Hildesheim - Isabel Zillmer und Samuel Kratzenberg hätten noch gar nicht dabei sein müssen. Aber die beiden Zwölftklässler des Goethegymnasiums haben sich Montagfrüh freiwillig in den Kunstunterricht von Susanne Fiedler geschaltet. Die Lehrerin hat die Hälfte ihres Kunstkurses erstmals seit Dezember wieder leibhaftig vor sich sitzen. Die neun Jugendlichen machen am Montag den Anfang, die andere Lerngruppe kehrt am nächsten Montag zurück. Zillmer und Kratzenberg gehören zur zweiten Gruppe, sind aber trotzdem schon via Computer zugeschaltet.
Am Goethegymnasium ist es – Inzidenzwert unter 100 vorausgesetzt – wie an allen anderen Schulen in Niedersachsen auch: Die Jahrgänge fünf bis sieben sowie zwölf sind nach Monaten des Distanzlernens zurück im Präsenzunterricht. „Ich konnte heute morgen schon das ein oder andere lächelnde Gesicht hinter den Masken erkennen“, sagt Schulleiter Stefan Eggemann. Noch immer hätten er und viele andere Lehrer wegen der aktuell steigenden Inzidenzwerte ein mulmiges Gefühl, räumt er ein. „Aber im Moment überwiegt bei uns die Freude, dass es langsam wieder losgeht.“
Am Goethegymnasium kehren 350 Schüler zurück –wöchentlich im Wechsel
Im Fall des Goethegymnasiums kehren am Montag rund 350 Mädchen und Jungen zurück – tatsächlich ist es die Hälfte, weil es sich um Wechselunterricht handelt. Wie mehrere andere Schulen auch, setzt das Goethegymnasium künftig auf regelmäßige Coronatests für die Lehrkräfte, hat diese zunächst wie auch das benachbarte Scharnhorstgymnasium selbst organisiert. Wann die vom Land angekündigten Tests beginnen, weiß man am städtischen Gymnasium in der Goslarschen Straße auch noch nicht. Das Land hat aber freiwillige Selbsttests für alle Schüler noch vor Ostern angekündigt.
Ebenfalls vor Ostern sollen auch die restlichen Jahrgänge in den wechselnden Präsenzunterricht zurückkehren. Allerdings hängt dies auch immer an den Inzidenzwerten. Liegen diese – wie aktuell zum Beispiel in der Region Hannover – über 100 Infektionen pro 100 000 Einwohner, verschiebt sich die Öffnung weiter nach hinten.
Hätte man bis nach Ostern warten sollen?
Im Landkreis Hildesheim ist dies derzeit nicht der Fall. Tausende Mädchen und Jungen strömen deshalb wieder zurück in ihre Klassen und Kursräume. „Ich finde das sehr gut, denn ich kann in der Schule deutlich besser lernen als zuhause“, sagt Zwölftklässler Eliav Abraham. Der 18-Jährige ist einer von neun Schülern, die sich am Montag im Unterricht von Susanne Fiedler künstlerisch mit Orten der Begegnung auseinandersetzen. Einen Tisch weiter sitzt Beliz Savasci. Die 17-Jährige ist ebenfalls froh, wieder in der Schule zu sein. Aber sie glaubt, dass man damit vielleicht besser bis nach den Osterferien hätte warten sollen. „Diese kurze Zeit Präsenzunterricht bringt ja auch nicht so viel“, sagt sie.
In der Sporthalle des Gymnasiums übt derweil die halbe Klasse 7 A Fußballtechniken. Alle Mädchen und Jungen tragen durchgehend Mund-Nasen-Masken.
Ausdauertraining oder Sprints sind deshalb nicht möglich. „Wir beschränken uns jetzt erstmal auf die Technik“, sagt Lehrerin Christa Albrecht. Sie hat die Mädchen und Jungen in zwei Gruppen geteilt. Zwischen ihnen steht eine Reihe Pylonen. Die Aufgabe ist es, die Hütchen mit Fußbällen zu treffen. Doch nach kurzer Zeit sind die meisten Kinder trotzdem aus der Puste, weil man unter den Masken deutlich schlechter Luft bekommt als ohne. „Der Unterricht gestaltet sich momentan halt deutlich schwieriger als sonst“, sagt die Sportlehrerin.
Schüler sind mit viel Enthusiasmus dabei
Auch ohne Präsenzunterricht hatte sie die Schüler zuvor unterrichtet. Sportunterricht im Homeschooling? „Das ging schon“, sagt Albrecht. Sie hatte ihren Schützlingen dann zum Beispiel Rechercheaufgaben aus dem Bereich Fußball gestellt. Das habe technisch alles gut funktioniert. „Und ich war sehr erstaunt, mit wie viel Enthusiasmus alle dabei waren“, lobt Albrecht.

