen Hitzebelastungen betroffen.“ Da laut Metz jährlich rund 3000 Menschen in Deutschland an extremer Hitze sterben, sei der Schutz dagegen umso dringlicher – gerade in den Städten wie Hildesheim, die nun aus DUH-Sicht besonders schlecht abschnitten.
Rathaus nehme das Ergebnis ernst
Für die Hildesheimer Verwaltung komme die Einstufung an sich nicht überraschend, zumindest nicht mit Blick auf die Innenstadt – diese sei schließlich „dicht bebaut und stark versiegelt“, sagt Stadtsprecher Helge Miethe auf Anfrage dieser Redaktion. Eine Trendwende hin zu mehr Hitzeschutz sei in einem bereits bebauten und belebten Gebiet „natürlich ein langwieriger Prozess“ – auch, da sich viele Hildesheimer Flächen im Privatbesitz befänden und deren Besitzerinnen und Besitzer nicht immer alle bereits verfügbaren Förderprogramme („zum Beispiel zu Hofentsiegelungen oder Fassadenbegrünungen“) nutzten.
Allerdings reagiere man im Rathaus auch verwundert auf das Gesamtergebnis der DUH – „insbesondere, was die hohe Temperatur anbelangt“, so der Stadtsprecher. Auch bei der Anzahl der Grünflächen verweist er auf eine Auswertung der Berliner Morgenpost aus dem Jahr 2016, die anhand von Satellitenbildern Hildesheim als Deutschlands siebtgrünste Großstadt (damals galt Hildesheim noch als eine) deklarierte. „Insofern werden wir uns die Zahlen genauer anschauen und analysieren“, so Miethe. Insgesamt nehme man das DUH-Ergebnis aber ernst, beteuert er – der Klimaschutz sei ein „wichtiges strategisches Ziel der Stadt Hildesheim“.

