An der Mündung von Innerste und Leine

Hochwasserschutz: Neue Ungewissheit bei Deichen und Mauern für Dorf im Kreis Hildesheim

Ruthe - Ein Sarstedter Ortsteil soll quasi komplett eingedeicht werden. Ein Baustart in diesem Jahr ist aber kein Thema mehr. Woran liegt das?

Von Wasser umgeben: Ruthe liegt zwischen Innerste (rechte Bildseite) und Leine, hinzu kommen Kiesseen. Foto: Till Röß Drones

Ruthe - Ob und wann die Hochwasserschutzpläne für Ruthe umgesetzt werden, steht wieder in den Sternen. Das hat die Hildesheimer Kreisverwaltung jetzt auf HAZ-Anfrage bestätigt. Das Problem sei, dass derzeit keine Förderanträge an das Land Niedersachsen gerichtet werden könnten. Wann sich das ändere, sei ebenfalls unklar. Im vergangenen Jahr hatte die Kreisverwaltung zunächst angekündigt, dass die Bauarbeiten in diesem Jahr zumindest beginnen würden, dies aber im Herbst vergangenen Jahres widerrufen.

Früher teilweise katastrophal

Der Sarstedter Ortsteil Ruthe liegt nahe der Mündung der Innerste in die Leine und war in den vergangenen Jahrzehnten immer wieder von schweren Überschwemmungen getroffen worden. Vor allem in 1980er-Jahren, vor Inbetriebnahme des Leine-Rückhaltebeckens bei Salzderhelden, kam es zu teilweise katastrophalen Überflutungen. Der Ort war tageweise von der Außenwelt abgeschnitten, Häuser mussten abgerissen werden. So heftig waren die Folgen jüngerer Hochwasser zwar nicht mehr, doch Ruthe gehört weiterhin zu den am stärksten gefährdeten Orten im Landkreis.

Im Zuge seines groß angelegten Schutzprogramms infolge des Juli-Hochwassers von 2017 plant der Landkreis in Ruthe gravierende Eingriffe. Das 360-Einwohner-Dorf soll fast vollständig von einem System aus Erdwällen und Mauern geschützt werden – mit den drei Zufahrtsstraßen aus Sarstedt, Heisede und Schliekum sozusagen als Schlupflöchern. In Ruthe ist auch dieses Konzept zwar nicht ganz unumstritten. Andererseits fürchten Bürgerinnen und Bürger, dass durch Hochwasser-Schutzmaßnahmen entlang der Innerste vor Ruthe das Wasser noch schneller bei ihnen ankommen und wieder für stärkere Überschwemmungen sorgen könnte.

Kein Fördergeld zu bekommen?

Helfen sollen Wälle entlang der Innerste, direkt am Südrand des Dorfes vor den Leinewiesen und auch in Richtung der ICE-Trasse sowie Mauern an einigen Stellen, die für Deiche nicht geeignet oder einfach zu eng sind. Die Ortseinfahrt aus Richtung Sarstedt soll nach diesem Konzept bei Bedarf mit mobilen Hochwasserschutz-Anlagen verschlossen werden können, ebenso die Zufahrt zu einem Gärtnerei-Grundstück an der Innerste.

Der Landkreis hatte seinen Förderantrag an das Land im Herbst stellen wollen. Allerdings habe das Land nicht wie erwartet eine neue Förderperiode für Hochwasserschutz im Binnenland gestartet. Die Förderung hätte mehr als die Hälfte der Kosten ausgemacht. Das Land hat eine Anfrage der HAZ zu dem Thema noch nicht beantwortet, dies aber angekündigt.

  • Region
  • Ruthe
Anmerkung zum Artikel

Sie haben einen Fehler im Artikel gefunden? Oder haben Sie weitere Informationen zu dem Thema für uns? Dann teilen Sie uns diese gerne mit.