Asylsuchende

Immer mehr unbegleitete junge Geflüchtete kommen – doch der Landkreis Hildesheim sorgt sich um Kapazitäten

Kreis Hildesheim - Die Zahl der minderjährigen Geflüchteten, die in den Kreis Hildesheim kommen, steigt seit 2021 erheblich – doch der Mangel an Personal und Wohnraum bereitet dem Landkreis Hildesheim Sorgen.

Seit dem Jahr 2021 kommen immer mehr unbegleitete minderjährige Asylsuchende in den Landkreis Hildesheim. Foto: Chris Gossmann

Kreis Hildesheim - Seit dem Jahr 2021 kommen immer mehr unbegleitete minderjährige Asylsuchende in den Landkreis Hildesheim. Dabei ist die aktuelle Lage deutlich schwieriger als bei der letzten großen Flüchtlingswelle in den Jahren 2015 und 2016. „Damals haben wir zwischen 160 und 200 UMAs in den Landkreis bekommen“, erklärt Kreisjugendamtsleiter Björn Menkhaus in der jüngsten Sitzung des Jugendhilfeausschusses. UMA ist das Verwaltungskürzel für unbegleitete minderjährige Asylsuchende. „Damals konnten wir relativ zügig Kapazitäten schaffen und diese auch personell angemessen ausstatten.“

Doch das Bild hat sich gewandelt. Neben Geflüchteten aus dem Nahen und Mittleren Osten kommen jetzt noch Menschen aus der Ukraine hinzu. „Die Herausforderungen sind größer als 2015“, sagt Menkhaus, „wir haben einen Mangel an Wohnraum und Personal, während die Zahlen unbegleiteter minderjähriger Ausländer kontinuierlich zunimmt.“ Die UMAs bedürfen einer besonderen Betreuung, die in Inobhutnahmeplätzen oder in betreuten Jugendwohngruppen erfüllt werden können. Doch deren Zahl kann die Nachfrage nicht befriedigen. Menkhaus: „Wenn wir nicht weiter wissen, dann bringen wir die UMAs in Notunterkünften unter.“

„Wenn neue Flüchtlinge kommen, dann haben wir ein Problem“

Grundsätzlich hat der Landkreis derzeit ausreichend Kapazitäten in Wohnungen und Notunterkünften, um alle Flüchtlinge unterzubringen, wie Heiko König, Leiter des Amtes für Migration und Integration, erläutert. Da der Landkreis seine Flüchtlingsquote bereits zu 93 Prozent erfüllt hat, ist zumindest aktuell nicht mit Engpässen zu rechnen. Heiko König: „Wir können alle unterbringen.“ Doch das ist nur eine Momentaufnahme, denn die Quote gilt nur bis Ende dieses Monats. Wie es im Oktober weitergeht, weiß derzeit keiner, zumindest nicht beim Landkreis. „Das Land sagt nicht, wie es weitergeht“, so Heiko König, „wenn neue Flüchtlinge kommen, dann bekommen wir ein Problem.“

Der Mangel an Personal und Wohnraum zur Betreuung unbegleiteter minderjähriger Asylsuchender ist allerdings nicht nur ein akutes Problem, sondern hat auch langfristige Auswirkungen, wie Björn Menkhaus erläutert. Die Betroffenen werden in den Notunterkünften weitgehend nur verwahrt. Spracherwerb, Grundkenntnisse für das Leben in Deutschland sowie die Vorbereitung auf eine schulische oder berufliche Ausbildung bleiben dabei größtenteils auf der Strecke. Björn Menkhaus: „Wenn wir sie nicht gut begleiten, dann wird uns das auf die Füße fallen.“

16 Plätze vorhanden

Aktuell gibt es 16 Plätze für unbegleitete minderjährige Geflüchtete in Inobhutnahmeeinrichtungen und 13 Wohngruppenplätze. Insgesamt wurden im vergangenen Jahr im Landkreis Hildesheim 234 junge Menschen vom Jugendamt des Landkreises in Obhut genommen und bei geeigneten Personen, in Bereitschaftspflegestellen in Einrichtungen diverser Träger untergebracht – diese Zahl umfasst auch deutsche Kinder. Die EFES – aktivierende Eltern- und Jugendhilfe gGmbH ist dabei mit 82 Aufnahmen der größte Anbieter solcher Plätze, gefolgt von der St.-Ansgar-Kinder- und Jugendhilfe mit 20 Aufnahmen. 27 Kinder wurden in einer Einrichtung in Bremen untergebracht, die sich auf Kinder bis sechs Jahren spezialisiert hat – im Kreis Hildesheim gibt es keine vergleichbare Einrichtung. Die durchschnittliche Auslastung der Einrichtungen lag 2022 bei 83 Prozent, überstieg Anfang des Jahres die 100-Prozent-Marke lag im Mai bei gut 89 Prozent.

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