Hochwasserschutz

Holler Hochwasseropfer: Frust beim Blick nach Hannover, Sorgen beim Blick vor die Haustür

Holle - In der Gemeinde Holle standen bei den Hochwassern 2007 und 2017 etliche Keller unter Wasser. Regenrückhaltebecken sollten für den Hochwasserschutz gebaut werden, doch nun zweifelt das Land an deren Wirksamkeit. Und ein Holler zweifelt an den Politikern.

2017 war die Michelswiese eine Seenplatte. Die Keller liefen voll und das Wasser richtete großen Schaden an. Foto: Privat

Holle - Wenn im Wetterbericht die Rede von Dauerregen ist, beschleunigt sich Helfried Pascholds Puls, und seine Nervosität nimmt zu. Wie schlimm wird es werden? Wird es so stark regnen, dass er die Pumpen in seinem Keller anstellen muss? Helfried Paschold wohnt in der Holler Michelswiese. Ein Bereich, der von den letzten Hochwassern stark betroffen war. „Hier sind Existenzen zerstört worden“, sagt der 77-Jährige. Eine Familie zog wegen des Hochwassers weg, andere Nachbarn können kaum darüber reden, ohne Tränen in den Augen zu haben. Acht Jahre sind seit dem letzten dramatischen Hochwasser vergangen. Acht Jahre, in denen vom Bau von Regenrückhaltebecken die Rede war. Nun zieht das Umweltministerium des Landes Niedersachsen die Wirksamkeit der Rückhaltebecken in Zweifel. „Und die Politiker zeigen sich überrascht“, staunt Paschold. Die Anwohner der Michelswiese habe das ebenfalls überrascht. Ihr Gemütszustand: „Wütend, stinkig, sauer.“

Als Paschold den Bericht über die Zweifel im Ministerium las, habe ihn beinahe der Schlag getroffen, erzählt er. Bis zum Ende des Textes hoffte er wohl, noch von einer besseren Idee des Landes zu lesen, wie die Bürgerinnen und Bürger stattdessen geschützt werden könnten. Aber da kam nichts.

Kein effektives Mittel?

Die Regenrückhaltebecken sollen für den Hochwasserschutz kein effektives Mittel sein? Paschold verweist auf das Rückhaltebecken in Salzderhelden im Landkreis Northein. „Das ist das Beste, was ich mir vorstellen kann“, sagt er. Das Becken hat ein Einstauvolumen von 37,4 Millionen Kubikmetern auf einer Fläche von etwa 1.000 Hektar. Solche Becken schützen seiner Ansicht nach auf jeden Fall vor Überschwemmungen.

Schon allein der Wall vor seinem Haus bringe eine Menge. „Da bin ich unserem alten Bürgermeister Klaus Huchthausen heute noch für dankbar“, sagt Paschold. Nach dem Hochwasser 2007 ließ die Gemeinde Dämme und einen Stein-Wall, die Anwohner nennen ihn „Lego-Wall“, bauen. An der Südseite des Grundstücks von Helfried Paschold und seinem Nachbarn und Bruder Wolfgang Paschold steht die Mauer, für die sie ein Teil ihrer Grundstücke zur Verfügung stellten. Die 90 Zentimeter hohe Mauer hält das steigende Wasser aus den Gräben zurück. Es sei denn, dass Hochwasser ist so massiv wie das 2017, dann schwappt das Wasser auch über die Steine. Huchthausen habe damals gesagt: „Wir machen das mit der Mauer. Basta!“ Solche Aussagen vermisse Paschold heute von Politikern. Statt Nägel mit Köpfen zu machen, werde der Ball von einer Seite zur anderen geworfen, und die Betroffenen könnten nur zusehen. Zusehen, und ihr Hab und Gut sichern, wenn das Wasser wieder in ihre Keller strömt.

„Die Menschen verlieren das Vertrauen in die Politik“

Seit Jahren werde nur geplant und nichts geschehe. Das macht Paschold nicht nur angesichts der Holler Michelswiese sauer. Das gelte für alle Einwohnenden von Klein Düngen bis Baddeckenstedt, die ebenfalls vom Hochwasser betroffen sind. Und noch eine Sorge treibt den Rentner um: „Die Menschen verlieren doch das Vertrauen in die Politik.“ Stattdessen verlassen sie sich wie Paschold auf ihre eigenen Pläne für den Notfall. Auf Regale in den Kellern. Und die Hoffnung, dass die Vorräte höher gestapelt sind, als das Wasser im Keller steigen wird. Selbst die Waschmaschinen stehen erhöht. Zudem hat Paschold beispielsweise sieben Pumpen im Keller. Im Garten liegen Schläuche, damit er im Notfall schnell handeln kann. Ein Kellerfenster ist so präpariert, dass sich eine Platte davor setzen lässt. „Dieser ganze Aufwand. Was das kostet!“, sagt Paschold. Klar, Regenrückhaltebecken kosten auch viel Geld, aber das spart den Betroffenen langfristig Geld und Nerven.

Gut geplant

Wie wichtig Vorsorge und Planung sind, habe sich beim Weihnachtshochwasser 2023 gezeigt. „Bürgermeister Hoppe hat hier sehr vorausschauend geplant“, lobt Paschold. So sei dieses Hochwasser für viele glimpflich ausgegangen. Noch besser wäre der Schutz für seinen Heimatort, so Paschold, wenn die Landwirte sich tatsächlich daran halten würden die Gräben zu mähen und wenn sie gemäht haben, den Grünschnitt auch aus den Gräben holen. Wenn die Bahn endlich einwilligen würde, dass eine Sperre in einem Durchlass auf ihrem Gelände an der Bahnhofstraße eingebaut würde.

Rentner lässt sich nicht entmutigen

Viele hätten Paschold gesagt, ob er seinen Unmut für sich behalte oder öffentlich mache, das bringe eh nichts. Aber davon lässt sich der 77-Jährige nicht entmutigen. Vielleicht lesen es ja doch ein paar Politiker, werden nachdenklich und fangen im besten Fall an zu handeln, meint er. Paschold frage sich manchmal, wo der Politiker ist, der sagt, „das ziehen wir jetzt durch!“. „Und dann muss ich an Helmut Schmidt denken“, sagt Paschold und schmunzelt.

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