Kreis Hildesheim - Die Hochwasser-Situation im Landkreis Hildesheim hat sich in der Nacht zum Sonntag wie schon im Lauf des Samstags etwas entspannt. Vor allem die Leine weist allerdings weiter sehr hohe Pegelstände weit über der dritten Meldestufe auf, im Westkreis gibt es weiter gesperrte Straßen. Situation und Ausblick am Silvester-Morgen.
Leine-Pegel bleibt hoch
Leine: Vor allem entlang der Leine gibt es nur wenig Entspannung. Nachdem der Wasserstand am Pegel Poppenburg bei Burgstemmen am Samstag zwischenzeitlich auf 4,38 Meter gestiegen, bis zum Abend aber auf 4,24 Meter zurückgegangen war, veränderte er sich in der Nacht kaum noch. Bis zum Sonntagmorgen fiel der Wasserstand auf 4,22 Meter.
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Der Landesbetrieb für Wasser-, Küsten- und Naturschutz (NLWKN) sagt für Poppenburg weiter einen leichten Rückgang voraus, doch nach wie vor gilt: Der Pegelstand bei Burgstemmen dürfte noch länger oberhalb von vier Metern bleiben – und damit weit oberhalb der Meldestufe 3 bei 3,50 Metern. Zumal am Sonntagmorgen der Pegelstand etwas höher war als am Samstag vom NLWKN prognostiziert.
Pegelstände sinken im Süden Niedersachsens
Staubecken und Zuflüsse: Am großen Rückhaltebecken bei Salzderhelden hat sich die Situation weiter entspannt: Der Polder ist aktuell noch zu 67,3 Prozent gefüllt, 24 Stunden zuvor waren es noch 75,5 Prozent. Weiterhin gibt der NLWKN dort mit 200 Kubikmetern pro Sekunde sehr viel Wasser ab, was dazu beiträgt, dass der Leine-Pegel nur geringfügig fällt. Nach wie vor versuchen die Verantwortlichen, für mögliche neue Flutwellen wieder Stauraum zu schaffen. Sie wissen: Obwohl die Kapazität des Polders doppelt so hoch ist wie die der Innerste-Talsperre, ist das Rückhaltebecken über Weihnachten in nur sechs Tagen komplett vollgelaufen.
Auffällig: Südlich von Salzderhelden liegen die Pegelstände der Leine inzwischen unter der Meldestufe 1. Der Zufluss zum Polder geht also deutlich zurück.
Entspannung an der Rhume
Der Pegelstand des wichtigsten Leine-Zuflusses in Südniedersachsen, der Rhume, ist indes massiv zurückgegangen. Hatte er am Pegel Elveshausen zwischenzeitlich 3,95 Meter erreicht, liegt er aktuell nur noch bei 2,33 Metern, noch einmal 24 Zentimeter weniger als am Samstagmorgen. Er könnte im Lauf des Tages sogar unter die Meldestufe 2 fallen. Das gilt auch für einen weiteren Rhume-Pegel bei Northeim und damit näher der Mündung in die Leine. Dort fiel der Wasserstand auf 1,99 Meter. Auf dem Höhepunkt des Hochwassers waren es 3,43 Meter gewesen.
Lage an der Innerste verbessert
Innerste: Der Pegelstand der Innerste bei Heinde ist in der Nacht kontinuierlich zurückgegangen und lag am Sonntagmorgen noch bei 4,59 Metern. Am Samstag war er zwischenzeitlich noch auf 5,05 Meter angestiegen. Ein weiteres Absinken der Wasserstände wird erwartet, der NLWKN rechnet für den Neujahrstag mit dem Unterschreiten der Meldestufe 2 bei 4,30 Metern. Höchststand im aktuellen Hochwasser waren 6,26 Meter.
Talsperre und Zuflüsse: An der Innerste-Talsperre geben die Hildesheimer Harzwasserwerke am Sonntagmorgen weiterhin mehr Wasser an den Fluss ab, als gleichzeitig in den Stausee fließt. Dabei profitieren sie vor allem von geringeren Niederschlägen. Immer noch knapp 20 Kubikmeter pro Sekunde fließen in die Innerste ab, nur knapp sechs Kubikmeter pro Sekunde landen neu im Stausee. Der Füllstand der Talsperre ging damit binnen 24 Stunden von 94,2 auf 89,6 Prozent zurück, bleibt also auf hohem Niveau.
Kaum noch Druck durch Zuflüsse
Die Nette ist bei Groß Rhüden am Sonntagmorgen sogar unter die Meldestufe 1 gefallen. Nach einem stetigen Rückgang in der Nacht lag er am Sonntagmorgen noch bei 1,99 Metern, die erste Meldestufe ist bei zwei Metern eingerichtet. Höchststand im Zuge des aktuellen Hochwassers waren 3,11 Meter.
Auch an der Lamme in Bad Salzdetfurth gab es wieder einen klaren Rückgang. Nach dem zwischenzeitlichen Anstieg am Samstag beträgt der Pegelstand am Sonntagmorgen 2,06 Meter – er ist damit binnen 24 Stunden um 40 Zentimeter gefallen. Höchststand im Zuge des aktuellen Hochwassers waren 3,30 Meter. Einen Rückgang gab es auch an der Neile bei Sehlde (Samtgemeinde Baddeckenstedt) auf nunmehr 1,13 Meter. Höchststand im Zuge des aktuellen Hochwassers waren dort 2,33 Meter.
Rekord-Pegel an der Weser
Für die nächsten Tage sind im Harz und im südlichen Niedersachsen eher moderate Niederschläge vorhergesagt. Schwerpunkt des Hochwassers in Niedersachsen ist grob der Bereich zwischen Hannover und Bremen, vor allem entlang von Aller und Weser gibt es schwere Überschwemmungen. So erreichte die Weser bei Drakenburg in der Nähe von Nienburg am Samstag den höchsten dort je gemessenen Pegelstand mit 8,43 Metern.
Am Sonntagmorgen waren es noch 8,18 Meter, auch dort herrscht nun Hoffnung auf leichte Entspannung. Ein großes Problem in weiten Teilen Niedersachsens sind allerdings durchweichte Deiche. Das Land hat deshalb die Hilfe der Bundeswehr angefordert.
