Bei Hempels unterm Sofa

Im Wagen vor mir fährt … ja, wer denn überhaupt?

Hildesheim - Wenn man als Autofahrer durch einen anderen Verkehrsteilnehmer ausgebremst wird, möchte man doch wissen, wer da am Steuer sitzt.

Wenn da jemand so ganz, ganz langsam vor einem im Auto fährt, möchte man doch sehen, wer da am Steuer sitzt. Oder nicht? Foto: Chris Gossmann

Hildesheim - Wenn man es recht eilig hat und vor einem sich ein Auto ganz schnell einfädelt, um dann die Geschwindigkeit auf kaum wahrnehmbare Bereiche zu drosseln, ist es so weit. Der Kragen platzt, es wird geschimpft, was das Zeug hält. Ich will nicht behaupten, dass man schon am Fabrikat des Fahrzeugs erkennen kann, dass da jemand gaaaanz viel Zeit hat. Sagen wir es mal so: Ich hatte noch nie einen Porsche vor mir, der mich auf eine derartige Geduldsprobe gestellt hat.

Zackig unterwegs

Die Fahrer schneller, sportlicher Autos sind meistens ziemlich zackig unterwegs und einige scheuen sich nicht, andere zu schneiden, sodass denen das kleine Herzchen in die Hose rutscht. Radfahrer können dazu sicher noch mehr sagen, die werden bestimmt viel öfter im Straßenverkehr in Bedrängnis gebracht.

Alter D-Aufkleber am Heck

Noch mal zurück zu den Langsamfahrern. Mich macht es meistens schon stutzig, wenn ich als Hinterherfahrende gar keinen Hinterkopf im Auto sehen kann, nur die Kopfstütze. Da könnte man fast glauben, da sitzt überhaupt keiner am Steuer. Dann denke ich, wie das bei mir wohl von hinten aussieht – so klein, wie ich bin. Gut möglich, dass ich von hinten auch wie so ein Geisterautofahrer wirke. Auf Hochglanz polierte Fahrzeuge älteren Baujahrs mit dem schon historischen schwarz-weißen D-Aufkleber erzeugen bei mir ebenfalls einige Vorurteile über den Fahrer.

Ich weiß nicht, wie es Ihnen geht, liebe Leserinnen und Leser. Aber ich habe so einen Drang, unbedingt zu erfahren, wer da vor mir so langsam fährt oder wer mich fies geschnitten hat. Also setze ich alles daran, um an der nächsten Ampel oder im Stau neben dieses Fahrzeug zu gelangen, um dann in das betreffende Fahrzeug zu glotzen, mir den Fahrer oder die Fahrerin anzusehen. Ich muss ja schließlich überprüfen, ob meine Vorurteile gerechtfertigt sind. Sind sie nicht immer. Aber sehr, sehr oft.

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