Kreis Hildesheim - Die Hochwasser-Situation im Landkreis Hildesheim hat sich in der Nacht zum Montag weiter entspannt – allerdings deutet einiges darauf hin, dass dies nur eine Atempause ist und das Wasser wieder steigen wird. Die Leine weist trotz leichten Absinkens nach wie vor sehr hohe Pegelstände weit über der dritten Meldestufe auf, im Westkreis gibt es weiter gesperrte Straßen. An der Innerste sinkt der Wasserstand erheblich, Fachleute sagen aber einen erneuten massiven Anstieg voraus. Situation und Ausblick am Neujahrsmorgen.
Leine-Pegel bleibt hoch
Leine: Entlang der Leine gibt es weiter nur wenig Entspannung. Am Pegel Poppenburg bei Burgstemmen stand das Wasser bei 4,17 Metern und damit ganze fünf Zentimeter niedriger als 24 Stunden zuvor. Der Fluss hat sich also auf hohem Niveau eingependelt.
Der Landesbetrieb für Wasser-, Küsten- und Naturschutz (NLWKN) sagt für Poppenburg zunächst weiter einen leichten Rückgang voraus, für Dienstag allerdings auch wieder leicht steigende Pegelstände. Das alles bewegt sich weiterhin klar oberhalb eines Pegelstandes von vier Metern – und damit weit oberhalb der Meldestufe 3 bei 3,50 Metern.
Mehr Platz in Salzderhelden
Staubecken und Zuflüsse: Am großen Rückhaltebecken bei Salzderhelden hat sich die Situation deutlich entspannt: Der Polder ist im Lauf der vergangenen 24 Stunden weiter leergelaufen, der Füllstand liegt am Montagmorgen nur noch bei 48,7 Prozent. Am Sonntagmorgen waren es noch 67,3 Prozent gewesen. Unverändert gibt der NLWKN dort mit 200 Kubikmetern pro Sekunde sehr viel Wasser ab. Dadurch leert sich der Polder – doch die Wasserstände nördlich des Rückhaltebeckens bleiben sehr hoch. Der NLWKN will für neue Niederschläge gerüstet sein. Die Verantwortlichen wissen: Obwohl die Kapazität des Polders doppelt so hoch ist wie die der Innerste-Talsperre, ist das Rückhaltebecken über Weihnachten in nur sechs Tagen komplett vollgelaufen.
Rückgang an der Rhume
Der Pegelstand des wichtigsten Leine-Zuflusses in Südniedersachsen, der Rhume, ist indes weiter gesunken. Hatte er am Pegel Elveshausen zwischenzeitlich 3,95 Meter erreicht, liegt er dort aktuell nur noch bei 2,05 Metern, noch einmal 28 Zentimeter weniger als am Sonntagmorgen. Dort herrscht gar keine Meldestufe mehr. Am Rhume-Pegel bei Northeim und damit näher der Mündung in die Leine fiel der Wasserstand im gleichen Zeitraum von 1,99 auf 1,75 Meter und liegt damit nur noch knapp oberhalb der Meldestufe 1. Auf dem Höhepunkt des Hochwassers waren es in Northeim 3,43 Meter gewesen.
Schwillt Innerste wieder massiv an?
Innerste: Der Pegelstand der Innerste bei Heinde ist in der Nacht weiter gefallen und am Montagmorgen mit 4,24 Meter sogar unter die Meldestufe 2 gesunken. Am Sonntagmorgen hatte das Wasser noch 35 Zentimeter höher gestanden. Der NLWKN rechnet allerdings mit einem erneuten Anstieg und prognostiziert, dass die Innerste bei Heinde am Dienstag wieder deutlich ansteigt – über fünf Meter und damit in Richtung der Meldestufe 3 (bei 5,30 Metern). Höchststand im aktuellen Hochwasser waren 6,26 Meter.
Talsperre und Zuflüsse: An der Innerste-Talsperre geben die Hildesheimer Harzwasserwerke am Montagmorgen fast viermal so viel Wasser an den Fluss ab, wie gleichzeitig in den Stausee fließt. Unverändert knapp 20 Kubikmeter pro Sekunde rauschen in die Innerste. Gleichzeitig landen nur gut fünf Kubikmeter pro Sekunde neu im Stausee. Der Füllstand der Talsperre ging damit binnen 24 Stunden von 89,6 auf 85,7 Prozent zurück, bleibt also auf hohem Niveau und könnte sich bei den erwarteten neuen Niederschlägen schnell wieder füllen.
Kaum noch Druck durch Zuflüsse
Die Nette ist bei Groß Rhüden bis zum Montagmorgen weiter gefallen – auf nunmehr 1,87 Meter. Damit liegt sie mittlerweile merklich unterhalb der Meldestufe 1 (zwei Meter). Höchststand im Zuge des aktuellen Hochwassers waren 3,11 Meter.
Auch an der Lamme in Bad Salzdetfurth gab es einen langsamen, aber stetigen Rückgang. Binnen 24 Stunden ist der Pegelstand von 2,06 Meter am Sonntagmorgen auf 1,97 Meter am Montagmorgen gefallen. Höchststand im Zuge des aktuellen Hochwassers waren 3,30 Meter. Die Neile bei Sehlde (Samtgemeinde Baddeckenstedt) hat gegenüber Sonntagmorgen weitere fünf Zentimeter verloren und sich bei 1,08 Metern stabilisiert. Höchststand im Zuge des aktuellen Hochwassers waren dort 2,33 Meter.
Warnung vor Dauerregen
Für die nächsten Tage sind allerdings wieder stärkere Niederschläge angekündigt. Der Deutsche Wetterdienst warnt für Dienstag und Mittwoch vor Unwettergefahr und ergiebigem Dauerregen im Harz, was die Situiation im Einzugsgebiet der Innerste wieder verschärfen dürfte – darauf basiert auch die Prognose des NLWKN für einen erneuten deutlichen Anstieg der Flusspegelstände. Auch in anderen Teilen Niedersachsens wird Dauerregen erwartet.
Der Schwerpunkt des Hochwassers hatte sich in den vergangenen Tagen in die Mitte Niedersachsens und dort vor allem in den Bereich von Aller und Weser verschoben. Dort sanken die Wasserstände zuletzt leicht, bewegen sich aber meist weiter deutlich oberhalb der dritten Meldestufe. Unverändert sind weite Landstriche überflutet.
