Kreis Hildesheim - Die Pegelstände an Leine und Innerste bleiben bis zum Freitagmittag stabil: Das geht aus den Daten des Niedersächsischen Landesbetriebs für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz (NLWKN) hervor. An der Straße Hohnsen bereiten die Arbeiter die Freigabe nach einer fast einwöchigen Sperrung vor.
In der Nacht von Donnerstag auf Freitag waren sowohl der Pegel der Innerste in Heinde als auch der der Leine in Poppenburg gefallen. Bis zum Mittag sank der Pegel der Innerste weiter – am Freitagmorgen um 6 Uhr lag er bei 4,62, um 11 Uhr vormittags bei 4,49 Metern. Die Lage an der Innerste hatte sich bereits im Laufe des Donnerstags entspannt und der Pegelstand fiel erstmals seit vergangenem Samstag wieder unter die dritte und höchste Meldestufe. Im Laufe des Vormittags hat der Wert sich nun noch näher der Grenze zur zweiten Meldestufe genähert, die bei 4,30 Metern liegt.
Das führt auch dazu, dass die Straße Hohnsen nicht weiter überschwemmt wird. Seit Freitagmorgen sind dort Arbeiter mit Reinigungsarbeiten beschäftigt, um sie gegen Mittag wieder freizugeben.
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Wie viel Regen wird kommen?
Allerdings ist unklar, wie es im Laufe des Freitags aufgrund des Regens weitergeht. Die Prognose des NLWKN zeigt in jedem Fall eine Aufwärtskurve, der Pegelstand dürfte also wieder steigen. Unklar ist, wie sehr: Im schlimmsten Fall könnte die Innerste dann auch wieder die dritte Meldestufe überschreiten, ab dieser Stufe sind laut NLWKN Überschwemmungen größerer Flächen und von Grundstücken, Straßen und Kellern möglich. Eventuell bleibt der Pegelstand aber auch darunter.
Die Lage an der Leine bleibt angespannt, aber stabil. Die anhaltend hohen Pegelstände der Leine führen unter anderem in Barnten zu übergelaufenen Kies-Seen. Helfer errichteten dort Barrieren. Über Nacht ist der Pegel der Leine am Messpunkt Poppenburg jedoch gefallen – von 4,33 Metern um 20 Uhr auf 4,26 Meter am Freitagmorgen um 6 Uhr. Bis zum Vormittag, 11.15 Uhr, blieb der Pegel konstant auf diesem Stand. Der Pegel liegt noch immer weit über der niedrigeren Messstufe 2. Messstufe 3 beginnt ab 3,50 Metern. Dass die Lage an der Leine in Poppenburg sich entspannen könnte, geht nicht aus der Prognose des NLWKN hervor, jedoch soll der Pegel der Vorhersage zufolge nicht so stark steigen wie der der Innerste, sondern relativ stabil bleiben. Als höchsten Pegel, der im Bereich des Möglichen liegt, gibt die Aufsichtsbehörde derzeit 4,42 Meter an – bei diesem Wert lag er auch am späten Mittwochabend.
Weniger Wassermengen aus Salzderhelden in die Leine
Unterdessen gibt es Neuigkeiten vom Polder Salzderhelden, einem großen Rückhaltebecken nahe Einbeck. Die Wassermengen, die von dort in die Leine abgegeben werden, sollen am Freitagmittag verringert werden. Das hat NLWKN-Direktorin Anne Rickmeyer am Vormittag in der Landespressekonferenz in Hannover mitgeteilt. Demnach sollen dann noch rund 200 Kubikmeter pro Sekunde aus dem Polder in den Fluss fließen, am Morgen waren es noch rund 250 Kubikmeter. Dadurch kommt in der Folge auch weniger Wasser im Kreis Hildesheim an. Für das Wochenende sind allerdings für den Harz und Südniedersachen weitere Niederschläge vorhergesagt.
Der Füllgrad des Rückhaltebeckens hat sich unterdessen weiter verringert: von 33,255 Millionen (Stand: 5 Uhr) auf 31,3 Millionen Kubikmeter (Stand: 10 Uhr). Es ist damit noch zu 84,6 Prozent statt zu 90 Prozent gefüllt. Zwischenzeitlich lag der Füllstand in Salzderhelden in den vergangenen Tagen bei 110 Prozent – ein Rekordwert der derzeitigen Hochwasser-Phase.
An der Innerstetalsperre im Harz gab es einen Anstieg an Wasser, das pro Sekunde aus der Talsperre fließt. 19,83 Kubikmeter pro Sekunde waren es um 5.30 Uhr, um 11 Uhr sind es 24,8 Kubikmeter pro Sekunde. Der Füllstand der Talsperre hat sich indes weiter verringert. Er fiel von 98,56 Prozent (Stand: 6 Uhr) auf 97,57 Prozent (Stand: 11 Uhr).
Der Blick auf die Nebenflüsse
Der Blick auf die Nebenflüsse zeigt, dass die Pegelstände überall stabil bleiben. Der Pegelstand der Nette bei Groß Rhüden ist unter die erste Meldestufe gerutscht, die bei zwei Metern liegt. Der Pegelstand betrug um 6.30 Uhr 1,95 Meter, am Vormittag 1,94 Meter (Stand: 11.30 Uhr). Ebenfalls geringfügig verringert sich der Wasserstand an der Neile bei Sehlde (Samtgemeinde Baddeckenstedt). Er lag am Freitag um 6.30 Uhr morgens bei 1,14 Metern, am Mittag bei 1,13.
Und auch der Pegelstand des dritten Nebenflusses der Innerste in der Region, der Lamme, ist über Nacht weiter gesunken, bleibt aber vom Morgen bis zum Vormittag stabil: Der Wasserstand an der Messstation in Bad Salzdetfurth liegt um 11.30 Uhr wie bereits um 6.30 Uhr morgens bei 2,02 Metern. Um 19.45 Uhr lag er am Donnerstagabend noch bei 2,06 Metern.
Niederschläge bis Samstagfrüh
Der Landkreis Hildesheim gibt in einer Mitteilung einen Ausblick zur Wetterlage: „Insbesondere für den heutigen Freitag ist sowohl im Harzvorland als auch im Harz selbst wieder mit abflussrelevanten Niederschlägen zu rechnen, die bis Samstag früh morgens anhalten können“, heißt es darin. „Für den weiteren Verlauf des Samstags und auch den Silvester-Sonntag sind dann nach derzeitigen Vorhersagen eher geringe Niederschläge zu erwarten.“
Auch am Freitag informiert die HAZ fortlaufend im Liveticker über das Hochwasser in der Region.
