Hoheneggelsen - Noch ist die Zukunft des Seniorendomizils in Hoheneggelsen nicht gesichert. Aber es sieht offenbar gut aus. „Es geht sehr, sehr in die richtige Richtung“, sagt Insolvenzverwalter Hans-Peter Valentiner aus Celle. Er könne keine Versprechen machen, sagt der Fachanwalt, aber wenn alles gut laufe, könne das Seniorenheim am Ende des Jahres an den neuen Betreiber Jan Kirschbaum übergeben werden.
„Jeder fall ist anders“
In der vergangenen Woche hatte der Liquidator des Seniorenheimes, Roland Hecker, Insolvenz für das Heim beantragt. Hecker war zuvor in verschiedenen Senioreneinrichtungen als Geschäftsführer und ebenfalls als Liquidator tätig. Das Gericht ernannte nach der Prüfung des Antrages Valentiner zum Insolvenzverwalter. Der Jurist aus Celle ist seit 30 Jahren mit dem Insolvenzrecht betraut. „Jeder Fall ist anders. Aber dieser ist schon besonders fordernd“, sagt Valentiner. Besonders am Fall Hoheneggelsen sei die verbitterte Auseinandersetzung zwischen Heimbetreiber und dem Vermieter der Immobilie. „Es ist schwierig, wenn die Beteiligten sich so feindselig gegenüberstehen“, sagt Valentiner. Seine Aufgabe sei nun unter anderem, Gerüchte und Hinweise von Beweisen zu trennen.
Insolvenz als Chance
Ziel seiner Arbeit ist in erster Linie, dass das Unternehmen fortgeführt werden kann. „Die Insolvenz ermöglicht die Übernahme mit Aktiva, aber ohne Schulden“, erklärt der Jurist. Deswegen sei das Verfahren sehr hilfreich. Über seine Arbeit hat Valentiner die Mitarbeiter und Bewohner bei persönlichen Treffen informiert. Mit dabei sei auch Jan Kirschbaum als möglicher künftiger Heimbetreiber gewesen. In der Versammlung hätten die Mitarbeiterinnen erklärt, dass sie gerne weiter in der Einrichtung arbeiten würden und dass sie das Verfahren unterstützen. „Offenbar besteht Vertrauen zu Herrn Kirschbaum“, so Valentiner. Bewohner und Mitarbeiter würden es begrüßen, wenn er das Heim übernimmt. Aktuell wohnen noch 20 Senioren im Haus, und Valentiner möchte ihnen einen Umzug ersparen.
Gehaltszahlungen stehen aus
Die Mitarbeiter haben für Oktober kein Gehalt mehr bekommen. Den ausstehenden und den aktuellen Lohn bekommen die Angestellten nun über das Insolvenzgeld zu 100 Prozent. Laut Valentiner habe sich der wirtschaftliche Niedergang des Unternehmens schon seit einiger Zeit angedeutet. Doch wie kann das kommen? Hat doch der Heimbetreiber schon seit Jahren keine Miete mehr an den Eigentümer überwiesen, wohl aber die Zahlungen der Bewohner erhalten. „Ich habe einen Verdacht, aber ich will nicht spekulieren“, sagt Valentiner. Fakt sei, dass es rechnerisch gewaltige Mietrückstände gebe. Seit Jahren beschäftigen sich die Gerichte mit dem Streit, aber ein rechtskräftiges Urteil gibt es noch nicht. Es gebe Darlehensverbindlichkeiten gegen den Gesellschafter und/oder eine Gesellschaft, die dem Gesellschafter nahe stehe. Licht in dieses Dunkel der Verbindungen zu bringen, ist eine Aufgabe des Juristen. Er hat bereits die vorläufige Verwaltung des Vermögens beantragt, das heißt, dass die Konten der Gesellschaft gesperrt sind. Roland Hecker hat also keinen Zugriff mehr auf Firmengeld.
Verhandlungen laufen
Die andere Aufgabe besteht darin, dass Unternehmen wieder in die Balance zu bringen. Dazu gehören die Verhandlungen mit Kirschbaum und dem Vermieter der Immobilie, Uwe Kuhnle. Da die beiden Parteien sich offenbar einig sind, sieht Valentiner gute Chancen, dass das Haus in einigen Wochen ohne Schulden übergeben werden kann. Die bestehenden Außenstände des Unternehmens werden über das Insolvenzverfahren abgewickelt. Gut möglich, dass das neue Jahr auch für das Heim in Hoheneggelsen einen Neuanfang bringt.
