Kreis Hildesheim - Der Impfstoff des britisch-schwedischen Herstellers Astrazeneca wird in Deutschland vorerst nicht mehr eingesetzt. Die Bundesregierung hat die Impfungen nach einer aktuellen Empfehlung des Paul-Ehrlich-Instituts vorsorglich gestoppt. Das erklärte das Bundesgesundheitsministerium am Montagnachmittag. Das gilt für Erst- und Zweitimpfungen gleichermaßen. Wie es für Menschen weitergeht, die bereits die erste Injektion erhalten haben, ist derzeit noch unklar.
Nach neuen Meldungen von Thrombosen der Hirnvenen im zeitlichen Zusammenhang mit der Impfung in Deutschland und anderen europäischen Ländern hält das Institut weitere Untersuchungen für notwendig. In mehreren europäischen Staaten ist der Einsatz von Astrazeneca-Impfstoff bereits ausgesetzt.
Neue Verzögerung
Erst vor wenigen Tagen hatte das Land Niedersachsen per Verordnung geregelt, dass anders als bisher auch Menschen über 65 Jahren mit dem Astrazeneca-Präparat geimpft werden können. Nun wurde es fürs Erste ganz aus dem Verkehr gezogen.
Das dürfte die Impfungen im Landkreis Hildesheim weiter verzögern. Bislang werden Mitglieder der höchsten Prioritätsgruppe, die unter 65 Jahre alt sind, damit geimpft – unter anderem Mitarbeiter von Krankenhäusern, Ärzte und ihre Praxisteams sowie Mitarbeiter von Pflegediensten.
Verwirrung bei Prioritäten
Zudem sollte in Kürze die Impfung von Angehörigen der zweithöchsten Prioritätsgruppe, die jünger als 65 sind, mit Astrazeneca beginnen. Dazu gehören unter anderem weitere Krankenhaus-Mitarbeiter, aber auch Erzieherinnen, Grundschullehrer, pflegende Angehörige, Kontaktpersonen von Schwangeren und Einwohner mit einer ganzen Reihe unterschiedlicher Vorerkrankungen und Behinderungen. Auch diese Planungen geraten nun ins Wanken. Bleibt Astrazeneca außen vor, blieben nur die Präparate von Biontech und Moderna – und die Impfkampagne würde deutlich gebremst.
Dabei gibt es ohnehin schon wieder Veränderungen: Ab sofort werden landesweit auch Termine an Menschen aus der zweithöchsten Priorität vergeben. Unabhängig davon, ob, wie im Kreis Hildesheim, noch Senioren über 80 oder andere Angehörige der höchsten Prioritätsgruppe auf der Warteliste stehen. Was dazu führt, dass schon für diese Woche erste Termine zum Beispiel an pflegende Angehörige im Hildesheimer Impfzentrum vergeben wurden, während hochbetagte Einwohner noch auf einen Termin warten. Dafür zuständig ist das Land. Durch das vorläufige Aus für Astrazeneca dürfte es zu erneuten Verschiebungen kommen.
Der Landkreis Hildesheim hat inzwischen alle Impftermine mit Astrazeneca am Dienstag in den Impfzentren in Hildesheim und Alfeld abgesagt. Wie es ab Mittwoch weitergeht, will die Kreisverwaltung am Dienstag erklären.
Der Landkreis Wolfenbüttel hat am Nachmittag bereits alle Astrazeneca-Impftermine in seinem Impfzentrum abgesagt.
Stand Montag sind in Niedersachsen knapp 135.000 Dosen des Impfstoffs von Astrazeneca verimpft worden, rund 160.000 sind derzeit noch eingelagert.
