Seltene Schäden nach Corona-Impfungen

Impfschäden: CDU lädt zum „Post-Vac-Gipfel“ nach Berlin – mit dabei ist ein Betroffener aus dem Kreis Hildesheim

Kreis Hildesheim/Berlin - Betroffene, die nach Corona-Impfungen unter Folgeschäden und dem sogenannten Post-Vac-Syndrom leiden, finden nur schwer Hilfe. Ein Patient aus dem Kreis Hildesheim setzt sich für Verbesserungen ein – und traf jetzt in Berlin auf Politiker und Mediziner.

Thorben H. (am linken Bildrand) aus dem Kreis Hildesheim beim Treffen in Berlin, zu dem der gesundheitspolitische Sprecher der CDU-Bundestagsfraktion, Tino Sorge (am Kopfende des Tisches) und die Berliner Abgeordnete Sandra Khalatbari (neben Sorge) eingeladen hatten. Auch mit dabei: Prof. Dr. Bernhard Schieffer (neben Khalatbari), der sich an der Uni-Klinik in Marburg um Patienten mit Long Covid und Post Vac kümmert. Foto: Dustin Müller

Kreis Hildesheim/Berlin - Wie viele Menschen in Deutschland unter schwerwiegenden gesundheitlichen Folgen einer Corona-Schutzimpfung leiden, weiß niemand genau. Dass es solche Impfschäden aber gibt, wenn sie auch im Verhältnis zur Gesamtzahl der geimpften Personen extrem selten sind, das erkennen immer mehr Mediziner und auch Politiker an. Patienten wie etwa Thorben H. aus dem Kreis Hildesheim, die auch viele Monate nach ihrer Impfung ähnlich wie Long-Covid-Betroffene mit starken körperlichen Einschränkungen wie Konzentrationsschwierigkeiten, Blutdruckschwankungen, plötzlichem Herzrasen, Sehstörungen, lang anhaltenden Kopfschmerzen oder chronischer Müdigkeit leben, reicht das nicht. H. setzt sich dafür ein, dass das Thema – inzwischen hat sich der Begriff Post-Vac-Syndrom etabliert –noch breiter diskutiert und die Forschung in dem Bereich intensiviert wird – und als einer von fünf Betroffenen hat er am Donnerstag an einer Gesprächsrunde in Berlin teilgenommen.

CDU-Abgeordnete laden zum Austausch nach Berlin ein

Auf Einladung des gesundheitspolitischen Sprechers der CDU-Bundestagsfraktion, Tino Sorge, und dessen Parteifreundin Sandra Khalatbari (Mitglied im Berliner Abgeordnetenhaus) tauschte H. sich bei einem Runden Tisch nicht nur mit den beiden Politikern aus, es nahmen auch Mediziner teil, unter anderem Prof. Dr. Bernhard Schieffer. Er leitet eine Spezialambulanz am Universitätsklinikum Marburg und kümmert sich dort um Menschen, die an Long Covid erkrankt sind. Seit Januar 2022 bietet der Kardiologe außerdem eine Sprechstunde für Patienten mit Post-Vac-Syndrom an.

„Die Betroffenen brauchen Gehör“

Dass es überhaupt zu diesem Treffen gekommen ist, ist aus Thorben H.s Sicht ein wichtiger Schritt. „Das Thema wird ins richtige Licht gerückt“, sagte er im Anschluss an die Gesprächsrunde. Zu lange seien Betroffene und Mediziner, die sich ihrer angenommen hätten, als Corona-Leugner und Impfgegner verunglimpft worden, so der Mann aus dem Landkreis. Und gleichzeitig hätten eben jene das Thema immer wieder missbraucht, um Stimmung zu machen. Deshalb sei es um so wichtiger sachlich zu diskutieren. „Mir ist klar, dass auch die CDU, gerade vor der Berlin-Wahl, eigene Interessen hat und überlegt, wie sie punkten kann“, sagt H. Dennoch halte er es der Partei zugute, dass sie sich in dem Bereich engagiere, „und die Betroffenen brauchen Gehör.“

Darauf ging der CDU-Politiker Tino Sorge ein: „Es braucht nun eine neue Kraftanstrengung von Bund und Ländern, um den vielen betroffenen Menschen zu helfen. Der heutige Post-Vac-Gipfel ist ein erster Schritt, den wir gemeinsam gehen. Unser Signal an die Betroffenen ist klar: Wir sehen Sie, und wir wollen Sie so gut wie möglich unterstützen.“ Was dafür vor allem nötig ist, sei klar, sagt Thorben H.: lokale Anlaufstellen, in denen Betroffene Hilfe von Medizinern bekommen, die sich mit Post-Vac auseinandersetzen und auch bereit sind, neue Therapieansätze auszuprobieren. Und außerdem: „Man muss die Forschung auf dem Gebiet vorantreiben.“

Von Ärzten nicht ernst genommen?

Dieser Forderung können sich die 16-jährige Lea aus Hildesheim und ihre Mutter nur anschließen. Die Jugendliche hatte im zeitlichen Zusammenhang mit ihrer Covid-Impfung eine Herzmuskelentzündung erlitten, in der Folge verschlechterte sich ihr Zustand kontinuierlich. Motorische Ausfallerscheinungen mit Krampfanfällen machen ihr das Stehen und Gehen inzwischen unmöglich, sie hat einen Schwerbehindertenausweis und ist auf einen Rollstuhl angewiesen. Eine gesteigerte Licht- und Geräuschempfindlichkeit mit extremen Kopfschmerzen als Folge belasten das Mädchen zusätzlich. Doch nur wenige Ärzte würden sich bisher mit Diagnosen und Behandlungen ernsthaft beschäftigen, ärgert sich die 16-Jährige. „Wenn man dann gesagt bekommt, das sei alles nur psychosomatisch begründet und dass mir eigentlich gar nichts fehlt, ist das schwer zu verkraften.“ Für Kinder und Jugendliche sei es noch schwieriger als für erwachsene Betroffene Hilfe zu bekommen. „Das muss sich endlich ändern.“

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