Zu wenig Helfer

„Ich bin mega enttäuscht“: Organisator Maik Kipry muss die Notbremse ziehen – Hildesheimer Lichterfahrt in diesem Jahr nur mit kürzerer Route

Hildesheim - Die Veranstalter der Hildesheimer Lichterfahrt müssen umplanen: Weil sich nicht genug freiwillige Ordner gemeldet haben, muss der Verein die ursprünglich geplante Route jetzt reduzieren. Die Enttäuschung und der Frust bei den Planern sind groß. (mit Kommentar)

Die Lichterfahrt 2022 in Hildesheim. Foto: Clemens Heidrich (Archiv)

Hildesheim - Lichterfahrt-Organisator Maik Kipry ist die Enttäuschung deutlich anzumerken. Die Veranstalter mussten die Notbremse ziehen und die geplante Route in diesem Jahr erstmals deutlich verkürzen. Der Grund: Trotz der Bemühungen des Vereins haben sich nicht genug ehrenamtliche Helferinnen und Helfer gefunden, die bei der Lichterfahrt am 17. Dezember die Strecke absichern. „Ich bin mega enttäuscht, und ja, das Frustlevel ist sehr hoch.“

160 Helferinnen und Helfer hatte die Stadt vorgeschrieben, damit die Veranstaltung mit der bisher geplanten Route über die Bühne gehen darf. Aus Erfahrung weiß Kipry, dass vor der Lichterfahrt meist zwischen 30 bis 40 Ehrenamtliche kurzfristig abspringen. Das heißt, Kipry muss ohnehin mit einem „personellen Puffer“ planen, um mögliche Ausfälle auffangen zu können. Doch am Ende meldeten sich lediglich 112 Freiwillige – also nicht einmal genug, um überhaupt annähernd auf die geforderte Anzahl zu kommen, geschweige denn um einen Puffer zu haben, sollten Helfer zum Beispiel krank werden. „Ich bin als Veranstalter in Zusammenarbeit mit Stadt und Polizei dafür verantwortlich, einen sicheren Ablauf sicherzustellen. Und das hätte ich nicht gewährleisten können.“ Daher sei dem Verein keine andere Wahl geblieben, innerhalb kurzer Zeit von der ursprünglich geplanten Route abzuweichen und eine Alternativstrecke auszuarbeiten, „die an die jetzige Ordnerzahl mit Puffer angepasst ist“. Natürlich verbunden mit der Hoffnung, dass am besten kurz vor der Veranstaltung am 17. Dezember möglichst niemand von den Unterstützern absagt. Der Vereinsvorstand hat die Alternativroute bei der Stadt zur Genehmigung vorgelegt, die Prüfung läuft aktuell. „Ich kann hier die Zusammenarbeit mit dem Ordnungsamt, der Polizei und der Berufsfeuerwehr nur loben, sie alle unterstützen uns, wo sie nur können.“

Spätestens 14 Tage vor der Veranstaltung muss alles in trockenen Tüchern sein

Kipry könne es nicht verstehen, dass sich bei landkreisweit mehr als 270.000 Einwohnerinnen und Einwohnern keine 160 Helfer finden ließen. „Wir können so eine Veranstaltung nun einmal nur mit Hilfe schaffen.“ In die bisherige Vorbereitung hätten die Veranstalter bereits viel Zeit und Mühe investiert – mit dem Ergebnis, innerhalb kurzer Zeit alles wieder umplanen zu müssen. „Das Stresslevel ist von 100 auf 400 gestiegen.“ Das führe bei den Beteiligten zu Frust. Ob die Planer daher im kommenden Jahr überhaupt noch einmal versuchen, eine rund 20 Kilometer lange Route im Vorfeld vorzubereiten, sei noch unklar. „Die Menschen wohnen doch sogar teilweise an der Strecke und stehen eh draußen an der Straße, um sich die Fahrzeuge anzusehen. Doch offenbar will niemand mehr Verantwortung übernehmen.“ Allerspätestens 14 Tage vor der Veranstaltung „muss alles stehen“, erklärt Kipry. „Ich kann daher nicht bis zur letzten Sekunde warten, ob sich vielleicht doch noch jemand findet, auch wir machen das ehrenamtlich und müssen nun schnell umplanen.“ Anmeldungen von Ordnern werden nun nicht mehr entgegengenommen.

Das war die ursprünglich geplante Route:

Doch in diesem Jahr mangelt es nicht nur an Ordnern, sondern auch an der generellen Spendenbereitschaft, bedauert Kipry. „Wir haben in diesem Jahr keine Möglichkeit, noch andere Institutionen zu unterstützen.“ Unter anderem dank des Förderwettbewerbs „Vereinsliebe“ der Volksbank und einigen lokalen Firmen sei immerhin sichergestellt, dass die Kinder in den Krankenhäusern Geschenke bekommen können. „Manche Firmen sind da sehr großzügig, aber auch nur manche, dabei haben wir auch hier in Hildesheim viele große Firmen.“ Bereits am Samstag werden im Bernward Krankenhaus die Geschenke an die Jüngsten übergeben, am 17. Dezember geht es dann ins Helios und am 23. Dezember ins Ameos. Die Geschenke werden von einem Team selbst gekauft und verpackt, „so, damit am Ende für alle etwas dabei ist“.

„Meine Bitte: Nicht nur meckern, sondern machen.“

Was ihn ebenfalls ärgert: Bundesweit würden zahlreiche Lichterfahrten verboten, etwa wegen bürokratischer Hürden, hat Kipry in den vergangenen Monaten oftmals gelesen und gehört. „Und hier ist es erlaubt, aber wir können es nicht stemmen. Dabei gibt es eh schon wenig für die Kinder.“ Der Verein sei bei Veranstaltungen wie den Steinwelten, beim Hi-Light-Shopping oder beim Schützenumzug dabei gewesen, um „Gesicht zu zeigen“ und auf die Arbeit aufmerksam zu machen, so Kipry. „Meine Bitte: Nicht nur meckern, sondern machen.“ Voraussichtlich am Wochenende wird die neue, geänderte Route vom Verein bekanntgegeben. Sie wird etwa zwölf Kilometer kürzer ausfallen – etwas weniger als die Hälfte der ursprünglichen Strecke.

Für den ebenfalls am 17. Dezember geplanten Weihnachtsmarkt im Rahmen der Lichterfahrt wird sogar Besuch aus England kommen: Die Wohltätigkeitsorganisation Fairy Bricks, die Lego an Kinder, die in Krankenhäusern oder im Hospiz sind, spendet, ist auf die Hildesheimer Lichterfahrt aufmerksam geworden und fliegt daher in die Stadt, freut sich Kipry. „Eine große Organisation aus England schaut auf uns und unterstützt uns, aber Hildesheim nicht. Das ist einfach traurig.“ Aber: Immerhin kann die zweite Kinderlichterfahrt in Algermissen am 10. Dezember stattfinden, „das wird richtig voll“. Mehr als 200 Anmeldungen liegen bereits vor, auch wenn eine Anmeldung vorab nicht zwingend notwendig ist. Die Route dort ist übrigens mit zwei Kilometern sogar etwas länger als im vergangenen Jahr.



Kommentar: Vertane Chance

Nicht nur meckern, sondern machen, so lautet die Bitte von Lichterfahrt-Organisator Maik Kipry. Die ist nachvollziehbar. Gerade auch, weil es eine Veranstaltung zugunsten der Kinder ist. Doch es ließen sich am Ende nicht einmal 160 Freiwillige finden. 160 bei mehr als 270.000 Einwohnern im Landkreis. Das ist bitter. Der Ärger der ehrenamtlichen Organisatoren ist verständlich. Die Hildesheimerinnen und Hildesheimer hätten für eine gute Sache mehr Engagement zeigen können. Sehr schade.

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