Überschwemmungen

Hochwasser im Kreis Hildesheim am Dienstagabend: Innerste steigt weniger stark als befürchtet, Talsperre drosselt Wasserabgabe

Kreis Hildesheim - Der Pegel der Leine im Landkreis Hildesheim verändert sich am Dienstag nahezu kaum, der der Innerste stieg am Morgen zeitweise steil an – wird am Abend aber bei weitem nicht so hoch liegen, wie zunächst befürchtet. Auch die Harzwasserwerke reagieren. Die Hochwasser-Lage und die Prognosen um 17.45 Uhr.

Der Pegelstand der Leine, hier bei Burgstemmen, ist weiterhin extrem hoch. Die Innerste im Kreis Hildesheim steigt am Dienstag weniger stark als befürchtet. Foto: Julia Moras

Kreis Hildesheim - Der Pegel der Innerste im Landkreis Hildesheim steigt weniger stark als vom Landesbetrieb für Wasser-, Küsten- und Naturschutz (NLWKN) zunächst prognostiziert. Der NLWKN hat nicht nur seine ursprüngliche Vorhersage, wonach der Pegel womöglich erneut die dritte Meldestufe überschreiten könnte, korrigiert, sondern sie noch einmal angepasst: Die Innerste bleibt damit am Dienstag wohl sogar unter einem weiteren markanten Wert.

Auch der Wasserstand der Lamme in Bad Salzdetfurth hat sich im Laufe des Dienstags stabilisiert. Der Pegel der Leine bleibt weiterhin nahezu unverändert.

Leine-Pegel bleibt hoch

Leine: Entlang der Leine gibt es weiter nur wenig Entspannung. Der Wasserstand hat sich auf hohem Niveau stabilisiert. Am Pegel Poppenburg bei Burgstemmen steht das Wasser am Dienstagabend bei 4,18 Metern (Stand: 17.45 Uhr) und damit seit rund drei Tagen auf dem nahezu gleichen Stand. Bis Mittwochmittag wird sich nach Einschätzung des NLWKN daran auch wenig ändern. Zwar erwarten die Experten einen leicht sinkenden Pegelstand, der aber laut Prognose trotzdem noch über vier Metern bleiben wird. Unter anderem in Ruthe und Sarstedt hat man deshalb die Pegelstände weiterhin im Blick, ist aber trotz des angekündigten Dauerregens im Harz „optimistisch, dass wir so durchkommen“.

Am Pegel in Greene, also nordöstlich von Einbeck, war der Pegel in der Nacht zu Dienstag gesunken, hat sich nach einem leichten Anstieg am am Morgen nun aber bei 6,22 Metern stabilisiert (Stand: 17.45 Uhr). Damit liegt er nach wie vor deutlich über der dortigen höchsten Meldestufe von 5,50 Metern.

Mehr Platz in Salzderhelden

Staubecken und Zuflüsse: Der Wasserstand der Leine bleibt damit weiter hoch, obwohl der Zufluss aus dem großen Rückhaltebecken bei Salzderhelden gesunken ist: Der NLWKN gab dort seit Montagabend nur noch 160 statt zuvor 200 Kubikmeter Wasser pro Sekunde ab, am Dienstagmorgen waren es mit rund 143 Kubikmetern (Stand: 10 Uhr) zwischenzeitlich noch einmal weniger, mittlerweile sind es rund 150 Kubikmeter (Stand: 16 Uhr).

Der Polder ist im Lauf der vergangenen 24 Stunden weiter leergelaufen, der Füllstand liegt am Dienstagmittag nur noch bei 22,4 Prozent. Am Montagmittag waren es noch 41,6 Prozent gewesen.

Weiterer Anstieg der Rhume erwartet

Der Pegelstand des wichtigsten Leine-Zuflusses in Südniedersachsen, der Rhume, ist nach dem Rückgang über die Nacht im Laufe des Dienstags wieder um 19 Zentimeter angestiegen und liegt damit wieder oberhalb der ersten Meldestufe. Am Pegel bei Northeim nahe der Mündung in die Leine beträgt der Wasserstand nun wieder 1,82 Metern (Stand: 17.45 Uhr) – hier erwartet der NLWKN in der Nacht einen weiteren Anstieg auf voraussichtlich rund 2,25 Meter. Auf dem Höhepunkt des Hochwassers waren es in Northeim 3,43 Meter gewesen.

Pegelstand der Innerste steigt weniger stark

Innerste: Der Pegelstand der Innerste bei Heinde ist nach dem Rückgang in der Nacht seit dem Morgen binnen drei Stunden spürbar um 17 Zentimeter gestiegen, seitdem hat sich der Anstieg etwas verlangsamt. Aktuell liegt der Pegel bei 4,43 Meter (Stand: 17.45 Uhr) und damit wieder deutlicher über der zweiten Meldestufe, die er am Mittag überschritten hatte und die ab 4,30 Metern beginnt.

Der NLWKN hatte mit dem erneuten Anstieg gerechnet und prognostiziert, dass die Innerste bei Heinde am Dienstag weiter ansteigt – doch gegenüber den bisherigen Vorhersage soll dieser Anstieg moderater ausfallen: So wird der Pegel, anders als am Dienstagmorgen befürchtet, wohl auch die Fünf-Meter-Marke nicht überschreiten. Am Montag hatte der NLWKN noch prognostiziert, dass das Wasser auf mehr als 5,30 Meter und damit erneut in die dritte Meldestufe steigen könnte. Stattdessen soll das Wasser laut der Vorhersage von Dienstagabend deutlich unter fünf Metern bleiben. Höchststand im aktuellen Hochwasser waren 6,26 Meter.

Talsperre und Zuflüsse: An der Innerste-Talsperre haben die Harzwasserwerke in Absprache mit dem NLWKN die Menge des Wassers, das abgegeben wird, am Dienstagmittag halbiert: Statt rund 20 Kubikmetern Wasser werden nur noch rund zehn Kubikmeter pro Sekunde abgegeben. Auch das trägt dazu bei, dass die Innerste langsamer und nicht so hoch ansteigt, wie noch am Montag befürchtet.

„Die Talsperren haben sich durch die höheren Abgaben in den letzten Tagen wieder erholt und können wieder mehr Wasser aufnehmen“, erklärt Lars Schmidt, der Kaufmännische Geschäftsführer der Harzwasserwerke. Der Füllstand der Innerste-Talsperre ist seit Montagmorgen von 85,7 auf nun 77,2 Prozent zurückgegangen – dort können nun wieder rund 4,4 Millionen Kubikmeter aufgenommen werden.

Pegel der Zuflüsse steigen – der der Lamme sogar massiv

Der Pegelstand der Nette bei Groß Rhüden war zum Dienstagmorgen zunächst weiter gefallen: von 1,87 Metern am Montagmorgen auf 1,81 Meter. Am Dienstagabend liegt der Pegel bei 2,01 Metern (Stand: 17.45 Uhr) und damit einen Zentimeter über der ersten Meldestufe. Höchststand im Zuge des aktuellen Hochwassers waren 3,11 Meter.

Der Wasserstand der Lamme in Bad Salzdetfurth war am Dienstagmorgen zwischenzeitlich massiv angestiegen, um 39 Zentimeter binnen fünf Stunden, ist im Laufe des Nachmittags aber wieder um neun Zentimeter gesunken und liegt um 17.45 Uhr bei 2,27 Metern. Höchststand im Zuge des aktuellen Hochwassers waren 3,30 Meter.

Die Neile bei Sehlde (Samtgemeinde Baddeckenstedt) stieg am Dienstag leicht: von 1,06 Metern am Morgen auf nunmehr 1,10 Meter (17.45 Uhr) Höchststand im Zuge des aktuellen Hochwassers waren dort 2,33 Meter.

Warnung vor Dauerregen

Für die nächsten Tage sind allerdings wieder stärkere Niederschläge angekündigt. Der Deutsche Wetterdienst warnt für Dienstag und Mittwoch im Harz vor Unwettergefahr und ergiebigem Dauerregen mit Niederschlagsmengen zwischen 60 und 80 Litern pro Quadratmeter. Auch für Teile des Landkreises Hildesheim gilt eine amtliche Warnung vor Dauerregen: Hier sind bis Donnerstag, 0 Uhr, den Wetterexperten zufolge Regenmengen zwischen 40 und 50 Litern pro Quadratmetern möglich.

Von Tarek Abu Ajamieh und Manuel Lauterborn

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