Kreis Hildesheim - Der Landkreis Hildesheim hat den Katastrophenvoralarm und das sogenannte „außergewöhnliche Ereignis“ am Donnerstagmorgen nach einer Lagebesprechung wieder aufgehoben. Die Situation sei ernst, aber derzeit stabil und beherrschbar, so Landrat Lynack. Die zentrale und übergeordnete Leitung der Einsätze gilt damit nicht mehr.
Im Laufe des Donnerstags zeichnen sich immer deutlicher zwei unterschiedliche Lagen im Landkreis ab: Während die Innerste um 10.45 Uhr mit dem gemessenen Pegelstand von 5,29 Metern in Heinde erstmals seit vergangenem Samstag wieder unter die dritte und damit höchste Meldestufe sank, bleibt die Lage an der Leine nach wie vor angespannt.
Einsatzkräfte verstärken Dämme
Seit Mittwochmittag liegt der Pegel der Leine, der den Höchststand der Überschwemmungen von 2017 mittlerweile übertroffen hat, am Messpunkt Poppenburg relativ konstant bei etwa 4,40 Metern. Um 12 Uhr lag der Pegel bei 4,37 Metern – und damit drei Zentimeter unter dem bisherigen Höchststand der derzeitigen Hochwasser-Situation, der am Mittwochabend erreicht worden war.
Entlang der Leine werden die Einsatzkräfte heute angesichts der Lage auch wieder aktiv: Kreisbrandmeister Mathias Mörke berichtet am Mittag, dass derzeit rund 200 Kräfte des THW und der Feuerwehr in Barnten im Einsatz sind, um dort die Dämme zu verstärken. Der Niedersächsische Landesbetrieb für Wasser-, Küsten- und Naturschutz (NLWKN) sieht bislang auch keine baldige Entspannung der Lage an der Leine: Er prognostiziert bis zum Donnerstagabend einen mindestens gleichbleibenden Pegelstand, auch ein Anstieg auf mehr als 4,50 Meter liegt laut Prognose im Bereich des Möglichen.
Blick auf den Polder Salzderhelden
Unverändert fließt am Donnerstagmorgen eine große Menge Wasser aus dem Rückhaltebecken Salzderhelden ab, das aktuell mit 38,84 Millionen Kubikmetern Wasser gefüllt ist. Mit einem Füllstand von knapp 105 Prozent läuft der Polder, dessen Fassungsvermögen fast doppelt so groß ist wie das der Innerste-Talsperre, nach wie vor über.
Dadurch, dass nach wie vor rund 250 Kubikmeter Wasser pro Sekunde abgegeben werden, sinkt der Füllstand aber immerhin langsam – am Mittwochabend waren noch 40,72 Millionen Kubikmeter Wasser im Polder, der Füllstand lag bei 110 Prozent, beide Werte sind Rekordwerte der derzeitigen Hochwasser-Situation.
Entspannung an der Innerste
Die Innerste-Talsperre im Harz ist wie der Polder in Salzderhelden nach wie vor übervoll, mit 19,5 Millionen Kubikmetern Wasser (Füllstand: 101,0 Prozent) ist er allerdings deutlich weniger überfüllt als Salzderhelden. Am Donnerstag um 9 Uhr gab die Talsperre mit 24,5 Kubikmetern Wasser pro Sekunde noch einmal größere Mengen ab als am frühen Morgen (15 Kubikmeter), am Mittag um 11.30 Uhr liegt der Wert mit 20 Kubikmetern dazwischen.
Die verringerte Wasserabgabe aus der Innerste-Talsperre wirkt sich mittlerweile auch deutlich spürbar auf den Innerste-Pegel an der Messstation in Heinde aus: Seit Mittwochmorgen sinkt der Pegelstand immer weiter, von 6,15 Metern (Stand: Mittwoch, 9.45 Uhr) auf nunmehr 5,24 Meter (Stand: 12 Uhr) – und liegt mittlerweile nur noch in der zweiten Meldestufe. Niedriger lag er zuletzt am 23. Dezember um 16.15 Uhr. Der NLWKN erwartet, dass der Innerste-Pegel auch im Laufe des Donnerstags weiter sinkt.
Blick auf die Nebenflüsse
Der Pegelstand der Nette bei Groß Rhüden sinkt seit der Nacht zu Mittwoch immer weiter und nähert sich mit 2,10 Metern (Stand: 12 Uhr) mittlerweile sogar der ersten Meldestufe, die bei zwei Metern liegt. Auch der Wasserstand der Neile bei Sehlde (Samtgemeinde Baddeckenstedt) geht weiter zurück: Stand er am Dienstagmittag noch bei 1,99 Metern, sind es nun 1,21 Meter (Stand: 12 Uhr).
Und auch der dritte Nebenfluss der Innerste in der Region, die Lamme, sinkt weiter: Der Wasserstand an der Messstation in Bad Salzdetfurth liegt aktuell bei 2,09 Metern (Stand: 12 Uhr) – niedriger lag er zuletzt am 23. Dezember um 7.45 Uhr. Höchstwert im Zuge des aktuellen Hochwassers waren 3,30 Meter am späten Abend vor Heiligabend.
Erneute Verschärfung am Silvester-Wochenende?
Die Hochwasser-Lage könnte sich nach Einschätzung des niedersächsischen Innenministeriums am Silvester-Wochenende jedoch erneut verschärfen. Das Land werde die Kommunen mit dem Landesamt für Brand- und Katastrophenschutz und dem Kompetenzzentrum für Großschadenslagen weiterhin unterstützen, versprach Innenministerin Daniela Behrens (SPD) am Mittwoch. Dazu gehöre die Bereitstellung von Fahrzeugen und Geräten oder die Organisation von Sandsäcken aus anderen Bundesländern. Für Hildesheim sind laut aktueller Wettervorhersage am Freitag und Sonntag Regenfälle möglich, am heutigen Donnerstag und am Samstag soll es dagegen trocken bleiben.
Auch am Donnerstag informiert die HAZ fortlaufend im Liveticker über das Hochwasser in der Region.
