Kolumne Gefundenes Fressen

Immer diese Überfälle in der Hildesheimer Fußgängerzone

Hildesheim - Viel zu oft kommt es vor, dass man durch die Innenstadt eilt oder schlendert – und plötzlich springen sie irgendwo hervor: Menschen, die Geld für gute Zwecke sammeln. Eigentlich eine prima Absicht – trotzdem fühlt man sich als Passant genervt und irgendwie verfolgt, findet HAZ-Kolumnistin Kathi Flau.

Die Kolumne Gefundenes Fressen erscheint jeden Montag in der Hildesheimer Allgeinen Zeitung. Foto: Kathi Flau

Hildesheim - Neulich ging es wohl um Unicef. Da draußen, in der Fußgängerzone. „Aah, hallo, junge Frau!“, rief laut ein im Gegensatz zu mir tatsächlich junger Mann und eilte mit einem Stück Papier in der Hand auf mich zu. „Sie haben doch sicher ein Herz für Kinder!“ Naja, wissen Sie, ich habe in erster Linie gerade einen Termin, zu dem ich jetzt schon zu spät komme und noch viel später kommen werde, wenn ich mich mit Ihnen hier und jetzt auf ein Gespräch einlasse darüber, für wen mein Herz schlägt, abgesehen davon geht Sie das aber auch überhaupt nichts an, finden Sie nicht?

Sagte ich nicht, dachte ich nur. Und dann dachte ich: Mannometer. Ist dieses Leute-auf-der-Straße-Überfallen nicht total 80er? Ist das überhaupt noch legal heutzutage? Ich meine: Klar, wenn Wahlen anstehen und Kandidaten die Herzen potenzieller Wählerinnen und Wähler mit einer Bratwurst und einer Handvoll Versprechen für sich erwärmen wollen, dann ist so ein Stand sicher sinnvoll. Überhaupt bei lokalen Akteuren und Anliegen. Aber bei globalen Spendenprojekten ohne Hildesheim-Bezug hat das Ganze doch inzwischen was von einer Drückerkolonne.

Immerzu Leute überfallen, das muss doch deprimierend sein

Es muss ja auch ein deprimierender Job sein: Die Leute eilen gesenkten Blickes an einem vorbei, keiner will deine Flyer und noch weniger dir sein Geld geben, und wenn doch mal einer spendet, dann macht er es bloß, um sich aus der misslichen Lage freizukaufen, in die du ihn gebracht hast. Doof. Dabei finde ich Unicef und den Regenwald und viele andere Zwecke und Initiativen toll. Außer sie lauern einem hinterhältig in der Fußgängerzone auf.

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