Kreis Hildesheim - In Hannover und Salzgitter haben die Impfungen von Einwohnern, die aufgrund ihrer Berufe der zweithöchsten Priorität angehören, bereits begonnen – auch für Grundschullehrer und Erzieherinnen. Im Landkreis Hildesheim soll das zumindest noch in diesem Monat beginnen. Allerdings konkurrieren innerhalb der zweiten Kategorie Angehörige vieler verschiedener Berufe um zügige Impf-Termine.
Lehrer und Erzieherinnen bilden innerhalb der zweiten Priorität freilich eine besonders große Gruppe, die mehrere tausend Menschen umfasst. Zudem sind sie anders als zum Beispiel Krankenhaus-Mitarbeiter auf viele Dutzend Orte im ganzen Landkreis verteilt. Kreisverwaltung und Kommunen arbeiten deshalb schon jetzt offenbar mit Hochdruck daran, einen zügigen Ablauf zu gewähren, wenn es so weit ist.
Gespräche mit Krankenhäusern
Dabei möchte der Landkreis grundsätzlich, dass für Schulen und Kitas in Hildesheim und Alfeld die jeweiligen Impfzentren genutzt werden, größere Einrichtungen könnten aber auch Besuch von den Impfteams bekommen. Zudem würde er nach eigenen Angaben gern die beiden großen Hildesheimer Krankenhäuser einbinden – was diese selbst längst angeboten haben.
Dazu soll es in Kürze „Sondierungsgespräche“ geben. Allerdings gibt es offenbar formale Hürden: „Die Zulassung von Krankenhäusern als Impfstelle obliegt nicht dem Landkreis Hildesheim“, heißt es auf eine HAZ-Anfrage. Das Land muss sein Okay geben.
Schnelle Harsumer
In den Städten und Gemeinden außerhalb der Kreisstadt soll es hingegen Impf-Aktionen vor Ort geben. Die Planungen laufen bereits auf Hochtouren, auch wenn es teilweise bürokratisch zugeht: So sollen die Schulen selbst ihre impfwilligen Mitarbeiter an den Landkreis melden. Für die Kitas – auch die in nicht-kommunaler Trägerschaft – sollen die Städte und Gemeinden die Daten sammeln und an den Landkreis schicken.
Und dabei sind einige Kommunen ihrer Zeit regelrecht voraus, haben nicht groß auf Anweisungen gewartet. Harsums Bürgermeister Marcel Litfin zum Beispiel hat die Impfbereitschaft in den Grundschulen und Kitas der Gemeinde bereits abgefragt und die entsprechenden Tabellen schon nach Hildesheim geschickt – „in vorauseilendem Gehorsam“, wie er selbstironisch sagt.
Hohe Bereitschaft
Und nicht nur das: Er hat mit seinem Algermissener Amtskollegen Wolfgang Moegerle einen gemeinsamen Plan ausgearbeitet. Demnach soll es je eine Impf-Aktion in Harsum und eine Algermissen geben – für jeweils die Hälfte der impfwilligen Erzieherinnen und Grundschullehrer aus beiden Kommunen. Das soll einer „optimalen Aufrechterhaltung des Betriebes in beiden Kommunen dienen“, sagt Moegerle mit Blick auf die Nebenwirkungen des Impfstoffs von Astrazeneca.
Ähnlich flink war die Gemeinde Holle. „Die Listen sind fertig und unterwegs“, berichtet Bürgermeister Klaus Huchthausen, der von rund 110 Lehrern und Erzieherinnen allein in seiner vergleichsweise kleinen Gemeinde ausgeht, die sich impfen lassen wollen. Die Impfbereitschaft sei sehr hoch. Huchthausen geht von einer Quote von mehr als 90 Prozent aus. Harsums Bürgermeister Marcel Litfin spricht von „wenigen Einzelfällen“, die nicht wollten. Ähnliche Eindrücke gibt es zum Beispiel im Hildesheimer Förderzentrum am Bockfeld, wo rund 260 von 300 Beschäftigten die Immunisierung wünschen.
Teilweise Verwirrung
Insgesamt sind die Kommunen mit ihren Planungen unterschiedlich weit. In Bad Salzdetfurth, Diekholzen, Giesen oder Nordstemmen zum Beispiel laufen die Abfragen noch. Wer wie schnell seine Impfbereitschaft an den Landkreis meldet, ist ein entscheidender Faktor bei der Frage, wer zuerst drankommt. „Generell ist hier aber kein statisches, sondern ein flexibles Vorgehen erforderlich und sinnvoll“, betont die Kreisverwaltung.
Auch in den Schulen im Hildesheimer Stadtgebiet laufen die Vorbereitungen für die Impfungen bereits intensiv, auch wenn es noch keine konkreten Termine gibt. Dabei scheinen längst nicht alle Schulen auf dem gleichen Informationsstand zu sein. In der Didrik-Pining-Schule etwa kam am Freitagabend die Anfrage samt auszufüllender Excel-Liste vom Regionalen Amt für Schule und Bildung an. Schulleiterin Alexandra Oberle-Markgraf betont, dass die Abfrage unter rund 100 infrage kommenden Lehrern und weiteren Mitarbeitern läuft, doch sie sagt auch: „Uns liegen noch keine Informationen vor, bis wann und an wen die Liste weitergegeben werden soll.“
Bockfeld drängt
Für den Landkreis ist das hingegen klar. Die Schulen müssten ihre Daten direkt an die Impfzentren schicken, so stehe es auch im Erlass des Landes zu dem Thema.
„Die Vorbereitung der Listen und Unterlagen läuft bei uns auf Hochtouren, eine Einladung zu einem Termin liegt aber noch nicht vor“, bestätigt indes Angelika Meyer, Leiterin der Schule im Bockfeld. Hier müssen wegen des Förderzentrums, zu dem auch Kita-Einrichtungen zählen, sehr viele Beschäftigte geimpft werden. „Eine zeitnahe Immunisierung ist auch deshalb wichtig, weil im Förderzentrum Mädchen und Jungen mit geistigen und körperlichen Beeinträchtigungen unterrichtet werden“, sagt Meyer.
Hoffen auf Tempo
Friederike Hoff-Elfers, Leiterin der Grundschule Moritzberg, meldet 54 impfwillige Personen. „Wir hoffen sehr, dass das Gesundheitsamt schnellstens wegen eines Termins auf uns zukommt“, sagt sie. An der Grundschule auf der Höhe ist man noch dabei, die Impfwilligen zu erheben. „Das benötigt etwas Zeit, da auch die Beschäftigten anderer Träger, etwa der Kooperationspartner im Ganztag, angesprochen werden müssen“, sagt Schulleiterin Anja Büscher. An der Grundschule auf der Marienburger Höhe arbeiten 18 Lehrkräfte, der Kreis der Impfberechtigten ist aber größer. „Ich hoffe, dass wir noch vor den Ferien geimpft werden können“, sagt Büscher.
Auch die Regenbogenschule in Sarstedt trägt die Namen derer zusammen, die sich demnächst immunisieren lassen wollen. „Darüber, wie viele Lehrkräfte und pädagogische Mitarbeiter sich impfen lassen möchten, gebe ich aber keine Auskunft“, sagt Rektorin Marion Heuer. Als Begründung nennt sie Datenschutzgründe.
Viele in der zweiten Priorität
Ob es allerdings so schnell geht, wie sich viele Schulleiter und ihre Mitarbeiter das wünschen, ist unklar. Die Impfungen für unter 65-Jährige in der zweithöchsten Priorität – und dazu gehören so gut wie alle, die aus beruflichen Gründen zu dieser Kategorie gehören – sollen zwar möglichst noch im März beginnen.
Doch neben Erzieherinnen und Grundschullehrern gehören auch noch viele andere in diese Kategorie, die für sich ebenfalls besondere Dringlichkeit reklamieren dürften: zum Beispiel viele Krankenhaus-Mitarbeiter, Polizisten, Menschen, die daheim Angehörige pflegen, Kontaktpersonen von Schwangeren, Betroffene zahlreicher Vorerkrankungen und Beschäftigte in Einrichtungen für geistig Behinderte.
Heftige Diskussionen?
Grundsätzlich will der Landkreis daran festhalten, den Impfstoff nach der Reihenfolge der Anmeldungen zu berücksichtigen – wobei sich die angesprochenen Privatpersonen offenbar noch gar nicht anmelden können. In den nächsten Wochen dürfte es daher noch heftige Diskussionen geben.
