Führungswechsel

Jagd auf kriminelle Rocker, Dealer und Clans – für diesen Hildesheimer war das ein Traumjob

Hildesheim - Matthias Schroweg war seit 2006 Leiter der in Hildesheim ansässigen Zentralen Kriminalinspektion – warum er am liebsten öfter mal vor Wut in die Tischplatte gebissen hätte und trotzdem sorgenfrei in den Ruhestand geht.

Matthias Schroweg und sein Team hatten die Organisierte Kriminalität immer genau im Visier Foto: Chris Gossmann

Hildesheim - Die Polizei hat ihren Sitz in der Schützenwiese, das weiß jedes Hildesheimer Kind irgendwann. Ein großes blau-weißes Schild vor dem Gebäude zeigt klar, wer hier arbeitet. Dass es in der Stadt noch eine andere Dienststelle gibt, nur zwei, drei Kilometer entfernt, eine, von deren Hof keine Streifenwagen mit Blaulicht zum Einsatz aufbrechen, und deren Team keine Uniformen trägt, das wissen allerdings nur wenige Hildesheimer. Keine großen „Polizei“-Schilder weisen vor dem unscheinbaren Gebäude darauf hin, dass hier Ermittlerinnen und Ermittler arbeiten, die es mit der Organisierten Kriminalität aufnehmen und zum Beispiel international agierende Drogendealer-Banden und Korruptionsnetzwerke zerschlagen sollen.

„Es ist wichtig, dass man über uns spricht“

Um erfolgreich sein können, müssen die Spezialisten der Zentralen Kriminaldirektion (ZKI) der Polizeidirektion Göttingen (PD) weitgehend im Verborgenen arbeiten. Früher, erinnert sich Matthias Schroweg, der 2006 die Leitung der noch relativ neuen Abteilung übernahm, hätten das ganze Team und er sich komplett abgeschottet: Während die Kollegen der Polizeiinspektionen über Pressestellen selbst Medien und Öffentlichkeit über Einsätze und Ermittlungserfolge informierten, übte sich die ZKI in Schweigen. Jegliche Kommunikation nach außen gefährde die eigene Arbeit – dieses Denken hat sich allerdings im Lauf der Zeit gewandelt. Und das ist auch ein Vermächtnis von Schroweg, der nun, nach insgesamt 41 Jahren bei der Polizei, in den Ruhestand geht. „Ich habe es früher anders gesehen, aber ich habe verstanden: Es ist wichtig, dass man über uns spricht.“ Klar, Ermittlungen dürften zu keiner Zeit gefährdet werden, aber Berichte über abgeschlossene Verfahren seien wichtig – das sieht auch Gwendolin von der Osten so. Die Präsidentin der PD sagt: „Es ist ein Zeichen an die Bevölkerung dafür, dass der Rechtsstaat durchgreift.“ Schroweg beschreibt seinen goldenen Mittelweg so: „Tue Gutes und sprich darüber.“

Durchgegriffen hätten Schroweg und sein Team in der Vergangenheit gerne noch öfter. Dass er aber auch immer wieder mal „in die Tischplatte gebissen“ habe, lag des Öfteren auch an den politischen Vorgaben, die nicht immer mit den Wünschen und Erwartungen der Polizei zusammenpassten.

Bekämpfung von Clan-Kriminalität: Hier hätte er gerne früher mehr getan

Beispiel Clan-Kriminalität: Die Polizei hätte die Szene schon früher intensiver ins Visier nehmen und gegen sie vorgehen können, das sei aber lange „politisch und gesellschaftlich nicht gewollt“ gewesen, sagt Schroweg. Umso wichtiger sei es, dass in diesem Bereich vor einigen Jahren ein Umdenken eingesetzt habe. Dass er nun weitegehend „sorgenfrei“ Abschied nehmen könne, liege aber auch vor allem an seinem Team, das hervorragende Arbeit leiste. „Die ZKI ist gut besetzt, junge Leute kommen nach.“ Mehr könnten es freilich immer sein, wie Schroweg noch anmerkt. „Wenn wir alle Verfahren übernehmen würden, die wir vom Thema her übernehmen könnten, bräuchten wir 30, 40 Leute mehr.“

Aus „wir“ wird nun „die“, und an die Spitze der ZKI rückt einer, von dem Schroweg überzeugt ist, dass er die Einheit erfolgreich weiterführt: Thomas Breyer, derzeitiger Kripo-Chef der Polizeiinspektion, übernimmt demnächst das Ruder.

Nachfolger an der Spitze der ZKI steht bereits fest: Thomas Breyer

Die PD-Präsidentin lobt Schroweg zum Abschied nicht nur wegen seiner erfolgreichen Ermittlungs- und Führungsarbeit, sie nennt auch einen Punkt, der neben den fachlichen Qualifikationen wohl fast genau so wichtig ist – die Haltung, mit der man an einen Job herangeht. „Matthias Schroweg war Kriminalbeamter mit Leib und Seele.“

Das wird Schroweg wohl auch im Ruhestand bleiben, auch wenn er nicht mehr aktiv eingreift. Dass er damals nach der Schule diesen Berufsweg eingeschlagen hat, und nicht wie eigentlich mal angedacht Sport und Germanistik studierte, das hat er nie bereut. Im Gegenteil. „Es war ein Traumjob.“

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