Kreis Hildesheim - Der Wasserstand der Leine im Landkreis Hildesheim ist in der Nacht zum Samstag erneut nur minimal gesunken und bleibt über den Tag hinweg recht stabil. Die Überschwemmungen entlang des Flusses dürften jedoch noch mehrere Tage andauern. Der Wasserstand der Innerste ist bis zum Samstagabend weiter zurückgegangen. So beurteilen die betroffenen Städte und Gemeinden entlang der beiden Flüsse die Situation. Der Blick auf die beiden großen Flüsse, ihre Staubecken und die wichtigsten Nebenflüsse (Stand Samstag, 18 Uhr).
Leine-Pegel hauchdünn unter vier Metern
Leine: Der Wasserstand der Leine hat sich am Pegel Poppenburg bei Burgstemmen bis zum Samstagabend nur geringfügig erhöht – von 3,97 Metern am Morgen auf 3,98 Meter (Stand: 17.30 Uhr). Über Nacht war er am Freitagmorgen im Vergleich zum Donnerstagmorgen um ganze zehn Zentimeter gesunken. Viele Felder und Wiesen sowie einzelne Straßen im Westkreis – etwa die zwischen Nordstemmen und Schloss Marienburg – sind seit mehr als einer Woche überschwemmt.
Der Landesbetrieb für Wasser-, Küsten- und Naturschutz (NLWKN) erwartet für Samstag und Sonntag, dass der Wasserstand weiter leicht zurückgeht, aber weiter deutlich oberhalb der dritten und höchsten Meldestufe von 3,50 Metern verbleibt. Der Prognose zufolge könnte die Leine im Laufe der Nacht oder am Sonntagmorgen zwischenzeitlich auch erneut die Vier-Meter-Marke erreichen.
Am Pegel in Greene, also zwischen dem Rückhaltebecken Salzderhelden und dem Landkreis Hildesheim, ist der Wasserstand von Freitagabend bis Samstagmorgen ebenfalls minimal gesunken, um drei Zentimeter von 6,17 auf 6,14 Meter – und bis zum Samstagabend noch deutlicher auf 6,07 Meter. Der NLWKN sagt dort für das Wochenende keinerlei Veränderungen voraus. Die höchste Meldestufe liegt dort bei 5,50 Metern.
Salzderhelden gibt mehr Wasser ab, als hinein fließt
Staubecken und Zuflüsse: Der NLWKN gibt unterdessen deutlich weniger Wasser pro Sekunde aus dem großen Rückhaltebecken bei Salzderhelden in die Leine ab. Am Abend sind es noch rund 131 Kubikmeter Wasser pro Sekunde. Zuvor hatte der NLWKN seit Tagen etwa 150 Kubikmeter Wasser pro Sekunde aus dem großen Rückhaltebecken bei Salzderhelden in die Leine abgegeben.
In der Nacht zum Samstag stieg dessen Füllstand durch starken Zufluss aus Süden bis auf 39,9 Prozent, am Samstagmorgen war er aber wieder leicht auf 39,2 Prozent gesunken. Am Nachmittag (16 Uhr) liegt er noch bei 38,74 Prozent. Der Druck aus Südniedersachsen auf den Unterlauf der Leine nimmt also langsam ab. Das zeigt sich auch daran, dass die Leine an den Pegeln oberhalb von Salzderhelden inzwischen überall unter die erste Meldestufe gefallen ist. Über Weihnachten und „zwischen den Jahren“ war der Polder binnen sechs Tagen komplett vollgelaufen.
Rhume geht zurück
Der Pegelstand des wichtigsten Leine-Zuflusses in Südniedersachsen, der Rhume, ist in der Nacht zum Samstag wie erwartet merklich gefallen und dieser Trend setzt sich fort. Über Nacht fiel der Pegelstand von 2,07 auf nunmehr 1,88 Meter, um 17.30 Uhr beträgt er noch 1,77 Meter. Für die nächsten Stunden und Tage erwartet der NLWKN ein weiteres Absinken des Wasserstandes, auch die Meldestufe 1 könnte demnach bald unterschritten werden, die bei 1,70 Metern beginnt. Höchststand im Zuge des aktuellen Hochwassers waren in Northeim 3,43 Meter. Ein wichtiger Zufluss der Rhume ist die Söse aus dem Harz, deren Talsperre aktuell zu 82 Prozent (Samstagmorgen: 81,6 Prozent) gefüllt ist.
Innerste unter vier Metern
Innerste: Der Wasserstand der Innerste bei Heinde ist in der Zwischenzeit weiter zurückgegangen. Er liegt nun bei 3,77 Metern. In der Nacht zum Samstag fiel er von 4,05 auf 3,88 Meter. Das bedeutet weiterhin lediglich Meldestufe 1. Diese beginnt bei 3,30 Meter. Höchststand im aktuellen Hochwasser waren 6,26 Meter. Der NLWKN sagt voraus, dass der Wasserstand in den kommenden Stunden über Nacht und im Laufe des Sonntags wieder steigen könnte – dann aber wieder fällt.
Talsperre und Zuflüsse: Der Füllstand der Innerste-Talsperre liegt am Samstagabend bei 75,5 Prozent. Am Morgen waren es noch 76,2 Prozent, am Freitag: 76,7 Prozent. Inzwischen landet wieder weniger Wasser neu im Stausee, als andererseits an die Innerste abgegeben wird: 7,5 Kubikmeter pro Sekunde fließen hinein, unverändert zehn hinaus.
Zuflüsse gehen zurück
Drei wichtige Innerste-Zuflüsse sind in der Nacht zum Samstag zurückgegangen – im Laufe des Tages gab es unterschiedliche Entwicklungen. Der Pegelstand der Nette bei Groß Rhüden ist recht stabil geblieben, er liegt bei 1,89 Metern (Morgen: 1,88 Meter). Über Nacht war er deutlich gefallen (Freitagabend: 2,07 Meter). Höchststand der Nette in Groß Rhüden im Zuge des aktuellen Hochwassers waren 3,11 Meter.
Der Pegelstand der Lamme in Bad Salzdetfurth hat sich wiederum erhöht. Ihr Pegelstand fiel über Nacht von 2,10 Metern am Freitagabend auf 2,03 Meter am Samstagmorgen. Am Abend liegt er bei 2,08 Metern. Höchststand im Zuge des aktuellen Hochwassers waren 3,30 Meter. An der Neile bei Sehlde (Samtgemeinde Baddeckenstedt) fiel der Pegelstand in der Nacht von 1,13 auf 1,09 Meter, und dort liegt er auch noch am Abend (Stand: 17.45 Uhr). Höchststand im Zuge des aktuellen Hochwassers waren dort 2,33 Meter.
Regenmassen im Dezember – nun wird Frost erwartet
Unterdessen hat der NLWKN einen Auslöser für die schweren Überschwemmungen in ganz Niedersachsen benannt. Der Dezember vergangenen Jahres war landesweit einer der regenreichsten seit Beginn der Wetteraufzeichnungen. Im Mittel fielen in Niedersachsen 155 Liter Niederschlag pro Quadratmeter. An der Messstation in Alfeld waren es sogar 162 Liter pro Quadratmeter. Noch weit heftiger waren die Regenfälle im Harz. In Braunlage wurden sogar mehr als 385 Liter pro Quadratmeter erreicht.
In der kommenden Woche soll es allerdings kälter werden, mit Temperaturen unter dem Gefrierpunkt und kaum noch Niederschlägen. Selbst wenn, würden diese als Schnee fallen und vielerorts zumindest zunächst liegen bleiben. In der Vergangenheit gab es mitunter auch dann Hochwasser im Kreis Hildesheim, wenn im Harz Schneemassen schmolzen. Doch danach sieht es in diesem Winter bisher noch nicht aus.
