Borsum - Hochstimmung hat am Wochenende in Borsum geherrscht. Dank bayerischem Flair: Das Zelt war beim Oktoberfest am Samstag brechend voll. Bei einem Event mit Wurzeln aus dem Jahr 1977, das es nur alle zwei Jahre gibt. Die 18-köpfige bayerische Kapelle Rainer Hernek & Die Ludwig Thoma Musikanten ist dabei an zwei Tagen aufgetreten – und der Funke sprang zum Publikum über. Weit über 1000 Menschen haben am Samstag und Sonntag gefeiert, Bingo-Mann Michael Thürnau lockte am Sonntag die Leute in Scharen an. Sieben Gruppen, darunter der Spielmannszug St. Hubertus Borsum, traten im Zelt auf. Zwar fiel der geplante Umzug mit 25 Gruppen wegen des schlechten Wetters aus, dennoch verbuchen die Veranstalter das Oktoberfest als Erfolg – das liegt besonders an der Gruppe, die aus mehr als 600 Kilometern per Bus angereist ist und viel von Brauchtum versteht.
„Die Nähe der Leute zu uns ist es, was Borsum vom Oktoberfest in München unterscheidet“, verrät Rainer Hernek hinter den Kulissen. „Wir haben hier als Musiker einen Draht zum Publikum. In Borsum ist ratzfatz Stimmung“, sagt der 53-Jährige mit dem gemütlichen Akzent. Er ist Kapellmeister der Dachauer Formation Rainer Hernek & Die Ludwig Thoma Musikanten. Genau das ist der Gegensatz zum Oktoberfest und der Grund, warum die Kapelle aus Dachau immer wieder nach Borsum kommt. Die Atmosphäre sei familiär, erklärt Hernek. Seit gut zehn Jahren treten sie in der Hildesheimer Börde auf. Und so sei eine Freundschaft entstanden. „Die Musik verbindet uns mit den Besuchern“, sagt auch Trompeter Simon Kuhn. „Die Leute schätzen hier die bayerische Kultur. Deshalb macht es Spaß, hier aufzutreten“, fügt Nicolas Eicher hinzu, der ebenfalls Trompeter ist.
Telefonischer Kontakt
Den Kontakt zu den Bayern hatte der heimische Spielmannszug telefonisch aufgebaut. Und Rainer Hernek sagte spontan zu, den Borsumern bei ihrem Oktoberfest unter die Arme zu greifen. Denn die Kapelle macht öfter außerhalb von Bayern Musik – und ist inzwischen auch in der Hildesheimer Börde eine feste Größe. Natürlich sind die Dachauer liebend gern beim wahren Oktoberfest in München dabei, im Wiesn-Festzelt Bräurosl. Doch ein Konflikt ums Musikprogramm eines Festwirts habe dieses Jahr ein Engagement verhindert, wie Hernek verrät. Aber der Termin in Borsum war für die Gruppe festgezurrt. „Und klar, irgendwann werden auch Borsumer mit uns spielen. Ob in Dachau oder hier auf der Bühne. Diese Idee wird umgesetzt“, betont der Bayer.
Einer, der sich ebenfalls im Festzelt sehr wohl fühlt, ist Michael Thürnau. Der spielt mit etwa 400 Besucherinnen und Besuchern eine gute Stunde Bingo. „Ich bin gern die halbe Stunde hierher gefahren. Das Studio ist um die Ecke“, sagt der Showmaster aus Hannover. Und die Region ist ihm sowieso ein Begriff, war er doch in Hildesheim schon öfter aufgetreten. „Auch in Borsum bin ich schon mal gewesen. Das war mit dem NDR-Info-Mobil in den achtziger Jahren“, plaudert Thürnau mit der Redaktion am Rande der Bühne.
Publikum voll im Griff
Ein paar Minuten später hat er das Publikum voll im Griff. In Hannover sei man so reserviert, nur mal „Guten Tag, Herr Thürnau“, in Borsum aber nähmen die Leute kein Blatt vor den Mund, erzählt Thürnau. „Als ich heute in Borsum ankam, sagte gleich einer: Moin Dicker. Das passt mir.“ Und der Duft von Fischbrötchen am Zelteingang sowie Bier zum Frühstück – das gefalle ihm auch, scherzt der Bingo-Mann, was in den Sitzreihen ebenfalls ankommt.
Dann sahnen etliche Gewinner unter anderem 150-Euro-Preise beim Spiel mit Thürnau ab, der nachher stapelweise Autogramme schreibt. Viele wollen Selfies mit ihm, die Schlange ist lang. „Ich habe ihn schon vor 30 Jahren getroffen“, erzählt eine Autogrammjägerin stolz.
Die Bingo-Show und der Schlussakkord der Bayern auf der Bühne am Sonntag sind eine runde Sache, auch wenn das Wetter den geplanten Umzug mit 25 Gruppen zunichte macht, was etliche enttäuscht. Der Treck wird schweren Herzens abgesagt. Dafür soll er 2027 wieder durchs Dorf ziehen – und ja, vorher ist ein Hauch Theresienwiese im Festzelt angesagt.



