Überschwemmungen

Hochwasser-Lage im Kreis Hildesheim am Samstag: Pegel von Leine und Innerste steigen wieder an

Kreis Hildesheim - Die Leine im Kreis Hildesheim nähert sich einem neuen Höchststand, auch die Innerste ist in der Nacht wieder angeschwollen. Indes verschärft sich die Lage vor allem weiter nördlich, Niedersachsen bittet nun die Bundeswehr um Hilfe.

Überflutete Leine bei Ruthe: Der Wasserstand des Flusses im Landkreis Hildesheim ist auch am Samstagmorgen extrem hoch. Foto: Julia Moras

Kreis Hildesheim - Die Hochwasser-Situation im Landkreis Hildesheim droht sich am Samstag wieder zu verschärfen: Die Pegelstände von Leine und Innerste sind wieder gestiegen. Das Land Niedersachsen hat unterdessen für die am schlimmsten betroffenen Gebiete Unterstützung durch die Bundeswehr angefordert.

Knapp unter dem Höchststand

Leine: Vor allem entlang der Leine gibt es praktisch keine Entspannung. Nachdem der Wasserstand am Pegel Poppenburg bei Burgstemmen am Freitag leicht auf 4,26 Meter zurückgegangen war, ist er bis zum Samstagmorgen wieder auf 4,37 Meter gestiegen. Damit liegt er nur noch fünf Zentimeter unter seinem Höchstwert im Zuge des aktuellen Hochwassers: In der Nacht von Mittwoch auf Donnerstag waren am Pegel Poppenburg 4,42 Meter gemessen worden.

Aktuell sagt der Landesbetrieb für Wasser-, Küsten- und Naturschutz (NLWKN) für Poppenburg wieder einen leichten Rückgang voraus, doch soll der Pegelstand bei Burgstemmen noch länger deutlich oberhalb von vier Metern bleiben – und damit weit oberhalb der Meldestufe 3 bei 3,50 Metern.

Entlastung in Salzderhelden

Staubecken und Zuflüsse: Am großen Rückhaltebecken bei Salzderhelden hat sich die Situation fürs erste etwas entspannt: Der Polder ist aktuell noch zu 75,5 Prozent gefüllt. Seit Freitag gibt der NLWKN dort „nur“ noch 200 statt 250 Kubikmeter Wasser pro Sekunde ab, was aber immer noch ein extrem hoher Wert ist. Die Verantwortlichen versuchen derzeit, für mögliche neue Flutwellen wieder Stauraum zu schaffen, ohne aber den Polder zu schnell und mit zu großen Mengen leerlaufen zu lassen. Sie wissen: Obwohl die Kapazität des Polders doppelt so hoch ist wie die der Innerste-Talsperre, ist das Rückhaltebecken über Weihnachten in nur sechs Tagen komplett vollgelaufen.

Der Pegelstand des wichtigsten Leine-Zuflusses in Südniedersachsen, der Rhume, ist indes massiv zurückgegangen. Hatte er am Pegel Elveshausen zwischenzeitlich 3,95 Meter erreicht, liegt er aktuell nur noch bei 2,57 Metern. Allerdings: Im Lauf der Nacht ist der Wasserstand dabei wieder um 20 Zentimeter angeschwollen. Der NLWKN prognostiziert am Samstagmorgen aber wieder einen Rückgang. Die Rhume mündet bei Northeim in die Leine. Vor einigen Tagen hatte ein Dammbruch viel Rhume-Wasser in einen See fließen lassen, so wurde die Leine unabsichtlich entlastet.

Talsperre immer noch sehr voll

Innerste: Der Pegelstand der Innerste bei Heinde hatte am Freitagabend mit 4,39 Metern einen Tiefstand im Zuge des aktuellen Hochwassers erreicht. Bis Samstagmorgen erhöhte er sich allerdings wieder auf 4,84 Meter und steigt mit Stand von 6 Uhr am Samstag entgegen der jüngsten NLWKN-Prognose weiter. Im Vergleich zu den vergangenen Tagen sieht der Innerste-Pegel dennoch moderat aus: Höchststand im aktuellen Hochwasser waren 6,26 Meter, die Meldestufe 3 liegt bei 5,30 Metern.

Talsperre und Zuflüsse: An der Innerste-Talsperre gelingt es den Hildesheimer Harzwasserwerken am Samstagmorgen weiterhin, mehr Wasser an den Fluss abzugeben als gleichzeitig in den Stausee gelangt. Gut 20 Kubikmeter pro Sekunde fließen in die Innerste ab, nur etwa 8,5 Kubikmeter pro Sekunde landen neu im Stausee, Tendenz allerdings wieder leicht steigend. Viel Luft ist dennoch nach wie vor nicht: Die Talsperre ist am Samstagmorgen immer noch zu 94,2 Prozent gefüllt.

Blick auf die Zuflüsse

Die Nette ist bei Groß Rhüden nach einem deutlichen Rückgang in den vergangenen Tagen in der Nacht zum Samstag wieder deutlich angeschwollen. Ihr Pegelstand stieg von 1,92 Metern am Freitagabend auf 2,37 Meter am Samstagmorgen. Die jüngste NLWKN-Prognose hatte einen weit geringeren Anstieg vorgesehen, wie an der Innerste steigt der Wasserstand hier also wieder stärker als erwartet. Noch liegt er allerdings sogar unterhalb der Meldestufe 2. Höchststand im Zuge des aktuellen Hochwassers waren 3,11 Meter.

Auch an der Lamme in Bad Salzdetfurth gab es wieder einen Anstieg – von 2,01 Metern am Freitagvormittag auf 2,46 Meter am Samstagmorgen. Höchststand im Zuge des aktuellen Hochwassers waren 3,30 Meter. Einen Anstieg gab es auch wieder an der Neile bei Sehlde (Samtgemeinde Baddeckenstedt) von 1,12 Metern am Freitagabend auf 1,35 Meter am Samstagmorgen. Höchststand im Zuge des aktuellen Hochwassers waren dort 2,33 Meter.

Durchweichte Deiche

Für die nächsten Tage sind im Harz und im südlichen Niedersachsen eher moderate Niederschläge vorhergesagt, am Neujahrstag könnte der Regen allerdings wieder zunehmen. Unterdessen hat sich der Schwerpunkt des Hochwassers in Niedersachsen nach Norden verschoben. Vor allem entlang von Aller und Weser gibt es schwere Überschwemmungen. Das Land hat deshalb die Hilfe der Bundeswehr angefordert. Sie soll unter anderem Hubschrauber einsetzen, um durchweichende Deiche mit Sandsäcken zu verstärken – weil viele dieser Schutzwälle mit Fahrzeugen nicht mehr erreich- oder befahrbar sind.

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