Mitmach.Werkstatt

In dieser Werkstatt in Hildesheim darf jeder sein Fahrrad reparieren

Hildesheim - Fahrrad kaputt und wenig Geld für die teure Reparatur? In dieser kleinen Hildesheimer Werkstatt kostet es fast nichts. Aber es gibt eine Bedingung.

Andre Stojadinovic schraubt in der Mitmach.Werkstatt der Herberge zur Heimat an einem alten Fahrrad. Einrichtungsleiterin Daniela Knoop schaut ihm zu. Foto: Christian Harborth

Hildesheim - In der kleinen Fahrradwerkstatt in der Oststadt riecht es noch nach frischer Farbe und fabrikneuem Inventar. Fenster, Fußboden, Schränke und die komplette Elektrik sind neu. „Unser Vermieter hat alles schön für uns gemacht“, sagt Daniela Knoop, Geschäftsführerin der Herberge zur Heimat. Die gGmbH, eine Tochter der Diakonie Himmelsthür, bietet vor allem wohnungslosen Menschen ein Quartier. In der kleinen Mitmach.Werkstatt im Erdgeschoss hat darüber hinaus jeder die Möglichkeit, sein Fahrrad immer mittwochs zwischen 14 und 18 Uhr unter fachkundiger Anleitung zu reparieren.

Das Angebot gibt es schon seit 2017. Doch jetzt hat die Herberge zur Heimat weitere Räume im Nachbarhaus angemietet. Ins Erdgeschoss des Komplexes ist die Mitmach.Werkstatt gezogen. Darüber hat Geschäftsführerin Knoop mit einer Kollegin noch ein Büro bezogen. Im Verwaltungstrakt im anderen Gebäude sei es zuletzt sehr eng geworden, berichtet Knoop. Das angemietete Nachbargebäude mit zusammen rund 70 Quadratmetern habe die räumliche Situation deutlich entspannt.

Manche benötigen nur Luft, andere den Rundum-Service

Jedes Jahr tauchen viele Menschen in der Mitmach.Werkstatt auf, um ihre Fahrräder zu reparieren. Manche schneien nur kurz herein, um Luft aufzupumpen. Andere benötigen einen Rundum-Service. „Es kam mal eine Studentin, die richtig Feuer fing“, berichtet Daniela Knoop. Am Ende schraubte sie unter fachkundiger Anleitung von Dirk Moldenhauer über Wochen an ihrem Zweirad. Und tat damit das, was der eigentliche Grund für die Werkstatt ist: Eine Anbindung der Herberge und ihrer Bewohnerinnen und Bewohner an die Menschen der Oststadt.

Das Konzept scheint aufzugehen – auch wenn die Fahrräder dann oftmals nur noch eine kleine oder sogar gar keine Rolle mehr spielen. „Irgendwann kam eine ältere Frau mit ihrem Staubsauger und bat darum, ein versehentlich eingesaugtes Teil aus dem Beutel zu holen“, berichtet Knoop. Auch kämen regelmäßig Kinder aus der Nachbarschaft zu Besuchen vorbei. Der Kontakt zu den Menschen in der Umgebung sei nicht zuletzt wegen der kleinen Werkstatt deutlich besser geworden.

Alles beginnt mit einem Anruf bei der Polizei

Wer mit seinem defekten Fahrrad kommt, muss für die Leistung der Herberge zur Heimat kein Geld bezahlen. Erst, wenn Ersatzteile bestellt werden müssen, müssen sich die „Kunden“ auch finanziell beteiligen.

Auf einem Montageständer an der Wand ist ein Fahrrad eingespannt, das bereits fertig ist. Auf einem kleinen Laufzettel sind die einzelnen Schritte notiert. Ein Kreuzchen hat der Monteur an der Stelle gemacht, wo der Begriff Polizei genannt ist. „Wenn wir ein Fahrrad geschenkt bekommen, rufen wir immer zuerst bei der Polizei an“, erklärt Knoop. „Es wäre schlimm, wenn wir hier gestohlene Fahrräder aufarbeiten und später weitergeben.“

Zehn Jahre unter dem Dach der Diakonie Himmelsthür

Am Mittwoch, 19. Juni, will die Herberge zu Heimat ihre neuen Räume der Mitmach.Werkstatt mit geladenen Gästen sowie Nachbarn eröffnen. Beginn ist um 15 Uhr in der Gartenstraße 6. Daneben soll ein besonderer Geburtstag gefeiert werden: In diesem Jahr befindet sich die Herberge seit zehn Jahren unter dem Dach der Diakonie Himmelsthür.

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