Tierschutz

Igel im Garten: Stachelige Nachbarn, die auch im Landkreis Hildesheim Hilfe brauchen

Hildesheim - Immer seltener finden Igel ein sicheres Zuhause. Doch Familie Verhasselt aus Holle zeigt, wie einfach es kann, den stachligen Gartenbesuchern zu helfen. (mit Video)

Igel gelten als gefährdete Tiere, auch dieser aus einem Garten in Holle. Foto: Helge Verhasselt

Hildesheim - Seit wenigen Jahren steht der heimische Braunbrustigel auf der Roten Liste der gefährdeten Tier- und Pflanzenarten in Deutschland. Grund genug, den kleinen Stacheltieren unter die Pfoten zu greifen. Denn die Lebensbedingungen für Igel verschlechtern sich. Nahrungsquellen werden seltener und auch Lebensräume schrumpfen.

Umso häufiger kommt es vor, dass die von Natur aus scheuen Tiere in Gärten auftauchen. Deshalb ist es laut dem Igelschutz Hildesheim besonders wichtig, den eigenen Garten igelsicher zu machen. Igel seien keine Störenfriede, sondern überwiegend nachaktiv und zurückhaltend. Im Winter sind sie zudem ruhige Nachbarn – da halten sie dann ihren wohlverdienten Winterschlaf.

Ein Beispiel aus Holle

Ein solches nachbarschaftliches Verhältnis erlebt aktuell die Familie Verhasselt aus Holle. Vor gut zwei Wochen entdeckten Alexandra (51) und ihr Mann Helge (52), wie die Tierchen plötzlich durch ihrem Garten spazierten. „Als wir die Igel zum ersten Mal gesehen haben“, erzählt Helge Verhasselt, „haben wir direkt unseren Mähroboter ausgeschaltet“. Auch der Familienhund Otto darf vorerst nicht in den Garten. „Er würde den Igeln nichts tun“, beruhigt Alexandra Verhasselt. Der große Vierbeiner müsse eher aufpassen, dass er sich nicht von den Tieren piksen lässt.

Fünf Igel hatten sich zunächst im hinteren Bereich des Gartens eingenistet, geschützt hinter einem Zaun aus Baumstämmen. Unter Ästen und Erde bauten sie sich dort ihr kleines Zuhause. So viel Glück mit ihrem praktischen Unterschlupf haben nicht alle Tiere: In der kalten Jahreszeit verlassen die Jungigel langsam das Nest der Mutter und werden eigenständig. Heißt: Sie müssen sich selbst Nahrung suchen und eine Unterkunft für den Winter finden. Der Start in die Selbstständigkeit wird durch die kalten Nächte und die Nahrungsmittelknappheit in aufgeräumten Gärten zusätzlich erschwert.

So kann ein igelfreundlicher Garten aussehen

Der Igelschutz Hildesheim empfiehlt auf seiner Website daher grundsätzlich igelfreundliche Gärten. Eine ruhige Ecke mit Totholz, Ästen und Büschen ist ein optimaler Start. „Wir haben diesen Bereich ganz der Natur überlassen“, sagt Helge Verhasselt. Vor dem Igelzuhause haben sie außerdem eine flache Schale mit Wasser aufgestellt. Wichtig: Niemals Milch benutzen! Igel vertragen nämlich keinen Milchzucker und können daran sterben. Informiert hätte sie sich darüber bereits, berichtet Alexandra Verhasselt. „Einfach gegoogelt“, sagt ihr Mann. Um den Igel bei seiner natürlichen Nahrungssuche zu unterstützen, eignet sich übrigens auch eine flache Schale mit Katzenfutter.

Die stacheligen Gäste seien sogar auf der Arbeit der Verhasselts ein Gesprächsthema. „Jeder hat irgendwas zu Igeln zu sagen“, erzählt das Ehepaar. Und nun haben die fünf auch lokale Aufmerksamkeit. „Schreib doch mal der HAZ“, meinte Frau Verhasselt zu ihrem Mann. Gesagt, getan.

Auf menschliche Hilfe angewiesen

Wobei es mittlerweile nur noch vier Tiere sind. „Gestern haben wir einen Igel ein paar Meter vom Nest liegen sehen“, sagt Helge Verhasselt. Was deutlich mache: Die kleinen Tiere sind auf menschliche Hilfe angewiesen.

Wenn alles gut geht, kommen die neuen Nachbarn der Verhasselts im März wieder aus ihrem Nest und beginnen ein neues, aufregendes Jahr.

Von Luca Stentzel und Nathalie Benkendorf

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