Helios-Geschäftsführer

Impfungen: Hildesheimer Krankenhaus-Chef kontert Landkreis

Hildesheim - Sascha Kucera vermisst Verständnis für die Bedeutung der Kliniken und ihrer Mitarbeiter in der Krise und betont: „Habe mich schon im Dezember um Impfungen bemüht.“

Helios-Geschäftsführer Sascha Kucera findet, dass der Landkreis die Krankenhäuser beim Impfen zu spät und zu wenig berücksichtigt. Foto: Werner Kaiser

Hildesheim - Der Geschäftsführer des Hildesheimer Helios Klinikums, Sascha Kucera, hat sich nach eigenen Angaben schon Ende vergangenen Jahres beim Landkreis um Impfungen für alle Mitarbeiter bemüht. Er reagiert damit auf Hinweise des Landkreises, wonach sich die großen Hildesheimer Krankenhäuser möglicherweise nicht rechtzeitig um Impftermine gekümmert hätten. Das weist Kucera entschieden zurück. Überhaupt berücksichtige der Kreis die Rolle der Kliniken in der Corona-Pandemie nicht ausreichend.

Am Sonnabend hatte die HAZ berichtet, dass bei Helios und im St.-Bernward-Krankenhaus (BK) bisher nur knapp 20 Prozent der Beschäftigten gegen das Coronavirus geimpft sind. Und dass in beiden Häusern mehr als die Hälfte der Mitarbeiter, die der höchsten Priorität angehören, überhaupt noch kein Impf-Angebot hatten. In beiden Häusern hatte es je zwei Impf-Termine am 9. und 30. Januar gegeben. Der Termin am 9. Januar war nur zustande gekommen, weil die mobilen Impfteams wegen der Ausbrüche in mehreren Pflegeheimen so viele Dosen übrig hatten. Ein Zufalls-Termin also.

Früh alle gemeldet?

Die Kreisverwaltung hat darauf verwiesen, dass sie innerhalb der höchsten Priorität die Reihenfolge der Impfungen danach festlegt, welche Institution – neben Altenheimen und Krankenhäusern gehören unter anderem auch Rettungs- und Pflegedienste, viele Ärzte und ihre Praxisteams sowie Tagespflegen dazu – als erste formell „Impfbereitschaft“ meldet, sprich Listen mit den Daten aller Impfwilligen vorlegt. Das haben die beiden Krankenhäuser aus Sicht des Kreises offenbar nicht oder sehr spät gemacht. Der erste geplante Impftermin in beiden Kliniken ist erst für Donnerstag, 12. März, festgesetzt – zweieinhalb Monate nach Beginn der Impfungen in Deutschland.

Für Kucera unverständlich: „Ich habe am 28. Dezember aus dem Urlaub heraus erstmals bei Stadt und Landkreis nachgefragt, wie es aussieht, und am 29. Dezember gemeldet, dass bei uns insgesamt 1400 Mitarbeiter geimpft werden sollten.“ Denn er sei der der Meinung, wie bei Heimen müsse im Krankenhaus eigentlich jeder Beschäftigte mit höchster Priorität geimpft werden.

„An uns hängt es am Ende“

Als es Anfang Januar dann den ersten, wenn auch ungeplanten, Impftermin gab, habe er gedacht: Das läuft jetzt. „Das habe ich intern auch so gesagt: Es geht bald weiter.“ Doch Woche um Woche sei verstrichen, und der Unmut in der Belegschaft auch ihm gegenüber sei immer größer geworden. „Als dann die Debatte aufkam, ob Lehrer und Erzieher früher geimpft werden sollen, gab es bei uns einen regelrechten Aufruhr.“

Kucera ging – wie auch das BK – selbstverständlich davon aus, dass die Krankenhäuser innerhalb der höchsten Priorität sehr schnell drankommen würden: „Das ist doch logisch: Wir haben seit einem Jahr Covid-Patienten. Bei uns kommen die Betroffenen am Ende an, wir müssen die schlimmsten gesundheitlichen Auswirkungen der Pandemie abfangen, an unseren Mitarbeitern und unserer Funktionsfähigkeit hängt es.“ In anderen Landkreisen werde das offenbar auch gesehen: „Bei Helios in Northeim sind bis hin zur Reinigungskraft alle geimpft.“

„Könnten viel helfen“

Auch der Impftermin bei Helios und im BK in dieser Woche sei nur auf stetes Nachbohren zustande gekommen: „Von sich aus hätte sich der Landkreis bis heute nicht bei uns gemeldet. Ich habe immer wieder gesagt: Wir stehen parat. Aber wir wurden immer wieder hingehalten.“

Was Kucera noch ärgert: „Warum bindet man die Krankenhäuser nicht in die Impfungen insgesamt ein?“ Die vier Klinken im Landkreis hätten die Möglichkeit „24 Stunden am Tag, sieben Tage die Woche“ zu impfen.

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