Überschwemmungen

Hochwasser im Kreis Hildesheim am Freitagabend: Flüsse gehen langsam zurück – und nun kommt wohl Frost

Kreis Hildesheim - Der Wasserstand der Leine sinkt weiter nur ganz langsam, an der Innerste geht es deutlich schneller. Neue Daten zeigen, das ein außergewöhnlich regenreicher Dezember die Überschwemmungen mit verursacht hat. Vor allem aus dem Harz wurden enorme Niederschlagsmengen gemeldet. Die Lage am Freitag um 18 Uhr.

Blick nach Süden bei Schliekum: Die Leine sorgt weiter für schwere Überschwemmungen im Landkreis Hildesheim. Foto: Till Röß Drones

Kreis Hildesheim - Der Wasserstand der Leine im Landkreis Hildesheim ist am Freitagnachmittag hauchdünn unter die Vier-Meter-Marke gefallen. Der Wsserstand der Innerste ist wieder leicht zurückgegangen. Unterdessen liegen neue Daten vor, wonach es im Dezember außergewöhnlich viel geregnet hat – was die Hochwasser-Situation in ganz Niedersachsen und auch im Kreis Hildesheim verschärft hat. In den nächsten Tagen soll es kälter werden, das dürfte zur Entspannung der Lage zumindest im Kreis Hildesheim beitragen. Der Blick auf die beiden großen Flüsse, ihre Staubecken und die wichtigsten Nebenflüsse (Stand Freitag, 18 Uhr).

Leine-Pegel stabil

Leine: Der Wasserstand der Leine ist am frühen Freitagabend am Pegel Poppenburg bei Burgstemmen auf 3,99 Meter gefallen. Damit ist er seit Donnerstagmorgen um ganze acht Zentimeter gesunken und liegt erstmals seit Heiligabend wieder unter vier Metern. Viele Felder und Wiesen sowie einzelne Straßen im Westkreis – etwa die zwischen Nordstemmen und Schloss Marienburg – sind seit mehr als einer Woche überschwemmt.

Der Landesbetrieb für Wasser-, Küsten- und Naturschutz (NLWKN) erwartet für Freitag und Samstag, dass der Wasserstand weiter leicht zurückgeht, aber weiter deutlich oberhalb der dritten und höchsten Meldestufe von 3,50 Metern verbleibt.

Am Pegel in Greene, also zwischen dem Rückhaltebecken Salzderhelden und dem Landkreis Hildesheim, ist der Wasserstand von Freitagmorgen bis Freitagabend indes wieder um drei Zentimeter gestiegen und liegt um 18 Uhr bei 6,17 Metern. Die höchste Meldestufe liegt dort bei 5,50 Metern.

Salzderhelden läuft langsam voll

Staubecken und Zuflüsse: Ein wesentlicher Grund für die stagnierenden Leine-Pegelstände bleibt, dass der NLWKN weiterhin erhebliche Wassermengen aus dem großen Rückhaltebecken bei Salzderhelden abgibt. Am Freitagabend lag der Abfluss weiter bei rund 155 Kubikmetern pro Sekunde, also geringfügig höher als in den Tagen zuvor. Der Polder, ohne den die Leine in den vergangenen Tagen auch im Kreis Hildesheim wohl noch weit schwerere Überschwemmungen angerichtet hätte, ist inzwischen wieder zu 39,5 Prozent gefüllt. Das sind gut 15 Prozentpunkte mehr als am Vortag, es fließt also wieder spürbar mehr Wasser in den Polder hinein als heraus. Über Weihnachten und „zwischen den Jahren“ war der Polder binnen sechs Tagen komplett vollgelaufen.

Rhume geht zurück

Der Pegelstand des wichtigsten Leine-Zuflusses in Südniedersachsen, der Rhume, ist am Freitagnachmittag wieder gefallen – von 2,16 Metern am Mittag auf nunmehr 2,07 Meter. Der prognostizierte erneute Anstieg ist ausgeblieben, für die nächsten Stunden und Tage erwartet der NLWKN ein deutliches Absinken des Wasserstandes. Höchststand im Zuge des aktuellen Hochwassers waren in Northeim 3,43 Meter. Ein wichtiger Zufluss der Rhume ist die Söse aus dem Harz, deren Talsperre aktuell zu 81,1 Prozent gefüllt ist.

Innerste vor klarem Rückgang?

Innerste: Der Pegelstand der Innerste bei Heinde hat sich am Freitagnachmittag bei 4,05 Metern eingependelt. Das bedeutet weiterhin lediglich Meldestufe 1. Höchststand im aktuellen Hochwasser waren 6,26 Meter. Der NLWKN sagt inzwischen ein Absinken des Wasserstandes um 30 bis 40 Zentimeter für den Samstag voraus.

Talsperre und Zuflüsse: Der Füllstand der Innerste-Talsperre liegt am Freitagmorgen weiterhin stabil bei 76,7 Prozent. Weiterhin landet fast genauso viel Wasser neu im Stausee, wie andererseits an die Innerste abgegeben wird: Neun Kubikmeter fließen hinein, zehn hinaus. Im Zweifel haben die Harzwasserwerke angesichts des deutlich gesunkenen Pegelstandes der Innerste wieder die Option, bei Bedarf mehr Wasser aus der Talsperre in den Fluss abzulassen.

Zuflüsse stabilisiert

Drei wichtige Innerste-Zuflüsse sind am Freitagnachmittag wieder leicht zurückgegangen. Der Pegelstand der Nette bei Groß Rhüden fiel von 2,16 Metern am Mittag auf 2,07 Meter am frühen Abend. Der NLWKN sagt dort einen weiteren Rückgang voraus. Höchststand der Nette in Groß Rhüden im Zuge des aktuellen Hochwassers waren 3,11 Meter.

Ähnlich verlief die Entwicklung der Lamme in Bad Salzdetfurth. Ihr Pegelstand stieg im Lauf des Vormittags leicht von 2,10 auf 2,13 Meter, hat sich zuletzt bei 2,10 Metern eingependelt. Von kritischen Pegelständen ist die Lamme aber weiterhin weit entfernt: Höchststand im Zuge des aktuellen Hochwassers waren 3,30 Meter. An der Neile bei Sehlde (Samtgemeinde Baddeckenstedt) fiel der Pegelstand geringfügig von 1,15 auf 1,13 Meter. Höchststand im Zuge des aktuellen Hochwassers waren dort 2,33 Meter.

Regenmassen im Dezember – nun wird Frost erwartet

Unterdessen hat der NLWKN einen Auslöser für die schweren Überscwhemmungen in ganz Niedersachsen benannt. Der Dezember vergangenen Jahres war landesweit einer der regenreichsten seit Beginn der Wetteraufzeichnungen. Im Mittel fielen in Niedersachsen 155 Liter Niederschlag pro Quadratmeter. An der Messstation in Alfeld waren es sogar 162 Liter pro Quadratmeter. Noch weit heftiger waren die Regenfälle im Harz. In Braunlage wurden sogar mehr als 385 Liter pro Quadratmeter erreicht.

In der kommenden Woche soll es allerdings kälter werden, mit Tenmperaturen unter dem Gefrierpunkt und kaum noch Niederschlägen. Selbst wenn, würden diese als Schnee fallen und vielerorts zumindest zunächst liegen bleiben. In der Vergangenheit gab es mitunter auch dann Hochwasser im Kreis Hildesheim, wenn im Harz Schneemassen schmolzen. Doch danach sieht es in diesem winter bisher noch nicht aus.

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