Kolumne: Echt jetzt!

In aller Ruhe Auto fahren? Nicht im Hildesheimer Kommunalwahlkampf

Hildesheim - Es gibt Menschen, für die entschleunigte Autofahrten (ohne Kind und Kegel) meditativen Charakter haben. Kurz vor der Kommunalwahl finden diese allerdings unter erschwerten Bedingungen statt. Über das Phänomen, einfach nicht wegschauen zu können.

Die Zerstreuung droht am Straßenrand – weshalb bloß blickt man immer und immer wieder auf dieselben Wahlplakate? Foto: HAZ

Hildesheim - Vielleicht gibt es Menschen in Stadt und Kreis Hildesheim, für die das Alleine-Autofahren eine ähnliche Bedeutung hat wie für mich – unter normalen Umständen jedenfalls. Denn mein Leben ist zugegebenermaßen recht voll, ich kommuniziere viel im Job und privat kaum weniger. Oft sitzen zudem meine Kinder mit mir im Auto, haben (mitunter nervige) Musikwünsche oder weltbewegende Fragen an mich.

Gestörte Meditation

Alleine im Auto unterwegs zu sein, beispielsweise zur Arbeit und zurück, hat deshalb meditativen Charakter. Ich höre die Musik, die ich selbst mag, über Lautsprecher jene Nachrichten, zu denen ich tagelang nicht gekommen bin, oder genieße die Stille. Und der Blick? Der ist auf die Straße geheftet, auf sonst nichts, es gibt keine Ablenkung. Jaaaaa, normalerweise ist das so! In diesen Wochen des Kommunalwahlkampfes allerdings lauert die Zerstreuung überall am Straßenrand.

Weggucken? Klappt nicht!

Ich schaffe es einfach nicht, an den Plakaten vorbeizufahren, ohne auf jedes einzelne zu schauen. Auf meinem Arbeitsweg kenne ich die Inhalte mittlerweile auswendig, ich könnte sie rückwärts singen. Trotzdem gucke ich hin, komme nicht dagegen an, und ganz ehrlich: Das nervt. Was genau sorgt eigentlich dafür, dass man die Dinger nicht links liegen lassen kann, liebe Wahlwerbungsexperten? Licht am Tunnelende bringt, na klar, die Wahl, denn danach können Sie und ich wieder ablenkungsfrei Auto fahren. Das ist ja auch viel sicherer.

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