Der Fall Gecci

Immobiliendrama im Kreis Hildesheim: Sehen die Anleger nichts von ihrem Geld wieder?

Holle/Bültum - Der mögliche Zusammenbruch der Holler Immobilien-Unternehmensgruppe Gecci hat nun erste Konsequenzen. Was die Anleger wissen sollten – und warum es unter Umständen zu einem Insolvenzantrag kommen könnte.

Eine Baustelle, auf der sich kaum noch etwas tut: Das kleine Gecci-Baugebiet in Bültum. Foto: Heiko Stumpe

Holle/Bültum - Der mögliche Zusammenbruch der Holler Immobilien-Unternehmensgruppe Gecci hat nun erste Konsequenzen. Die Schutzgemeinschaft der Kapitalanleger (SdK) hat die Anleihegläubiger von Gecci aufgefordert, ihre Interessen unter ihrem Dach zu bündeln. Wie genau der Verband dann weiter vorgeht, ist noch offen, zunächst will er sich vor allem um Transparenz und Informationen bemühen, wie ein Sprecher der HAZ auf Anfrage sagte. Später sei auch ein Insolvenzantrag gegen Gecci denkbar.

SdK sieht „erheblichen Aufklärungsbedarf“

Die Unternehmensgruppe Gecci ist ein komplexes Konstrukt aus zahlreichen Schwester- und Tochterfirmen, die SdK spricht von „undurchsichtigen Verflechtungen“. Die Gecci Investment KG hatte im Jahr 2020 zur Finanzierung ihrer Hausbauprojekte zwei Anleihen über jeweils 8 Millionen Euro herausgegeben – eine mit einer Laufzeit bis 2025 und eine bis 2027. Gecci-Gründer Gerald Evans wollte unter anderem zehn Wohnhäuser im Bockenemer Ortsteil Bültum bauen und im Zuge des von ihm entwickelten Konzeptes der „Mietübereignung“ verkaufen. Doch die Bauarbeiten ruhen schon lange – und Gerald Evans ist im Mai dieses Jahres verstorben.

Die SdK sieht nun erheblichen Aufklärungsbedarf. So seien letztmals im August 2022 Zinsen an die Anleihegläubiger geflossen. Dabei habe Gecci noch im Oktober 2022 mitgeteilt, dass die Vorräte aus Baustoffen für die nächsten drei Jahre ausreichen und Kosten für die Mieten für Baumaschinen, Baugeräte und Werkzeuge nicht anfallen würden, da diese der Firma gehörten. Das Geschäftsergebnis übertreffe deutlich die Erwartungen und sei stabil.

Wofür wurde das Geld der Anleger verwendet?

Die Gecci-Anleihen sind inzwischen praktisch gar nichts mehr wert. Lag der Börsenkurs im Juli zumindest noch zwischen drei und fünf Prozent des ursprünglichen Nominalwertes, was auch schon als „Ramschniveau“ gilt, wird er nun mit 0,01 Prozent angegeben. Eine ursprünglich für 1000 Euro gekaufte Schuldverschreibung hätte demnach aktuell noch einen Wert von 10 Cent. Und die Anleihe ist offenbar zumindest zeitweilig gar nicht mehr handelbar.

Die SdK will mit der sogenannten Interessenbündelung die Möglichkeiten der Mitglieder erhöhen. „Der jetzige Zustand ist nicht tragbar, da die Gefahr droht, dass Haftungsansprüche gegenüber Dritten verjähren, wenn man einfach zusieht und nichts tut“, erklärt Sprecher Daniel Bauer. „Die wirtschaftliche Situation der Gesellschaft ist völlig unklar, ferner ist unklar, wo die eingeworbenen Gelder hingeflossen sind und für was diese verwendet wurden.“

„Würden Insolvenzverfahren in Erwägung ziehen“

Eine Option wäre, die Anleihen zu kündigen – dann müssten aber die Inhaber von mindestens 25 Prozent aller Schuldverschreibungen mitmachen. Sie hätten dann theoretisch das recht, das ursprünglich eingezahlte Geld wiederzubekommen – was in der Praxis aber wohl mangels Masse kaum durchsetzbar wäre.

„Sofern dies kein Ergebnis bringt, würden wir auch ein Insolvenzverfahren in Erwägung ziehen“, stellt Bauer klar. Dann müsste ein Insolvenzverwalter das Firmengeflecht entwirren und schauen, ob er noch etwas findet, was an die Gläubiger verteilt werden kann.

Anja Evans angefragt

Anja Evans, Witwe des Firmengründers und Mit-Geschäftsführerin der meisten Gecci-Firmen, hatte Anfang Juli gegenüber der HAZ Verständnis für die Unruhe unter den Anleihegläubigern geäußert, zugleich aber um Geduld gebeten: „Ich muss mir erst einen Überblick verschaffen.“ Die HAZ hat Anja Evans am Dienstagvormittag zu den neuen Entwicklungen angefragt.

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