Sturm

Ein komplettes Dach hochgehoben und gegen Nachbarhaus geweht: Ein Blick auf die Sturmschäden in Schellerten und Söhlde

Söhlde/Schellerten - Besonders schlimm wütete das Sturmtief Lambert in Schellerten und Söhlde. Am Freitag fangen manche Betroffene noch Wasser auf, das durch die triefenden Decken tropft. Und an Andreas Gills Haus lehnt ein weggewehtes Werkstatt-Dach.

In Bettrum hat der Sturm das komplette Dach einer Werkstatt angehoben. Foto: Christian Harborth

Söhlde/Schellerten - Andreas Gill steht in Bettrum zwischen seinem Grundstück und dem seines Nachbarn und blickt auf Schäden, wie es sie nicht oft im Landkreis Hildesheim zu sehen gibt. Der Sturm vom Donnerstag hat das komplette Dach der Werkstatt nebenan in die Höhe gehoben und auf sein Haus fallen lassen. Beim Blick auf das tonnenschwere Gebilde, das das Nachbarhaus erheblich beschädigt hat, kann man erahnen, was für Kräfte am Donnerstagabend wirkten.

„Das Ganze dauerte nur wenige Sekunden“, berichtet Unternehmer Gill, der hier zusammen mit seiner Frau Lena Edelpilze züchtet. Die beiden brachten noch schnell Küken vom Nachbargrundstück in Sicherheit, dann brach das Unwetter über sie herein. „Durch das Fenster konnte ich sehen, wie auf dem Nachbargrundstück die Bäume brachen“, erzählt Gill. Birken und Eichen mit einem Stammdurchmesser wie ein menschlicher Körper brachen wie Streichhölzer. Glücklicherweise sei niemand verletzt worden.

Ein Blick auf das Ausmaß der Schäden

Am Tag nach dem Unwetter wird auf dem Gelände der früheren Fabrik das ganze Ausmaß der Verwüstung deutlich. Handwerker rücken an, um das offene Dach notdürftig zu verschließen. Überall läuft Wasser durch die Decken.

Aus einer Dachluke heraus kann man in das Innere der benachbarten Werkstatt von Busburkhardt schauen. „Ich glaube, dass es eine Art Tornado war, der über unsere Gegend zog“, sagt Gill. Von vielen Häusern ganz in der Nähe wisse er, dass dort nichts passiert sei.

Kaum ein Raum, in dem keine Eimer stehen

Dass der Sturm womöglich im Raum Söhlde und Schellerten besonders arg gewütet haben muss, kann man schon bei der Fahrt durch den östlichen Landkreis erahnen. Entlang der Straßen liegen dicke Äste und Baumreste, die die Feuerwehren in der Nacht zerschnitten und zur Seite gezogen haben. Ähnlich schlimm wie Bettrum hat es offenbar auch Dingelbe getroffen. Zahlreiche Dächer weisen erhebliche Schäden auf. Im Haus von Patricia Ptock gibt es kaum einen Raum, in dem keine Eimer, Wannen und Töpfe stehen, mit denen das durch die Decken triefende Wasser aufgefangen werden soll.

Detlef Ruppelt leert mittags im Kinderzimmer seiner Enkelkinder die vollen Gefäße. Sein Sohn Steven ist mit seiner Familie Mieter bei Hauseigentümerin Ptock. An der Decke sind mitunter schon große Löcher zu sehen. Das Haus ist sehr alt und besteht zum Teil aus Lehm und Stroh. Nachdem der Sturm die Ziegel abgedeckt hatte, liefen Wassermassen ins Innere. Die Schäden sind erheblich. „Sogar unser Pool im Garten wurde von herabstürzenden Ziegeln beschädigt“, sagt Ruppelt.

Teile des Kirchendachs abgedeckt

Nicht weit entfernt rüsten Dachdecker-Geselle Jan Denant und seine Kollegen vom Dingelber Betrieb Hartmann gerade einen Teil der St. Michael-Kirche ein. Auch hier hat der Sturm einen Teil des Dachs zerstört und die Ziegel in der Umgebung verstreut. „Wir werden jetzt wohl am Wochenende arbeiten“, sagt Denant und blickt auf die Löcher im Dach, durch die zeitgleich das Wasser ins Innere der Kirche läuft. „Es sieht im Moment so aus, dass wir die Kirche für mehrere Wochen nicht nutzen können“, sagt Küster Matthias Küster.

Ein ausgesprochen schlechter Zeitpunkt, schließlich steht das 111-jährige Jubiläum des TV Eiche kurz vor der Tür. Mitsamt Dorffest – und Gottesdienst. Doch für den hat sich schon eine Lösung gefunden, sagt Küster: Die Gemeinde trifft sich stattdessen im benachbarten Dorfgemeinschaftshaus. „Das blieb zum Glück unbeschadet.“

Zahlreiche Häuser beschädigt

Dingelbes Ortsbürgermeister Henning von Hermanni berichtet von erheblichen Sturmschäden. Zahlreiche Häuser seien beschädigt worden und in Teilen nicht mehr bewohnbar. „Nach allem, was ich weiß, war der Sturm bei uns mit am Schlimmsten“, sagt Schellertens Gemeindebürgermeister Fabian von Berg.

Er sei nur froh, dass niemand schlimm verletzt worden sei. Trotzdem habe es sehr viele Schäden gegeben. Viele von ihnen hätten gezeigt, was für Kräfte am Donnerstagabend gewirkt haben. „Auch am Sportplatz in Kemme ist ein Baum mit einem Stammdurchmesser von fast einem Meter umgekippt“, sagt von Berg. Der Baum sei gesund und als Naturdenkmal eingestuft gewesen.

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