Hildesheim - Sie haben eine andere Form als gewohnt, sind aus Kunststoff statt aus Metall, und die Einwurfschlitze sind höher als bei den alten Modellen: An immer mehr Standplätzen in Hildesheim installiert der Zweckverband Abfallwirtschaft Hildesheim (ZAH) neue Papiercontainer. Die stoßen bei Bürgerinnen und Bürgern nicht nur auf Gegenliebe. Doch man sollte sich offenbar daran gewöhnen, wie ZAH-Geschäftsführer Jens Krüger auf Nachfrage der Redaktion deutlich macht.
Sonderanfertigungen aus der Tschechischen Republik
Von den alten Containern müsse sich der ZAH auf jeden Fall verabschieden, so Krüger. Diese habe früher ein deutsches Unternehmen produziert, mittlerweile aber das Patent dafür in die Tschechische Republik verkauft. Mit der Folge, dass Nachschub nur noch von dort zu bekommen war – und zwar in Form aufwendiger und teurer Sonderanfertigungen, weil es keine Serienproduktion mehr gibt. „Da mussten wir also reagieren“, sagt Krüger.
Auf der Suche nach Ersatz stieß der ZAH auf einen deutschen Hersteller, der auch viele andere Kommunen und Zweckverbände mit seinen Containern beliefert. Die sind aus Kunststoff statt aus Metall und deshalb kostengünstiger. „In den meisten Landkreisen stehen schon lange solche Behälter“, betont der ZAH-Chef.
Ersatzteillager in Heinde
Der Zweckverband will nun in Hildesheim nach und nach die alten Metallcontainer und durch die neuen Kunststoffbehälter ersetzen. „Wir haben da keinen genauen Zeitplan, machen das einfach sukzessive, so wie es nötig ist, um abgängige Container zu ersetzen, und so, wie wir es personell und logistisch schaffen“, kündigt Krüger an. Deshalb lasse sich auch nicht sagen, wann wo die Behälter ausgetauscht werden, und wann womöglich alle alten Behälter verschwunden sind.
Wobei: Verschwinden sollen sie nicht. Vielmehr will der ZAH abgebaute Papiercontainer aus Metall auf der Deponie Heinde aufbewahren – quasi als Ersatzteillager. Schließlich stehen im Landkreis noch Hunderte solcher Container, und Ersatzteile sind auf dem Markt praktisch nicht mehr zu bekommen. Gerade außerhalb Hildesheims dürften die Metallcontainer aber noch längere Zeit für die Entsorgung von Altpapier bereitstehen.
Platz für mehr Container?
Unterdessen begegnet Krüger der Kritik von Bürgerinnen und Bürgern, wonach die neuen Container ein deutlich geringeres Fassungsvermögen hätten als die alten. „Das sieht vielleicht so aus“, sagt der ZAH-Chef. Tatsächlich würden die alten Container 3,3 Kubikmeter fassen, die neuen 3,2 Kubikmeter. Denn die Kunststoff-Modelle seien zwar schmaler, aber dafür höher – was den Vorteil mit sich bringe, dass sie weniger Platz wegnehmen. „Es gibt Standplätze, da können wir bei Bedarf künftig einen mehr unterbringen“, sagt der Geschäftsführer des Zweckverbandes.
Lebensgefahr im Container?
Krüger ist zudem zu Ohren gekommen, dass es in den ersten Wochen auch Unmut darüber gab, dass der Einwurfschlitz höher liegt als bei den alten Containern. Das habe einen ernsten Hintergrund, weshalb er sich sehr bewusst für ein solches Modell entschieden habe: „Man kann nicht so leicht hineinklettern.“ Anderswo in Deutschland sei es bereits zu Todesfällen gekommen, weil zum Beispiel Obdachlose in einen Papiercontainer gekrochen seien und dies bei der Leerung nicht bemerkt wurde. Auch spielende Kinder seien schon in solchen Containern entdeckt worden. „So etwas will ich auf keinen Fall erleben.“
Krüger verweist zudem darauf, dass es nicht selbstverständlich sei, mit Blauer Tonne und Containern gleich zwei kostenlose Sammelsysteme für Altpapier anzubieten.
