Innerste-Pegel gesunken

„Hochwasserlage beherrschbar“: Kreis Hildesheim nimmt Katastrophenvoralarm zurück – Leine-Dämme weiter unter besonderer Beobachtung

Kreis Hildesheim - Hildesheims Landrat Bernd Lynack stuft nach Beratung mit Kreisbrandmeister Mathias Mörke die Hochwasserlage am Donnerstag neu ein – was das bedeutet, und wo es noch angespannt bleibt.

Kreisbrandmeister Mathias Mörke (rechts) und Landrat Bernd Lynack beim Pressegespräch am Donnerstag. Foto: Heiko Stumpe

Kreis Hildesheim - Trotz der weiterhin hohen Pegelstände der Leine halten Hildesheims Kreisbrandmeister Mathias Mörke und Landrat Bernd Lynack die Hochwasserlage in der Region für so stabil und beherrschbar, dass der Landkreis am Donnerstagmorgen den Katastrophenvoralarm wieder zurückgenommen hat. Auch die Einstufung als „außergewöhnliches Ereignis“ gilt nicht mehr. Beide Stufen dienen Kreisverwaltungen beispielsweise dazu, einen einfacheren Zugriff auf Hilfskräfte zu bekommen, und es ging auch um eine zentrale Koordination und Leitung der gesamten Einsätze. „Es geht auch darum, die Einsatzkräfte zu schonen“, erklärte Lynack nach der Entscheidung bei einem Pressegespräch im Kreishaus. Aber er betont angesichts der vor allem entlang der Leine anhaltend angespannten Situation auch, dass alle verfügbaren Helfer „auf Standby“ blieben und man bereit sei, die Einschätzung der Lage „jederzeit wieder hochzustufen“.

Kräfte von auswärtigen THW-Verbänden bleiben weiterhin in der Region, die Gruppen der Feuerwehrbereitschaft aus dem Kreis Hameln-Pyrmont aber beispielsweise, die zuletzt die überflutete Verbindungsstraße von Sarstedt nach Ruthe gesichert und wieder befahrbahr gemacht hatten, sind wieder Richtung Heimat aufgebrochen.

Kräfte im Stand-by-Modus

Laut Kreisbrandmeister Mathias Mörke übernimmt zusätzlich zu den lokalen Feuerwehren vorläufig bis zum 1. Januar die Führungsriege der Kreisfeuerwehrbereitschaften in wechselnden Acht-Stunden-Schichten die fortlaufende Beobachtung und Bewertung der Lage. Man könne die verfügbaren Kräfte im Ernstfall innerhalb von zwei Stunden aus dem Stand-by-Modus in Aktion bringen.

Der relativen Entspannung entlang der Innerste, deren Pegel am Donnerstagmittag auf 5,22 Meter und damit auch unter die Meldestufe 3 fiel, steht allerdings weiterhin die anhaltend große Wassermenge der Leine gegenüber. Der Pegel an der Poppenburg bei Burgstemmen hatte am Mittwochabend mit 4,42 Meter den bisherigen Höchststand des aktuellen Hochwassers angezeigt, am Donnerstagmittag lag er nur vier Zentimeter niedriger. Laut Prognose dürfte er auch bis Freitag auf diesem Niveau verharren – und vermutlich auch darüber hinaus, da aus dem übervollen Auffangbecken Salzderhelden große Mengen Wasser abgelassen werden müssen, die dann über die Leine in den Kreis Hildesheim drängen.

Fokus auf Leine-Dämmen

Deshalb gilt das Augenmerk der Einsatzkräfte auch den Dämmen entlang der Leine, unter anderem in Barnten waren am Donnerstagmittag rund 200 Kräfte von THW und Feuerwehren im Einsatz, um die Anlagen zu verstärken. „Diese Dämme sind nicht mit Küstendeichen zu vergleichen“, sagt Mörke. Sie seien nicht auf eine dauerhafte Belastung durch enorme Wassermassen ausgelegt und müssten deswegen besonders beobachten und gesichert werden.

Ein echter Vorteil gegenüber dem Hochwasser von 2017 seien in der Flutbekämpfung die zwischenzeitlich angeschafften Sandsackfüllmaschinen gewesen, berichtet Mörke. Auch die in den Kommunen angeschafften mobilen Schutzanlagen seien ein deutlicher Fortschritt. Was sich in den vergangenen Tagen gezeigt hat: Leistungsstarke Pumpen sind noch Mangelware. Bei diesen Geräten sei man noch sehr auf THW-Verbände angewiesen, sagt Mörke. Vier Hochleistungspumpsysteme will das Land zentral anschaffen und verteilen. Auch der Landkreis Hildesheim hat großes Interesse daran und sich beworben – so wie auch 19 weitere Kreise. Ob die hiesige Region also den Zuschlag erhält, ist noch völlig offen. Und selbst wenn, würde es wohl noch gut zwei Jahre dauern, bis Anschaffung und Auslieferung abgeschlossen wären. Es sind diese bürokratischen Verfahren und langen Zeiträume, die Rettern zu schaffen machen, die es gewohnt sind, aus dem Stand schnell zu reagieren.

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