Schadstoffe im Boden?

Hochwasser trifft auch die Gartenfreunde am Hohnsen in Hildesheim: „Das ist eine Katastrophe für die Kleingärtner“

Hildesheim - Das Hochwasser der Innerste hat auch die Gartenfreunde am Hohnsen mitunter schwer getroffen. Warum es den Verein diesmal schlimmer erwischt hat als bei der großen Überschwemmung 2017. (mit Video)

Am Samstag steht das Wasser in großen Teilen der Gartenkolonie noch mehrere Zentimeter hoch. Inzwischen ist vieles davon wieder zurück in den Boden gesickert. Aber die Schäden im Garten und in den Lauben bleiben. Foto: Joscha Röhrkasse

Hildesheim - Seit 30 Jahren hat Markus Gancarz seinen Kleingarten in der Kolonie der Gartenfreunde Hohnsen in Hildesheim. Wer hier einen Garten habe, müsse mit dem Hochwasser leben, sagt er. Einige Überschwemmungen hat der Vereinsvorsitzende bereits miterlebt, aber dieses Mal war es doch anders. „Ich hatte jetzt zum ersten Mal das Wasser in der Laube stehen.“ Zehn bis fünfzehn Zentimeter hoch habe es gestanden – in seiner Laube und in den Gartenlauben etlicher weiterer Pächter. „Auf den Wegen stand es teilweise sogar vierzig Zentimeter hoch. Da haben auch keine Gummistiefel mehr genützt“, berichtet Gancarz.

Dabei war das Wasser der Innerste beim aktuellen Hochwasser gar nicht über die Deiche geflossen, die die Gartenkolonie auf beiden Seiten umschließen. „Ich bin kein Experte“, betont Gancarz. „Aber in den Lauben muss es das Grundwasser gewesen sein, das sich von unten durch den Boden gedrückt hat.“ Inzwischen sei das Wasser an vielen Stellen wieder zurück in den Boden gesickert. „Die Feuchtigkeit bleibt aber.“ Und damit die Gefahr von Schimmelbefall in den Lauben.

„Eine Katastrophe für die Kleingärtner“

„Das ist eine Katastrophe für die Kleingärtner“, sagt Rocco Tripodi. Er habe erst vor Kurzem die Holzvertäfelung in seiner Laube neu gemacht. Jetzt könne er sie restlos wieder von den Wänden reißen und entsorgen. Einige Pächter hätten in ihren Lauben Filz- oder Teppichboden verlegt. Auch solcher könne jetzt wahrscheinlich nur noch auf den Müll wandern. Eine Elementarversicherung gegen Hochwasserschäden habe er nicht, sagt Tripodi. „Die hat hier keiner“, sagt er weiter. Denn die Versicherungsunternehmen würden für die Gärten an der Innerste keine solchen Policen anbieten. „Wir hoffen jetzt alle auf besseres Wetter, damit wir gut durchlüften können“, sagt Markus Gancarz.

Wie stark sind Böden belastet?

Allerdings ist die Feuchtigkeit in den Lauben nicht das Einzige, was den Kleingärtnern aktuell Sorgen bereitet; dass das Wasser der Innerste Schwermetalle aus dem Harz bis nach Hildesheim schwemmt, ist dem Gartenverein seit jeher bekannt. „Aber wir fragen uns jetzt, inwieweit die Böden durch das Hochwasser nun stärker belastet sind als zuvor“, sagt Gancarz. Laut dem Bundeskleingartengesetz und einem Urteil des Bundesgerichtshof von 2004 sind Kleingärtner in Deutschland dazu verpflichtet, auf mindestens einem Drittel der Kleingartenfläche sogenannte Gartenbauerzeugnisse anzubauen, also Obst oder Gemüse. „Aber wer isst schon gerne schadstoffreiches Obst?“, fragt sich Gancarz. Und Kleingärtner Rocco Tripodi ist sicher: „Nach diesem Hochwasser müssen wir den Boden mindestens ein Jahr lang in Ruhe lassen.“ Wie hoch die Belastung des Bodens mit Schwermetallen ist, könne der Gartenverein nicht auf eigene Kosten überprüfen lassen, sagt der Vorsitzende Gancarz. „Das ist zu teuer.“ Er fragt sich jedoch, ob die Stadt nicht einer Art Fürsorgepflicht nachkommen müsse, wenn der Anbau doch gesetzlich verpflichtend ist.

Für eine solche Thematik sei die untere Bodenschutzbehörde zuständig, sagt Stadtsprecher Helge Miethe auf HAZ-Nachfrage. Diese werde jedoch nicht aktiv, um in einzelnen Parzellen der Gartenkolonie die Schadstoffbelastung zu überprüfen. Grundsätzlich erhebt die Behörde Daten über die chemische Beschaffenheit und Veränderungen von Böden in Hildesheim und hat bereits in der Vergangenheit festgestellt, dass die als unbedenklich geltenden Prüfwerte für Cadmium und Blei in Hildesheim zum Teil deutlich überschritten werden. „Davon sind auch die Kleingartenanlagen betroffen, die in der Innersteaue liegen“, heißt es in einem Merkblatt, das die Stadt hierzu herausgegeben hat. Das Grundwasser sei von den Schwermetallablagerungen jedoch nicht betroffen, heißt es darin weiter.

Laut dem Merkblatt der Stadt kann Obst oder Gemüse, das in den Gärten an der Innerste herangezogen wird, trotz der Belastungen im Boden verzehrt werden, solange man sich nicht ausschließlich davon ernährt und es vor dem Verzehr gründlich wäscht. Kernobst sollte geschält, bei Blattgemüse sollten die äußeren Blätter entfernt werden. Wer weitere Informationen über seinen Boden und dessen Belastung erhalten will, kann Auskunft bei der unteren Bodenschutzbehörde beantragen, die alle erhobenen Daten im sogenannten Bodeninformationssystem sammelt.


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