Sarstedt - Es gehört bereits zur Silhouette von Sarstedt, als hätte es dort schon immer gestanden. Dabei reiht sich das fünfte Hohe Haus auf dem Kipphut erst seit April in das bestehende Ensemble ein. Knapp 22 Meter ragt die Hausnummer 2B in die Höhe – ein Konstrukt aus Mauerwerk und Stahlbeton. Alle 22 Wohnungen sind vermietet, im Erdgeschoss tummeln sich die Kinder der Kita Kleeblätter, nur die Wohngemeinschaft für junge Erwachsene mit körperlichen Beeinträchtigungen ist noch in ihrer Findungsphase. Am Dienstagnachmittag ist der Neubau mit einem Mieterfest nun offiziell eingeweiht worden.
„Gelungene Symbiose“
Als „sehr gelungene Symbiose verschiedener Lebensformen“, bezeichnete Klaus Bruer, Aufsichtsratsvorsitzender der Kreiswohnbaugesellschaft (kwg) Hildesheim, das Wohnprojekt bei seiner Begrüßungsrede. Auf den acht Etagen finde gemeinsames Leben statt, keine Separierung. Bruer, dessen Amtszeit in wenigen Tagen endet, freute sich, nach der Grundsteinlegung im Juni 2019 und nach circa 22-monatiger Bauzeit nun auch noch dem feierlichen Abschluss beiwohnen zu können.
Knapp 8 Millionen Euro hat die Kreiswohnbau in das „besondere Haus“, wie Bürgermeisterin Heike Brennecke titelte, gesteckt. Besonders deshalb, weil neben dem integrativen Miteinander auch die Innenstadtverdichtung weiter vorangetrieben werden konnte. Es ist das Zauberwort, wenn es darum geht, der wachsenden Nachfrage nach bezahlbarem Wohnraum nachzukommen. Dabei wird, wie der Name schon sagt, auf eine Erschließung von unbebauten Flächen verzichtet. Stattdessen wird dort in die Höhe gebaut oder werden Baulücken geschlossen, wo ohnehin schon betonierter Grund vorhanden ist.
2800 Quadratmeter Wohnfläche
Ein Problem, das Susanne Schmidt, Direktorin des Verbands der Wohnungswirtschaft Niedersachsen-Bremen (vdw), in dem auch die kwg Mitglied ist, ansprach. So sei es neben dem nachhaltigen Bauen das zentrale Thema der derzeit im Verband organisierten 180 Genossenschaften und kommunalen Wohnungsbaugesellschaften. Das Hohe Haus in Sarstedt – 22 Wohnungen, eine Pflegewohngruppe und eine Kita auf einem kleinen Grundstück von 1740 Quadratmetern zu errichten – sei entsprechend ein „Vorbild“. Durch den Bau in die Höhe konnten so 2800 Quadratmeter Wohnfläche geschaffen werden – zuzüglich einer Tiefgarage mit circa 930 Quadratmetern.
(Das 360-Grad-Bild ist im Juni 2020 auf dem damaligen Rohbau entstanden.)
„Sarstedt hat ohnehin das Problem weiter in die Fläche zu gehen“, sagte Kreiswohnbau-Geschäftsführer Matthias Kaufmann. Nicht nur wegen der geografischen Grenzen, sondern auch weil die Bundesregierung den Flächenverbrauch bis 2050 soweit senken will, dass Flächenneutralität herrscht. Ein solches Bauprojekt wie das Hohe Haus lasse sich jedoch nicht in jeder Kommune gleichermaßen umsetzen. „Rat und Politik haben sich was getraut“, lobte Kaufmann. Zudem hätten die Entscheider Weitsicht bewiesen, was Kaufmann als „mustergültig“ kommentierte.
Dank an die Anwohner
Dessen Dank galt aber nicht nur explizit Bürgermeisterin Brennecke, den Planern vom Architektenbüro Hirsch und dem Kreiswohnbau-Team, sondern auch den Anwohnerinnen und Anwohnern, die über Monate schon ab morgens Betonmischer und Kreissäge ertragen mussten. „Es gab aber wenig Schwierigkeiten und das ist nicht selbstverständlich“, betonte Kaufmann, der überdies öfter gefragt werde, warum er soviel in Sarstedt baue: „Der Grund ist der, das im Landkreis Hildesheim in Sarstedt der Wohnungsbedarf am größten ist.“ Das habe bereits die Warteliste für die Wohnungen im Hohen Haus gezeigt.
(Das 360-Grad-Bild ist im Juni 2020 auf dem damaligen Rohbau entstanden.)
Auf dem ehemaligen Bauhofgelände in der Bleekstraße steht nun das nächste kwg-Projekt an: 48 Wohnungen in einem Mix aus öffentlich geförderten und frei finanzierten Appartements.

