Nordstemmen/Samtgemeinde Leinebergland - Der Pegelstand der Leine ist bei Poppenburg am Mittwochmorgen auf einen neuen Höchstwert geklettert – und wuchs bis zum Abend sogar noch weiter an. Schon am Dienstag hatte der Wasserstand mit 4,30 Meter den Höchststand der Überschwemmungen von 2017 übertroffen. Mittwochmittag lag der Pegel bereits bei 4,37 Meter, gegen 19 Uhr hatte die Leine eine Wasserhöhe von 4,40 Meter.
Die Einsatzkräfte der Gemeinde Nordstemmen blicken trotz des Anstiegs noch mit Ruhe auf die bevorstehende Nacht, teilte der Feuerwehrsprecher Nico Lenke mit. Die wichtigsten Schutzvorkehrungen seien getroffen worden. So haben Einsatzkräfte und Helfer an besonders gefährdeten Stellen in der Gemeinde Barrieren aus Sandsäcken und Bigpacks errichtet. Man müsse nun vor allem die Situation am Rückhaltebecken in Salzderhelden abwarten, so Lenke.
Alle Blicke richten sich aufs Rückhaltebecken Salzderhelden
Das Becken, dessen Fassungsvermögen doppelt so groß wie das der Innerste-Talsperre ist, hatte sich während der vergangenen fünf Tage rasant gefüllt und bis zum Mittwoch einen Füllstand von 110 Prozent erreicht. Am Mittag fasste es schließlich 40,8 Millionen Liter Wasser. Das ist der höchste Stand, seit der Niedersächsische Landesbetrieb für Wasser-, Küsten- und Naturschutz (NLWKN) Daten für das Rückhaltebecken aufzeichnet. Um den Polder zu entlasten, werden seit Dienstag im Schnitt rund 250 Kubikmeter Wasser pro Sekunde abgelassen – und zwar direkt in die Leine. Laut dem Landkreis Hildesheim wird die Unterwasserabgabe von 250 Kubikmetern vorerst beibehalten. Es sei deshalb weiterhin nicht damit zu rechnen, dass die Pegel Greene und Poppenburg in den nächsten Tagen wieder merklich absinken. Immerhin: Eine zwischenzeitlich befürchtete Erhöhung der Abgabe auf bis zu 300 Kubikmeter pro Sekunde war bisher nicht nötig. Sollte sich das Becken jedoch weiter stark füllen, würde sich die Hochwasserlage an allen Orten entlang der Leine verschärfen.
Das weiß auch Volker Senftleben. Der Bürgermeister der Samtgemeinde Leinebergland nennt die Lage am Mittwoch stabil, aber angespannt. „Wir sind nun an einem Punkt, an dem wir die wichtigsten Sicherheitsvorkehrungen getroffen haben und nun erstmal die Einsatzkräfte schonen wollen, damit sie im Ernstfall wieder voll einsatzfähig sind.“ Als besonders durch das Hochwasser gefährdet galt in der Samtgemeinde das DRK Alten- und Pflegeheim an der Burgstraße in Gronau. „Dort haben wir Sicherheitsvorkehrungen getroffen, die sich im Laufe der Nacht erfreulicherweise als zunächst nicht erforderlich herausgestellt haben“, so Senftleben am Mittwoch. „Wir behalten die Entwicklung aber genaustens im Blick.“

